Gastkommentar

Demos: Sprechen die Bauern mit einer Stimme?

2020 zeigt sich, ob die Landwirtsfamilien wirklich zusammenhalten, prognostiziert Bayerns Jungbauernvorsitzende Tina Stünzendorfer.

Tina Stünzendorfer, Vorsitzende der Bayerischen Jungbauernschaft, äußert in der aktuellen top agrar Südplus einen Wunsch an alle Landwirtsfamilien:

Das Jahr 2019 hat uns Landwirte in vielerlei Hinsicht bewegt – angefangen mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und seiner Eintragungsphase, dem Runden Tisch und der überraschenden Annahme. Es ging bis hin zur Bundespolitik mit der Verschärfung der Düngeverordnung und dem Agrarpaket, das viele Landwirte empört. Alles Themen, die uns in unserem täglichen Wirtschaften auf den Höfen betreffen.

Jungbäuerin Tina Stünzendorfer: "Wir müssen unser fachliches Know-how einbringen." (Bildquelle: Privat)

"...das Fass zum Überlaufen gebracht."

Die Summe der Ereignisse hat dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Mit der Bewegung ‚Land schafft Verbindung‘ stehen wir Landwirte auf, um uns dagegen zu wehren. Nicht weil wir gegen den Klima-, Umwelt- oder Insektenschutz sind – darauf achten wir bereits seit Jahrhunderten und bilden uns in diesen Bereichen stetig weiter –, sondern weil Forderungen einseitig zulasten der Landwirtschaft gestellt werden und Existenzängste auslösen.

Dabei haben uns die Bauernproteste viel gebracht: die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zum Beispiel. Doch damit heißt es nun arbeiten. Wir als Landwirte müssen nun gemeinsam Flagge zeigen und nach den Protesten unser fachliches Know-how in die Diskussion einbringen. Denn das haben wir unweigerlich durch unsere Ausbildung erlangt.

Land schafft Verbindung ist wichtig

Und dafür ist eines unausweichlich: Der Zusammenhalt zwischen uns Landwirten. Die Bauernproteste haben gezeigt, dass wir alle an ein und demselben Strang ziehen. Und dass wir, egal ob Ackerbauer oder Milchviehhalter, konventionell oder biologisch friedlich und ohne Vorurteile miteinander demonstrieren können. Eins muss aber auch klar sein: Land schafft Verbindung hat auf eine spannende Weise Aufmerksamkeit erzeugt, die für uns Landwirte enorm wichtig ist.

Verbände trotzdem unumgänglich

Und dennoch bleibt die Arbeit in den Verbänden, die bereits seit Jahrzehnten für unsere Interessen eintreten, ebenfalls unumgänglich. Hier werden klare Forderungen und Lösungsvorschläge formuliert, die dann im direkten Austausch mit der Politik eingebracht werden können.

Engagiert Euch deswegen auch dort und zeigt, dass wir Landwirte für klare Forderungen und nicht nur für Empörung auf den Protesten stehen.

Im Jahr 2020 bleibt es spannend. Denn jetzt wird sich zeigen, was der große Zusammenhalt aus 2019 unter dem Strich bringt und ob wir es wirklich schaffen, gemeinsam gegenüber Politik und Gesellschaft mit einer Stimme zu sprechen.

Ich würde es mir wünschen. Denn das vergangene Jahr hat gezeigt, dass wir nur dann erfolgreich sind, wenn wir Landwirte miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Imschloss

Es ist der Weltmarkt

Glaubt Ihr wirklich, dass irgend ein Verbraucher oder Verarbeiter auch nur einen Cent freiwillig mehr zahlt, damit wir umweltverträglicher wirtschaften können ? Wer große Ansprüche an die Bauern stellt, kann den Verbraucher nicht einfach weiterwursteln lassen wie bisher. Große Veränderungen kann es nur geben, wenn Mehrkosten auf den Produktpreis aufgeschlagen werden können, ähnlich wie beim EEG. Sonst wird nämlich weiterhin ein Viertel der wertvollen Nahrungsmittel weggeschmissen und minderwertige Ware im Ausland verramscht, wo sie gewachsene Märkte zerstört. Denn einen Mangel an Nahrung wird es bei uns nicht geben, auch wenn wir unsere Erträge halbieren.

