RIND-Management

Rinderexporte: Wo hakt es noch immer?

Die Diskussion um Drittlandexporte von Zuchtrindern ist ein ständiges Hin und Her. Es wird endlich Zeit für eine Lösung. Wie ist der Stand der Dinge?

Wenn auf dem Mittelmeer Tausende Mastrinder auf einem Frachtschiff ziellos herumtreiben und nach monatelanger Fahrt eingeschläfert werden müssen, ist das schlichtweg grausam. Solche Bilder sorgen dafür, dass Tiertransporte grundsätzlich hinterfragt werden.

Allerdings sind lebende Rinder, die Deutschland in Länder außerhalb der EU exportiert und über lange Strecken transportiert, hauptsächlich weibliche Zuchtrinder. Deren Käufer haben ein großes Interesse daran, die Tiere unversehrt zu erhalten, um sie langfristig in der Milchproduktion einzusetzen.

Doch auch über diese Transporte diskutieren Politik, Wirtschaft und Tierschützer schon seit Jahren. Wir haben 2018 über das Abfertigen und Transportieren von Zuchtrindern nach Marokko berichtet (top agrar 7/2018, R 20). Was hat sich seitdem an den Rahmenbedingungen und Diskussionen geändert?

Exportzahlen sinken leicht

Fest steht: Zuchtviehtransporte in Drittländer sind weiterhin möglich, die Zahlen sind in den letzten Jahren aber gesunken. 2020 exportierte Deutschland (vorläufige Daten) 104.000 Zuchtrinder – davon 37 000 außerhalb der EU. 2019 waren es insgesamt noch 124 000 Rinder. Der Anteil von Holsteins liegt bei 80 %.

Die Nachfrage nach deutschen Zucht­rindern ist hoch, sagt Dr. Nora Hammer, Geschäftsführerin vom Bundesverband Rind und Schwein (BRS): „Besonders für Drittstaaten ist der Zukauf von deutschem Jungvieh die Chance, eine eigene Population aufzubauen.“

So beispielsweise in Marokko, wo ein staatliches Programm und auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Aufbau von Milchviehherden und die Ausbildung von Landwirten unterstützen. Die Exportzahlen in das nordafrikanische Land stiegen von 1.500 im Jahr 2015 auf 5.800 Tiere in 2020.

Auch Russland investiert in deutsche Genetik, nicht zuletzt wegen des EU-Embargos auf Lebensmittel. Die Türkei war einer der wichtigsten Abnehmer von Zuchtrindern außerhalb der EU. Der Absatz ist wegen der wirtschaftlichen Lage des Landes deutlich zurückgegangen und trägt zu den sinkenden Exportzahlen bei.

Politik und Gerichte uneinig

Ein Grund für die insgesamt sinkenden Exporte ist auch der erhöhte bürokratische, zeitliche und damit finanzielle Aufwand für Drittlandexporte.

Denn in den letzten Jahren wurde immer wieder über mutmaßliche Missstände auf Lang­strecken­­transporten berichtet. Viele Bundesländer reagierten mit Erlassen und untersagten z. B. im Frühjahr und Sommer 2020 die Transporte in Drittstaaten. Vor Gericht konnten Exporteure aber belegen, dass sie alle Vorschriften für den Transport erfüllen und durften diese durchführen.

Aufgrund der uneinheitlichen Regelungen fordern die Bundesländer mit einem Beschluss des Bundesrates im Februar 2021 von der Regierung bundesweit geltende und strengere Vorgaben. Unter anderem wollen sie Fahrzeiten auf acht Stunden begrenzen (statt 14 Stunden) und bei Außentemperaturen von unter 5 bzw. über 25 °C den Transport verbieten (statt Innenraumtemperatur 5 bis 30 °C).

Darüber hinaus verlangen die Länder ein Transportverbot von Nutztieren in bestimmte Drittstaaten. Und zwar dann, wenn zu befürchten ist, dass den Tieren im Zielland Verletzungen oder unnötiges Leiden zugefügt werden könnte. Die Bundesregierung soll nun prüfen, ob das umsetzbar ist.

Ungewisser Transport

Grundlage für das Abfertigen der Exporte von Zuchtrindern ist die EU-Tiertransport-Verordnung 1/2005. Diese regelt alle Standards, wie die Ausstattung der Lkws und Befähigung der Fahrer sowie Transport- und Pausenzeiten.

Um Rinder ins Ausland transportieren zu dürfen, müssen Unternehmen nachweisen, dass sie diese Vorgaben einhalten. Ob ihre...


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