Schwein-Management

Gefährden Tierwohllabel das Biofleisch? Premium

Die konventionelle Produktion rückt über die Tierwohllabel näher an die Bioschiene heran. Das könnte zum Problem für Biofleischerzeuger werden, meint Peter Spandau von der LWK NRW.

Machen wir uns nichts vor: Die Situation für die konventionell produzierenden Schweinehalter ist schwierig. Wie Übersicht 1 zeigt, sinkt der Verzehr von Schweinefleisch seit Jahren. Mittlerweile isst jeder Verbraucher weniger als 36 kg pro Jahr. Parallel dazu stieg die Produktion stark an, der Selbstversorgungsgrad kletterte in den letzten Jahren peu à peu auf über 120%. Die Fleischbranche muss deshalb heute erhebliche Mengen im Ausland verkaufen. Leider ist der Export schon lange kein Selbstläufer mehr, die Konkurrenz ist groß, und viele Importländer können sich ihre Lieferanten mittlerweile aussuchen.

Alle Faktoren zusammengenommen üben massiven Druck auf die Erzeugerpreise in Deutschland aus. Viele Betriebsleiter haben zwar versucht, die Produktionskosten über zusätzliche Wachstumsschritte zu senken, der Erfolg war aber in vielen Fällen eher mäßig. In der Regel führten die Wachstumsschritte zwar dazu, dass sich das Einkommen der Betriebsleiterfamilie stabilisierte, eine nennenswerte Vermögensbildung haben aber nur die wenigsten Schweinehalter erreicht.

LEH fordert mehr Tierwohl

In den nächsten Jahren warten zusätzliche Herausforderungen auf die Veredlungsbetriebe. Zwei Punkte sind besonders zu nennen:

  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden weiter verschärft. Die Schweinehalter müssen zum Beispiel mit einer Einschränkung steuerlicher Vorteile und steigenden Hürden bei der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) rechnen. Auch bei der Novellierung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) drohen Verschärfungen. Änderungen im Tierschutzgesetz und in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung tun ihr Übriges.
  • Die gesellschaftlichen Ansprüche stei-gen. Die Bevölkerung verlangt von den Bauern mehr Tierwohl und größere Anstrengungen beim Thema Klimaschutz. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) greift diese Themen immer öfter auf und stellt entsprechende Forderungen an die Landwirte. Auch der Gesetzgeber arbeitet an Verschärfungen.

Inzwischen dürfte allen Beteiligten klar sein, dass sich die Tierhaltung in Zukunft weiter in Richtung von Produktionsverfahren verändern wird, mit denen biologisch wirtschaftende Betriebe bereits heute arbeiten. Stichworte wie Außenklima, Stroh, Langschwanz usw. sind hier zu nennen.

Geht die Entwicklung möglicherweise sogar so weit, dass in Zukunft alle auf Bio umsteigen? Mit Sicherheit nicht, dafür fehlen die Voraussetzungen. Insbesondere die hohen Preise ...

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Diskussionen zum Artikel

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von Norbert Post

LWK

Ich finde der LWK sollte sich aus jeder Diskussion bzgl. Preise und Kosten heraushalten. Das ist nicht deren Aufgabe. Es ist die Aufgabe unserer Interessenvertretung WLV, DBV und ISN sich mit diesen Dingen auseinander zu setzen. Wie kann jemand der verbeamtet ist, so vermessen sein, für die Bauern einen Stundensatz von € 20 zu kalkulieren. Wasser predigen und Wein trinken. Wie kann man Produktionskosten veröffentlichen`? Ich glaube nicht das der LEH über die IHK seine Gestehungskosten veröffentlicht sowie die dummen Bauern, wobei es nicht die Bauern sind, sondern die Kammer. Das gehört für mich von unserer Seite verboten!

von Christian Bothe

BIO im LEH

Das ist wohl so und es sollte mich nicht wundern,wenn eines Tages BIO vom Supermarkt wieder verschwindet,weil die Konvis gleiche Qualität nach den vorgegebenen Handelslabels produzieren,um im LEH gelistet zu werden. Ich sagteschon mal an anderer Stelle,das für den LEH die Bioschiene nur eine Marketingstrategie und jederzeit austauschbar ist!

von Paul Siewecke

Den Preisdruck durch Discounter

bekommen gerade die Bioland-Mäster zu spüren...

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