Hohenlohe

Neues Biodiversitätsprojekt am Start

In Hohenlohe planen Kommunen, Ministerien und Bauern ein gemeinsames Modellprojekt für mehr Artenschutz und Biodiversität.

Ziel des Modellprojektes "Initiative Natur und Agrarlandschaft", kurz INA genannt, ist es laut Bauernverbands-Geschäftsführer Helmut Bleher, Partnerschaften zwischen den Landwirten, den Gebietskörperschaften, zwischen Firmen und Privatpersonen zu unterstützen, die die Artenvielfalt in der Region nachweisbar fördern. Als gute Beispiele dafür könnten das Biovernetzungskonzept in Öhringen oder das F.R.A.N.Z.-Projekt des Deutschen Bauernverbandes dienen.

Mit im Boot bei INA sitzen die drei Landkreise Hohenlohe, Rems-Murr und Schwäbisch Hall sowie die Landwirtschafts- und Umweltministerien in Baden-Württemberg. Der Bauernverband Schwäbisch Hall - Hohenlohe - Rems hatte sich für eine Teilnahme im Rahmen des "BW blüht-Wettbewerbs" beworben.

Biodiversität hat einen Preis

Helmut Bleher

Helmut Bleher (rechts) stellt das Projekt INA vor Bauern und Vertretern der Kommunen vor. (Bildquelle: Bauernverband Schwäbisch Hall - Hohenlohe - Rems)

Anlässlich einer Veranstaltung zum Taubenmarkt 2020 in Wiesenbach diskutierten Bürger, Landwirte und Gemeinderäte über das Vorhaben. "Mit unspezifischen Forderungen und Ansprüchen kommen wir nicht weiter. Wir brauchen Lösungen, um gesellschaftlich notwendige Forderungen, die keinen Marktwert haben, in Wertschöpfung mit einem Preis umzusetzen,” so Helmut Bleher.

“Wieder geschaffene Biodiversität hat einen Preis, es entstehen Kosten auf Flächen, wenn auf Ertrag verzichtet und Arbeit für die Natur geleistet wird.” Der Bauernverband steht für produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen. Das heisst beispielsweise, dass der Landwirt Teile seiner Flächen nicht für Ertrag, sondern als Schutz-und Blühstreifen für Rückzug, zum Beispiel sogenannte Lerchenfelder, zur Verfügung stellt.

Hier können sich Pflanzen und Tiere entwickeln und vermehren, ohne gestört zu werden. Ernten, im kommerziellen Sinne, kann er hier nichts. Das heißt Ertragsausfall und finanzielle Einbußen, die nicht der Landwirt allein, sondern die ganze Gesellschaft zu tragen hat.

Man brauche eine ehrliche Diskussion zwischen der Landwirtschaft und den Partnern außerhalb, so Bleher. Gewünscht sei, dass die Landwirte dieses Projekt in ihre Betriebe aufnehmen. "Wir wollen wirklich etwas tun, damit unser Planet nicht kaputt geht. Jede Initiative und neue Idee ist dafür wichtig. Wir haben einen Katalog von standardisierten und geprüften Maßnahmen, welchen wir gezielt den Gemeinden für ihre Konzepte anbieten wollen”, so Bleher. Die Vorteile seien klar und in Öhringen schon erprobt: es gibt eine enge Zusammenarbeit zwischen den Bauern und der Gemeinde, alles basiert auf Austausch auf freiwilliger Basis und trägt zudem zur Landschaftsgestaltung bei.

Womit anfangen?

Eine Rückfrage aus der Teilnehmerrunde, womit man denn nun anfangen sollte, weist genau darauf hin: sich zuammensetzen, miteinander reden und loslegen. Denn die wichtigsten Weichen sind mit INA gestellt. “Wir vom Bauernverband möchten Koordinator und Netzwerker für dieses, aus unserer Sicht wichtige, Projekt sein. Deshalb rufen wir zur Teilnahme am “Produktionszweig Biodiversität” auf. Um zu helfen, neue Prozesse in der Landwirtschaft anzustoßen”, so Blehers Appell.


Diskussionen zum Artikel

von Helmut Bleher

@Albert Maier: Der Vortrag war an Gemeinderäte und Bauern gerichtet

Lieber Herr Maier, wenn wir nicht beginnen, mit nichtlandwirtschaftlichen Bürgern deren Sprache zu sprechen , sondern in unserer eigenen Blase bleiben, werden wir nicht weiterkommen. Es ist nun mal ein Problem, dass uns die Menschen nicht abnehmen, dass wir ihre Sorgen teilen. Deshalb ... mehr anzeigen

von Heinrich Esser

Biodiversität

bringt nicht nur dem Landwirt etwas, sondern auch der Gesellschaft, daher sollte die Gesellschaft dies finanzieren. Da es jedoch keinen Markt für diese Gemeinwohlleistung gibt, wie bei Getreide etc., kann der Staat hierfür aufkommen. Die Zahlungen der zweiten Säule wären ein ... mehr anzeigen

von Albert Maier

@ Winhard

Sie haben es erfasst, genau so ist es. Und weil es so ist, sollten die Bauern sich nicht von NGO´s am Nasenring durch den Ring ziehen lassen. Anstatt auf everybody´s darling zu machen, sollte der BV Kante zeigen und mal klar stellen, was z.B. Fr. Winhard hier angemerkt hat!!

von Stephanie Winhard

Wie sähe unsere Landschaft ohne LW aus?

Ich denke, es ist unstrittig, daß in Deutschland Brachflächen überwiegend erst verbuschen, dann bewaldet würden, wenn man die Natur einfach mal machen ließe (wie das viele NGOs ja gern hätten). Allerdings ist die Artenvielfalt (neudeutsch Biodiversität) im Wald sehr eingeschränkt ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Landwirtschaft ist nur noch Bioversität.

Erzeugung von Nahrung dient nicht einmal dem Gemeinwohl und selbst Landwirte lassen sich von diesem Unfug anstecken. Seit einigen Tagen wissen wir um die Gefährlichkeit des Coronavirus, nur die Medien anscheinend nicht. Globalisierung mag bei Blech- und Plastikkisten funktionieren, bei ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Nackenhaare!

"Wir wollen wirklich etwas tun, damit unser Planet nicht kaputt geht. Jede Initiative und neue Idee ist dafür wichtig." Bei so einem Satz seitens der Berufsvertretung, gerade aus dem kleinstruturierten Baden-Württemberg mit sehr guter Biodiversität, stellen sich mir die Nackenhaare!!! ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Stellt

sich die Frage, ob das FAKT Programm auslaufen muss, um individuelle Lösungen für jeden Hof zu ermöglichen. Dort könnten dann auch Kommunen, Stiftungen und Verbände monetäre und Ehrenamt mit einbringen. Z.B bei der Pflege von Streuobstwiesen oder Gewässerrandstreifen etc. Die ... mehr anzeigen

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