Mit Fleischqualität auf der Überholspur Premium

Dr. Jens van Bebber und seine Frau Katja Bodenkamp mästen Duke of Berkshire-Schweine. Das Fleisch ist zarter, marmorierter und hebt sich geschmacklich deutlich vom Standard ab. Bei ihrem Abnehmer, dem Kölner Handelshof, haben sie damit einen Nerv getroffen.

Viele Lebensmittelhändler nutzen Rabattangebote bei Fleisch- und Wurstwaren gerne als Köder, um Verbraucher in ihre Läden zu locken und den Umsatz zu steigern. Jede Woche flattern zig Millionen Werbezettel mit Billigstangeboten in die Briefkästen der deutschen Haushalte. „Heute 30, 50 oder 70% billiger“, so lautet die Rabattschlacht-Botschaft, die jedem Schweinehalter ein Dorn im Auge ist.

Auch beim Kölner Unternehmen Handelshof ist Fleisch ein wichtiger Umsatzbringer. In den 16 deutschen Filialen werden monatlich rund 1000 t Fleisch gehandelt. Im Gegensatz zu den Discountern und Supermärkten bietet der Konzern, der ausschließlich gewerbliche Unternehmen aus den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Großverbraucher und Handel beliefert, auch eine Vielzahl von qualitativ hochwertigen Fleischprodukten an. So gehören unter anderem verschiedene hochpreisige Serano-Schinken, Nackensteaks vom Ibérico-Schwein, Dry Aged Steaks vom heimischen Rind oder Wachtelbrüste zur Angebotspalette. Und wer es besonders exotisch liebt, findet außerdem Känguru-Steaks oder Straußen-Filets in den Kühltheken.

Dirk Nennen, Mitglied der Geschäftsleitung und gelernter Metzgermeister, setzt bewusst auf die Karte Fleischqualität. „Wenn Restaurant- oder Küchenchefs bei uns einkaufen, suchen sie auch nach Fleisch, das sich geschmacklich von der Standardware abhebt. In der Gastronomie will jeder seinen Gästen etwas ganz Besonderes bieten“, schildert Nennen seine Erfahrungen.

Um die teils ausgefallenen Wünsche seiner Kunden auch im Bereich Schweinefleisch besser erfüllen zu können, suchte der Händler mehrere Jahre nach dem richtigen Produkt. Das Problem war, dass bei Schweinefleisch Standardware den Markt beherrscht.

Dann hatte Nennen Glück. Im Jahr 2013 lernte er eher zufällig Landwirt Dr. Jens van Bebber aus Samern in Niedersachsen kennen. Der Mäster spielte schon länger mit dem Gedanken, die Fleischqualität wieder stärker in den Mittelpunkt seiner Produktion zu rücken. „Ich wollte Fleisch mit einer besonderen Geschmacksnote produzieren und meinen Kunden ein echtes Genuss-erlebnis liefern“, beschreibt van Bebber seine Ziele. Auch die Haltung der Schweine wollte der Unternehmer ändern. „Meine Frau und ich wollten weg von der vielfach kritisierten konventionellen Haltung und unseren Mastschweinen Einstreu, Außenklimafeeling und mehr Platz bieten“, erinnert er sich.

Händler trifft Landwirt:

Mit seinen Ideen stieß der Landwirt bei Dirk Nennen sofort auf offene Ohren. Nach einem ersten lockeren Gedankenaustausch setzten sich beide an einen Tisch und überlegten gemeinsam, wie sie aus ihren Vorstellungen ein Geschäftsmodell entwickeln könnten. Der Manager des Handelshofes machte dabei klar, dass ihm bestimmte Vorgaben wichtig sind. Er forderte unter anderem mehr Fläche pro Tier, Außenklima, Stroh, den intakten Ringelschwanz und die Sauen mussten frei abferkeln können.

Um das garantieren zu können, mussten die konventionellen Mastställe des Betriebes van Bebber umgebaut werden. Der Landwirt war dazu bereit, wollte vorab aber auch die Sicherheit haben, dass ihm seine Schweine abgenommen werden. Beide Seiten vereinbarten daher vertraglich, dass der Handelshof alle Schweine des Landwirts kauft. „Ohne die feste Zusage hätte ich das nicht gemacht, die Vermarktung muss immer vorher...

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Artikel geschrieben von

Marcus Arden

Redakteur Schweinehaltung

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