Stall und Acker: Digital mit Augenmaß

Gesundheitsprobleme im Stall früh erkennen, den Kuhkomfort verbessern, auf dem Acker punktgenau säen und düngen – aber dabei stets die Kosten im Blick behalten. Nach dieser Strategie setzt die Familie Eiskamp gezielt digitale Technik ein.

Wenn ich mir morgens bei einer Tasse Kaffee die Grafiken mit den wichtigsten Werten der frischmelken Kühe ansehe, erkenne ich Gesundheitsprobleme wie Ketosen oder Labmagenverlagerung oft sehr viel früher als im Stall“, sagt Florian Eiskamp. Der 29-jährige Landwirt führt den Betrieb zusammen mit seinem Bruder Christoph (27) und Vater Frieder (61). Seit einiger Zeit nutzen die Eiskamps unter anderem Sensordaten vom Melkroboter (AMS) und den Halsbändern der Kühe.

Wir wollten wissen, welche Erfahrungen die Praktiker mit diesen und anderen digitalen Systemen gemacht haben und besuchten sie im Rahmen unserer losen Digital-Reportagereihe.

Familie Eiskamp bewirtschaften einen Betrieb in Harpstedt, Landkreis Oldenburg mit rund 140 Kühen, Nachzucht, Biogasanlage sowie ca. 450 ha Fläche. Die vor allem leichten und wechselnden Böden teilen sich in 50 ha Grünland, 280 ha Mais, 100 ha Wintergetreide sowie Grassamen- und Raps-Vermehrung.

Florian und Christoph haben eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Christoph hatte zuvor eine Lehre zum Landmaschinenmechaniker abgeschlossen und besuchte abschließend die landwirtschaftliche Fachschule. Florian schloss an seine Ausbildung ein Studium in Göttingen an. Vater Frieder ist voll mit im Betrieb, seine beiden Söhne haben eine klare Aufgabenteilung: Florian kümmert sich um den Stall, die Photovoltaik und arbeitet gerade an einer Batteriespeicherlösung. Christoph ist für den Ackerbau verantwortlich und beschäftigt sich gerade intensiv mit den Ideen der regenerativen Landwirtschaft. Alle drei Eiskamps können sich gegenseitig vertreten, so dass Freiräume möglich sind. Neben der Familie gibt es einen festangestellten Mitarbeiter im Ackerbau und der Werkstatt, sowie Aushilfen zum Ackern und im Stall. Der Azubi Johannes Brandt rundet das Team derzeit ab.

Die Eiskamps arbeiten gerne in der Werkstatt und kümmern sich über den Winter um ihre (Gebraucht-)Maschinen – Motoren- und Getriebereparaturen inklusive. Wichtig dabei: Die Abläufe im Betrieb und auf dem Feld haben immer Prio, in die Werkstatt gehts nur, wenn es die Zeit erlaubt.

Bisher ist der Betrieb noch nicht ans Glasfasernetz angeschlossen. Die Leerrohre liegen, allerdings sind die Landwirte skeptisch, ob der Anschluss noch in diesem Jahr klappt.

Die Netzabdeckung beim Mobilfunk ist gut. Überall steht LTE zur Verfügung, das Mobile-RTK auf dem Acker ist stabil.

Roboter schafft Freiräume

Seit März 2020 sind zwei Lely Astronaut A5 im Einsatz. Vorher haben die Eiskamps mit einem 2x4 Autotandem gemolken. Mit den Robotern wurden Herde bzw. Stallplätze verdoppelt. Florian Eiskamp berichtet uns, dass mehrere Gründe den Ausschlag für den Roboter gaben: „Wir wollten weg von den festen Melkzeiten und mehr Möglichkeiten für die Tierbeobachtung schaffen. Und dabei sollte die digitale Technik unterstützen. Möglichst viele Daten zu erheben, war ein Ziel unserer Planung.“

Der Roboter ermittelt Melkzeit und Milchmenge, die Milchtemperatur sowie die Leitfähigkeit für jedes Viertel getrennt. Dazu kommen die Farbe und einmal pro Tag die Zellzahl...