Interview

Diese Herausforderungen sieht John Deere in der Landwirtschaft

Welche Herausforderungen sieht John Deere aktuell in der weltweiten Landwirtschaft – und wie könnten mögliche Lösungen aussehen? Wir sprachen mit Markwart von Pentz und Alejandro Sáyago.

Welche Herausforderungen sieht John Deere aktuell in der weltweiten Landwirtschaft – und wie könnten mögliche Lösungen aussehen? Wir haben darüber mit Markwart von Pentz, dem weltweiten Chef für den Bereich Landwirtschaft und mit Alejandro Sáyago, Geschäftsführer John Deere Walldorf GmbH, diskutiert.

top agrar: Sie sagen, dass die Landwirtschaft vor einem riesigen Umbruch steht. Was sind Ihrer Ansicht die drei größten Herausforderungen?

Alejandro Sáyago: Das ist erstens der weitere Anstieg der Weltbevölkerung. Wir müssen mehr Lebensmittel produzieren. Zweitens wird die Nachhaltigkeit immer wichtiger. Uns steht weniger Fläche zur Verfügung. Wir müssen Wasser, Dünger, Pflanzenschutzmittel einsparen. Letztlich müssen wir mehr mit weniger Ressourcen produzieren. Drittens steigen die gesetzlichen Anforderungen und Auflagen weltweit – aber auch weltweit unterschiedlich. Überall fehlt Planungssicherheit. Denn letztlich müssen auch die Farmer profitabel arbeiten können.

Markwart von Pentz: Ich glaube auch, dass die Nachhaltigkeit immer wichtiger wird. Mehr mit weniger produzieren. Dabei müssen wir die kritischen Bürger mitnehmen. Das geht, in dem wir mehr Transparenz schaffen und so das Vertrauen zurückgewinnen. Eine weitere, sehr wichtige Herausforderung ist der Klimawandel. Auch hier gilt die Landwirtschaft manchen als Problemverursacher. Dabei können Landwirte zur Lösung beitragen. Ich denke da an das CO2-Farming, als das Binden von CO2 im Boden. Es liegt in unseren Händen, das mehr in den Mittelpunkt zu stellen.

Mehr mit weniger Input erzeugen. Welche Ideen hat Ihr Unternehmen dazu?

Alejandro Sáyago: Wir glauben, dass die Digitalisierung ein Schlüssel ist. Die Technik ermöglicht es, dass wir uns künftig um jede einzelne Pflanze auf einem großen Feld kümmern können. Die Pflanze bekommt auf den Punkt genau, was sie gerade braucht. Fast so wie eine Blume im Topf auf der Fensterbank.

Wir nennen das Plant-Management: Alle Informationen zur Sorte, Saattiefe, dem Boden, der Wasserversorgung, dem aktuellen Zustand usw. sind gespeichert.

Markwart von Pentz: Die agronomische Optimierung wird immer präziser. Es fing an mit der Schlagkartei für jedes Feld. Applikationskarten haben heute oft eine Auflösung von 15 x 15 m. Technisch können wir aktuell 30 x 30 cm betrachten. