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QS-Antibiotikamonitoring belegt rückläufigen Einsatz von Reserveantibiotika

Die Geflügel- und Schweinehalter, die am QS-System teilnehmen, setzen immer weniger Antibiotika und auch Reserveantibiotika ein. Das geht aus dem aktuellen QS-Antibiotikamonitoring hervor.

Die aktuellen Auswertungen aus dem QS-Antibiotikamonitoring dokumentieren einen eindeutigen Rückgang der in Schweine und Geflügel haltenden Betrieben im QS System eingesetzten Antibiotikamenge gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig zeigen sie auch eine deutliche Reduktion beim Einsatz von Reserveantibiotika und wiederlegen damit den zuletzt in einem ZDF-Interview geäußerten Vorwurf, dass die Verabreichung von für die Humanmedizin besonders wichtigen Antibiotika in der Tiermedizin zugenommen hätte.

In diesem Zusammenhang wird zudem häufig proklamiert, dass sich mit der insgesamt sinkenden Verabreichung von Antibiotika in der Nutztierhaltung, die Erkrankungsrate der Tiere erhöht habe, für deren Erfassung aber bislang keine entsprechenden Monitoringmaßnahmen umgesetzt würden. Richtig ist aber, dass QS bereits seit 2016 Daten zur Tiergesundheit über die Ergebnisse der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung erfasst, diese auswertet und die Ergebnisse an die Tierhalter zurückmeldet. Die Herausforderung, sowohl die Tiergesundheit als auch die Vermeidung von Resistenzen voranzubringen, wird von der Wirtschaft aktiv angepackt.

Details

Vergleicht man die Auswertungen aus dem QS-Antibiotikamonitoring der Jahre 2017 und 2018 miteinander, konnte die Verbrauchsmenge an Fluorchinolonen von 4,75 t auf 3,81 t im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent gesenkt werden, erklärt QS weiter. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Einsatz von Cephalosporine der 3. und 4. Generation: Hier ist die eingesetzte Menge von ursprünglich 0,4 t in 2017 um 30 Prozent auf 0,28 t in 2018 gesunken.

QS-Antibiotikamonitoring: Verabreichte Menge Reserveantibiotika in Tonnen (Vergleich 2017 vs. 2018) (Bildquelle: QS-Blog)

Diese Zahlen stünden eindeutig dem Vorwurf entgegen, wonach der Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermedizin in den letzten Jahren angestiegen wäre, da viele der herkömmlichen Antibiotika hier nicht mehr greifen würden, schreibt QS weiter. Vor dem Hintergrund möglicher Resistenzbildungen, welche zu einer Unwirksamkeit besonders wichtiger Antibiotika in der Humanmedizin führen könnten, würden Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung im QS-System nicht prophylaktisch, sondern nur aufgrund einer vorherigen, konkreten Diagnose des Tierarztes eingesetzt, heißt es.

Gerade mit Blick auf den Tierschutz müssten kranke Tiere medizinisch behandelt werden. Trotz dieser Notwendigkeit zeigen die rückläufigen Zahlen zur Verabreichung von Reserveantibiotika aus dem QS-Antibiotikamonitoring, dass Tierhalter und Tierärzte für dieses Thema ausreichend sensibilisiert und in hohem Maße um einen restriktiven Einsatz bemüht sind.

QS-Befundatenmonitoring stellt Tiergesundheit auf den Prüfstand

Viele Kritiker räumen zwar eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes ein, setzen diesen aber mit steigenden Erkrankungsraten in der Tierhaltung in Relation, erklärt QS weiter. Es gebe in Deutschland zwar ein Monitoring zur Abgabe von Antibiotika, jedoch nicht zur Erfassung von Produktionskrankheiten, da dessen Einführung das Marktgeschehen negativ beeinflussen und die Produktionskosten erhöhen würden. Die im Zuge der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung erhobenen Befunddaten würden nicht alle notwendigen für den Tier- und Verbraucherschutz notwendigen Aspekte erfassen. Diese Aussagen sind aber laut QS in dieser Form nicht haltbar.

Seit Januar 2018 melden alle Schlachtbetriebe im QS-System Befunddaten aus der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung an die QS-Befunddatenbank, in welcher die Daten ausgewertet und vier Tiergesundheitsindices (TGI) zur Atemwegs-, Organ- und Gelenkgesundheit sowie zur Unversehrtheit des Schlachtkörpers ermittelt werden. Diese Daten werden an die Schweine – und Geflügelmäster quartalsweise zurückgemeldet und liefern ihnen wertvolle Hinweise auf mögliche Erkrankungen bei ihren Tieren.

Neben Rückschlüssen auf den Gesundheitszustand der Tiere, ermöglichen ihnen die Befunddaten eine fundierte Einschätzung zur Qualität des Futters sowie zu möglichen Defiziten im Stallmanagement und zusätzlich einen direkten Vergleich mit anderen Betrieben, die an den gleichen Schlachthof geliefert haben. Durch die Erhebung und Auswertung der Befunddaten wird somit ein wichtiger Beitrag für den Tier- und für den Verbraucherschutz geleistet.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Der Systemfehler ist woanders

Wenn man bedenkt, dass fast 50 % der beim Menschen eingesetzten Antibiotika schon heute Reserveantibiotika sind, merkt man, dass die Tierhaltung nur ein Nebenschauplatz sein kann. Aber weil es nur eine Minderheit an Tierhaltern in Deutschland gibt, ist das gut kampagnenfähig.

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