„Tierwohl muss auch beim Ferkel honoriert werden!“

Sauenhalterin Annika Rösch setzt in ihrem Betrieb verschiedene Tierwohlmaßnahmen um. Bei der Ferkelvermarktung zahlt sich das aber bisher nicht aus.

Das Tierwohl muss an erster Stelle stehen!“ Das stand für Junglandwirtin Annika Rösch bereits von Anfang an beim Umbau des Sauenstalls fest. Gemeinsam mit ihrem Vater Ernst bewirtschaftet die 26-Jährige einen Sauenbetrieb inklusive Ferkelaufzucht und 200 ha Ackerbau in Schalkstetten im Alb-Donau-Kreis auf der Schwäbischen Alb, Baden-Württemberg.

Bei der Bestandserweiterung von 400 auf 600 Sauen vor rund zwei Jahren entschiedenen sich Röschs bewusst gegen einen herkömmlichen Sauenstall. „Denn die Forderung nach mehr Tierwohl ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken“, begründet die Landwirtin ihre Entscheidung. Im Jahr 2019 bauten Vater und Tochter deshalb einen komplett neuen Abferkelstall mit großzügigen Bewegungsbuchten sowie ein neues Deckzentrum mit Auslauf. Dies wurde vom Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) und der Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri) gefördert.

Fokus auf Buchtenstruktur

„Bereits damals waren größere Abferkelbuchten und Bewegungsbuchten im Gespräch, sodass schnell klar war, dass wir nicht unter 7 m² bauen werden“, erklärt Annika Rösch. Unabhängig von der Größe planten Röschs zunächst, wie die Bucht strukturiert sein sollte. Großen Wert legten sie nicht nur darauf, dass Sau und Ferkel viel Platz haben. Auch das Stallpersonal sollte in der Bewegungsbucht so einfach und sicher wie möglich arbeiten können.

Die Wahl fiel schließlich auf eine 7,5 m² große Bewegungsbucht vom Stalleinrichter En-Sta. Insgesamt 3,5 m² der Fläche sind planbefestigt, davon 1,1 m² beheizte Fläche im Ferkelnest. Die übrige Bodenfläche ist mit Gussrosten ausgestattet. Die Buchten sind in Parallelaufstallung mit Ferkelnest zum Gang angeordnet. „Damit haben wir einen Kompromiss gefunden, um sowohl den Trog als auch den Geburtsbereich im Blick zu haben“, erklärt Annika Rösch. Niedrige Buchtenabtrennungen sorgen dafür, dass die Land-wirtin und ihre Mitarbeiter leicht in die Bucht einsteigen bzw. sie ohne große Anstrengung wieder verlassen können.

Besonderen Wert hat Annika Rösch zudem auf einen einfachen Öffnungsmechanismus des Ferkelschutzkorbs gelegt. Per Schnellverschluss kann sie den Ferkelschutzkorb mit einer Hand öffnen oder schließen, ohne den Bereich der Sau betreten zu müssen. Das ist wichtig, denn Röschs und ihre Mitarbeiter öffnen bzw. schließen die Ferkelschutzkörbe mehrmals pro Durchgang.

Rund eine Woche vor der Geburt werden die Sauen in den Abferkelstall eingestallt. Am Montag in der Abferkelwoche werden die Sauen dann im Ferkelschutzkorb fixiert. Als Nestbaumaterial streut Annika Rösch von Hand Stroh in den Futtertrog. Auch die planbefestigte Fläche des Ferkelnestes wird mit Stroh eingestreut. Bis donnerstags ferkeln die Sauen dann ab. Ist das letzte Ferkel eines Wurfs geboren, sperrt Rösch die Neugeborenen zunächst ins Ferkelnest. „Das ist wichtig, damit die Ferkel in der großen Bewegungsbucht von Anfang an wissen, wo es warm ist und sie sich zurückziehen können“, so die Landwirtin. Anschließend öffnet sie den Ferkelschutzkorb.

Die Sau lässt Annika Rösch dann für rund zwei Stunden laufen, ehe sie...