von Michael Lechner

Bitte keine Spaltung "herbeischreiben"

Es ist doch toll gelaufen in den letzten Wochen, da müssen wir uns doch nicht unserer vielfältigen Betriebsstrukturen schämen. Auf den Demo´s stehen Nebenerwerbsbauern neben Vollgasbetriebsleitern, kleine Betriebe neben Großen und Öko`s neben Konventionellen. Das ist super und soll so bleiben. Daß Einzelne in der Bauernschaft ihre Leistungen höher hängen als andere ist wohl auch in anderen Gesellschaftsgruppen keine Seltenheit. Wen kümmerts ? Ich laufe ja nicht wegen Personen zu den Demos sondern wegen Themen. Die DÜV, die Bürokratie die Übermacht des LEH.... Das verbindet mich mit der ehemaligen LPG im Osten und dem Nebenerwerbslandwirt (nicht nur in Bayern). Bei dem schnellen Strukturwandel war mein Betrieb vor zehn Jahren noch vorne dabei, steht größenmäßig heute nur noch im Mittelfeld. In Zehn Jahren bin ich..... Nebenerwerbslandwirt? Weg vom Fenster? Oder wieder gewachsen? Wir sitzen alle im selben Boot. Darum bitte Sachthemen in den Vordergrund stellen, keine Personen. Unsere Aufgabe ist es jetzt die übrige Bevölkerung für unsere Anliegen zu gewinnen. Drum schreib ich heute noch einen Leserbrief an unsere Heimatzeitung. Weit über 90 % der Bevölkerung hat nach wie vor keine Ahnung warum wir mit den Schleppern auf der Straße sind. Das müssen wir Ihnen erklären. Wir haben ja die Fakten auf unserer Seite.

von Heinrich Esser

Mit einer Stimme sprechen

Ist das den Landwirten überhaupt möglich? Wenn man sich die Betriebe deutschlandweit ansieht, sicherlich eine schwere Aufgabe. Ein Betrieb im Osten ist ein anderer als im Westen, einer im Norden ein anderer als im Süden. Gesellschaft, Politik, Standort etc. formten seit Generationen die Betriebe. Selbst innerhalb der Regionen gleicht kaum ein Betrieb dem Nächsten. Und so ist es dann auch schwierig Gemeinsamkeiten zu finden. Wo sind wir uns denn einig? Wir wollen faire Preise für unsere Produkte und unsere Arbeit. Wir wollen gerechte politische Rahmenbedingungen. Wir wollen von der Gesellschaft für das, was wir leisten, respektiert und wertgeschätzt werden. Allerdings gibt es auch viele Punkte, wo wir uns nicht einig sind. Diese gilt es untereinander ehrlich zu diskutieren, was in der heutigen Zeit von Facebook, Twitter und Co. leider eine vergessene Kunst ist. Kommentare wie von Herrn Spießl, der gegen den eigenen Berufsstand wettert, sind da absolut fehl am Platz.

von Willy Toft

Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen, und der Zusammenhalt der Bauern ist unsere....

