EU/USA/Agrarhandel

„Rindfleisch Deal“ nicht mehr als Trump PR?

Zu Wochenbeginn entpuppte sich die Sonntags-Schlagzeile "Noch mehr US-Rindfleisch erzürnt EU-Fleischzüchter" als Trumps Beruhigungspille für US farmer.

Zu Beginn der Woche kristallisierte sich heraus, dass der am Wochenende verkündete Rindfleisch Deal zwischen der EU und den USA ein alter Hut ist. Die jetzt unterzeichnete Rindfleischquote von 45.000 Jahrestonnen wurde bereits vor zehn Jahren vereinbart und stellt kein Draufsatteln dar. Und auch US-Auto-Strafzölle gegen deutsche Autobauer sind noch nicht vom Tisch.

Die vom DBV nun vorgetragene Kritik lässt dabei entscheidende Fakten außer Acht. (top agrar 4.8.2019: "Noch mehr US-Rindfleisch erzürnt EU-Fleischzüchter"

(siehe dazu Kommentar „Amerikanische Augenwischerei“)

Richtig ist, dass die EU-Kommission als Verhandlungsführer der EU eine Erklärung unterzeichnet hat, dass von dem Einfuhrkontingent von hormonfreiem Rindfleisch den Amerikanern 35.000 Tonnen von insgesamt 45.000 t aus Drittstaaten zollfrei zugebilligt werden. Die übrigen 10.000 t sollen Argentinien u. a Länder jährlich einführen dürfen.

Laut EU-Kommission werden in der Europäischen Union fast acht Millionen Tonnen Rindfleisch von heimischen Bauern erzeugt. Die vor der WTO ausgehandelte Quote nimmt sich dagegen eher bescheiden aus und stellt keine existentielle Bedrohung für die EU-Landwirtschaft dar.

Die getroffene Aufteilung wurde bereits im Juni zwischen den EU- und US-Chef-Verhandlungsführern vor dem WTO-Handelsausschuss fixiert. Die EU-Rinderzüchter sind mitnichten von weiteren oder zusätzlichen zehntausenden Tonnen Rindfleischlieferungen aus Übersee bedroht.

Die publikumswirksame vor laufenden Kameras im Weißen Haus inszenierte Unterschriften-Zeremonie, darf in erster Linie als Schachzug des US-Administration und als Beruhigungspille von US-Präsident Donald Trump für seine notleidenden US Farmer gewertet werden.

EU-Bauern wurden in Washington nicht über den Tisch gezogen

Vor allem die US-Rinderzüchter leiden derzeit unter dem Handelskrieg zwischen China und den Vereinigten Staaten. So bremsen die verhängten chinesischen Strafzölle massiv die traditionellen US-Soja-Exporte ins Reich der Mitte aus.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump hatten bereits im Juli 2018 im Rosengarten des Weißen Hauses, den Soja Deal und Einfuhren in die EU als das große Geschäft für die darbenden US-Soja-Farmer gefeiert.

Dahinter verbirgt sich die US-Strategie, auf dem 500 Millionen Absatzmarkt Europa dem Agrar-Export zum Durchbruch verhelfen zu wollen. Daraus wird jedoch nichts. Bei den laufenden Verhandlungen machte die EU-Kommission bisher stets deutlich, dass an die Aufnahme eines Agrarkapitels nicht zu denken sei.

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KOMMENTAR

Amerikas Augenwischerei

vor von Thomas A. Friedrich

Die DBV-Kritik an den Handelsabkommen mit den USA und Mercosur beleuchtet top agrar EU-Korrespondent Thomas A. Friedrich. Mehr Gelassenheit tut Not!

Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Rudolf Rößle

Amtsenthebung

eine zweite Amtszeit wäre Chaos pur, denn dann dreht er voll auf und durch.

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