Öffentlichkeitsarbeit

Kanada: Verbraucher unzufrieden mit Milchviehhaltung

Kanadische Konsumenten sind unsicher, ob es Kühen gut geht. Was erwarten sie von der modernen Tierhaltung? Expertin Dr. Marina von Keyserlingk stellt Ergebnisse einer Studie vor.

Die größten Bedenken hinsichtlich der Tierhaltung haben kanadische Verbraucher beim Thema Fütterung, gefolgt von Weide/Auslauf, Verhaltenseinschränkung der Tiere und zuletzt Misshandlung durch den Landwirt. Das ist das Ergebnis einer Studie von der Kanadierin Dr. Marina Keyserlingk, die sie während eines Online-Seminars des Beratungsring Wittlich Trier und des Innovationsteam Milch in Hessen vorstellte. Ein Forschungsteam befragte 50 zufällig ausgewählte Personen an einem Tag des offenen Hofes in Kanada, die vorher noch nicht in Kontakt mit der Landwirtschaft standen.

Haben Milchkühe ein gutes Leben?

Bevor sich die Besucher den Betrieb angesehen haben, wurden ihnen verschiedene Fragen gestellt. Dabei ging es um Milchproduktion, Anbindehaltung, Weidegang, Trennung von Kuh und Kalb sowie um die Futtergrundlage der Tiere. Die Besucher sollten außerdem einschätzen, wie sicher sie sind, dass Milchkühe ein gutes Leben haben. Daraufhin gaben 42 % der Umfrageteilnehmer an, sich sicher zu sein, dass Kühe gut leben.

Dieselben Fragen zu den Themenkomplexen sollten die Besucher auch nach dem geführten, informativen Rundgang erneut beantworten. Nach dem Rundgang waren nur noch 24 % sicher, dass es den Kühen gut geht. Damit konnte diese kanadische Studie nicht bestätigen, dass sich die Meinung der Öffentlichkeit durch sachliche Informationen zum Thema positiv beeinflussen lässt.

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Nach dem Rundgang waren nur noch 24 % sicher, dass es den Kühen gut geht. (Bildquelle: Keyserlingk)

Die Teilnehmer kritisierten nach dem Rundgang insbesondere die Trennung von Kuh und Kalb nach der Geburt und dem mangelnden Zugang zur Weide oder einem Außenbereich. „Wer die Gesellschaft in den Entwicklungsprozess einbinden möchte, muss in den Dialog mit ihr gehen. Auf deren Vorstellungen und Wertesystem achten und tolerieren, dass deren Vorstellung eines idealen Milchviehbetriebs eine andere ist“, so Keyserlingk. Lösungen aus dem Dilemma müssen Landwirte und Verbraucher gemeinsam suchen. Laut der Kanadierin ist es falsch, die Verantwortung für Veränderungen auf den Schultern der Bürger abzuladen.

Eine weitere Befragung von US-Bürgern hat ergeben, dass Verbraucher wollen, dass die Produktion von Milch und Fleisch ohne Antibiotika und Hormone auskommt. Auch dem Landwirt soll es gut gehen. Denn ohne Verdienstmöglichkeit für den Landwirt ist die Motivation zu gering, die Tiere gut zu umsorgen, so die Ansicht der Befragten.

Zukunft selbst gestalten

Für die Branche als Ganzes ist es laut Keyserlingk elementar wichtig, eine Vision zu haben und einen Masterplan zu entwickeln, wie die Milchviehhaltung zukünftig aussehen soll. Lahme Kühe, Bullenkälber, die Trennung von Kuh und Kalb oder auch die Behandlung mit Hormonen stehen in der Diskussion. „Diese Entwicklung muss die Branche unbedingt selber führen, nicht der unwissende Verbraucher", so die Expertin. Die Landwirtschaft muss sich zunehmend den kritischen Fragen der Öffentlichkeit stellen und dabei ehrlich und offen bleiben. Ein Diskussionsteilnehmer des Online-Seminars brachte es auf den Punkt: „Wir haben eine Bringschuld. Wir müssen und verändern und die Sorgen der Bürger ernst nehmen und darauf reagieren. Es ist keine Holschuld, wo der Konsument erst mehr für Produkte bezahlt und dann auf Verbesserungen wartet“.

Die Übertragung der Ergebnisse auf die deutsche Milchviehhaltung ist den Wissenschaftlern zufolge wahrscheinlich nicht 1:1 möglich.