Stärke, die nicht durch persönliche Animositäten belastet werden darf! Wer hier Zwietracht sät, verrät die gute Sache der Bauern! Gerade die übertrieben Forderungen von Politik und Gesellschaft, haben das Fass zum überlaufen gebracht, und uns alle zusammengeschweißt. Grabenkämpfe und Nebenkriegsschauplätze sind Ad Acta zu legen, denn es ist völlig fehl am Platze, sich dem hinzugeben! Der eingeschlagene wird steinig genug, wir sind da noch lange nicht am Ende! Ich weiß, durch die LSV wurden viele Hoffnungen geweckt, und wir werden auch nicht nachlassen, für die "Sache" einzustehen, denn es geht um die ganze Branche im Ländlichen Raum! Natürlich brauchen wir auch kostendeckende Preise, aber zunächst geht es um die gleichen Rahmenbedingungen, zumindest in Europa, die Welt werden wir nie mit einbinden können. Die Gespräche mit dem LEH werden folgen müssen, den wir brauchen einen fairen Handel um unsere Produkte!

von Jens Haman

... und weiter haben Sie recht, dass Produktion vor Ort immer ökologischer ist als Import.

von Jens Haman

Richtig, Herr Fiederling!

Warum Sie so viele Daumen nach unten bekommen, verstehe ich nicht. Wenn an der Kasse nur noch nach deutschen Standards erzeugte Lebensmittel gekauft werden dürfen, dann bin ich die meisten Sorgen los. Leider bin ich Bauer und kein versierter Jurist, sonst würde ich die Republik wegen massivem Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz verklagen!

von Hans Spießl

@ von Bernhard ter Veen

ich kann Ihnen da nur Zustimmen. Die Politik die Verantwortlichen wissen das und streuen mit ihren guten Zahlungen wie zB. die 2. Säule noch zusätzlich Neid und Missgunst.... Wenn ich da nur die Dorfbewohner hör die nur so am Rande mitkriegen was da der 100 ha viehlose Bio Bauer bekommt und wie wenig der arbeitet im Gegensatz zu jedem normalen Arbeitnehmer...... Der Neid wird immer mehr auf die Bauern....

von Bernhard ter Veen

die Bauern

werden NIE mit einer Stimme sprechen. Ein "kleiner Betrieb" mit evtl 50ha und 100 Kopf Vieh im -noch Vollerwerb- wird sich nicht mit den vermurksten Digitalfreaks und Technikbesessenen vom Fremdkapital gepuschten, Landpacht treibenden, sich selbst zum Sklaven der anstudierten Wachsen oder Weichen Theorie und dann am Tropf der Gesellschaft (die Sie offenbar nicht will) hängen. Seit Genarationen hat in dieser Brache immer nur gegenseitige Missgunst und Neid die Gemüter geprägt und auf die nachfolgenden Generationen weitergegeben. ...hilf Dir selbst und jeder ist sich selbst der Nächste... 10 rufen mach dies und das und der 11. sieht nur seine Chance um die anderen auszustechen... und dann laufen diese auch noch an den Anderen vorbei, tun sich wichtig und trauen sich noch zu sagen "jaa...Ihr wolltet ja nicht." Das ist die Stimme der Bauern. Ganze Dörfer sind damit gesellschaftlich Auseinandergebrochen. Und heute weht der Wind aus einer anderen Richtung und eben diese "übriggebliebenen Kleinbetriebe" sind nur noch der Puffer für die Politische Wachstumsgeneration... Ich kann mich damit nicht in eine Reihe stellen.

von Klaus Fiederling

Wir Bauern müssen mehr können, als nur Nahrungsmittel zu produzieren!

Auch LsV demonstriert für DAS, was unsere haltlos übersättigten Märkte in solchen Massen nicht brauchen. Die Börsenkurse sprechen die extrem ernüchternde internationale(!) Sprache in einer unmissverständlichen Eindeutigkeit, dass selbige nunmehr auch in unseren Bauernköpfen ankommen sollte. // Randnotiz: Der Automobilzulieferer Schlemmer (muss man nicht unbedingt kennen) mit ca. 4.000 Arbeitsplätzen, welcher Plastikteile herstellt, die teilweise auch in unseren Schleppern verbaut werden, hat in der letzten KW Insolvenz angemeldet, obgleich laut unserem Autolobbypapst Dudenhöffer, untermauert von den entsprechenden Zulassungsstatistiken im letzten Jahr, so viele Neuwagen in DE zugelassen wurden, wie schon lange nicht mehr. ...// Wir Bauern sollen also ungeachtet aller Faktizitäten unbeirrt noch mehr Lebensmittel in Ausschließlichkeit produzieren; in einträchtigem Bauernkuschelkurs, was wohl ohnedies nur schwerlich funktionieren kann!? Aktuell wird der Fassbierpreis im Umfeld unserer Gastronomie gnadenlos erhöht, da selbige nicht aus ihren langfristigen Lieferverträgen mit den Brauereien aussteigen kann, dem wird selbstredend unser Braugerstenpreis natürlich(!) angepasst: 16,00 € sind sicherlich mehr als genug für diese Erzeuger! Dabei spielt es realiter überhaupt keine Rolle, dass man im Mälzer- und Brauerumfeld mit die größten Verantwortlichkeiten für ein Insekten- und Artensterben verorten muss. - Ich sehe förmlichst das ärgerlich missfallende Kopfschütteln dieses angesprochenen elitären Kreises, von dieser, meiner Aussage hervorgerufen; von jener Gruppe eben, die es u.a. nachweislich geschafft hat, eine der höchsten Wertschöpfungen abzurufen unter all jenen Protagonisten, die herausragend AN der LW verdienten/verdienen/weiterhin verdienen wollen und werden. Allerdings zeigen uns die heutigen Brauerei- u. deren Eigentümerstrukturen unmissverständlich auf, was selbst auf die Bauern schon äußerst bedrohlich zurollt; und auch LsV hält das nicht auf, da man diesbezüglich noch immer mit einer rosaroten Brille umherläuft. DüVO und Pflanzenschutzmittelverordnung sind demgegenüber ein wirklich kleiner Teil unserer eigentlichen Bauernproblembaustellen. - Wann rafft ihr das endlich!? // Fordert doch viel nachhaltiger zumindest, dass sämtliche Lebensmittelprodukte, die über die Ladentheken gehen, alle die gleichen Standards zu erfüllen haben, die den deutschen Bauern jedenfalls gnadenlos aufoktroyiert werden ; dazu gehört auch ein ökologischer Fußabdruck, wenn solche Massengüter mittels „Dreckschleudern“ -sorry für die unflätige Ausdrucksweise- nach Deutschland, in die EU, transportiert werden!

von Rudolf Rößle

Zug

fährt nur in eine Richtung. Die Bewegung sollte versuchen im Zug zu sitzen, anstatt mit den Schleppern hinterherzufahren. Anzustreben ist ein politisches Verhandlungsmandat mit Einbringung vernünftiger Ziele, die in die Zugrichtung weisen.

von Karl-Heinz Mohrmann

Der DBV hat uns Milchbauernfamilien bisher noch immer verraten!!

von Gerd Uken

Gut gesprochen

Wenn Mannes jetzt noch schafft die beiden LsV wieder zu vereinen dann bräuchte man nächste Woche auch nur einmal auf die Straße. Aber daran sieht man Sch on wieder diese Machtspielereien und sie dienen nicht dem Zweck sondern nur der Politik die damit ihre eigene Unzulänglichkeit überspielen kann.

von Christian Bothe

Stünzendorfer

Zitat der Jungbäuerin Stünzendorfer/Bayern:“ Jetzt wird sich zeigen, was der große Zusammenhalt aus 2019 unter dem Strich bringt und ob wir es wirklich schaffen, gemeinsam gegenüber Politik und Gesellschaft mit einer Stimme zu sprechen.“ Das ist genau das, was die Bauernschaft braucht! Die Jungbäuerin hat es richtig formuliert und man sollte den Verbandsegoismus bei AbL,DBV u.a. Gruppierungen ablegen und g e m e i n s a m gegenüber dem Staat und der EU auftreten und mit geballter Kompetenz unsinnige Regularien und Gesetzesvorhaben bekämpfen.

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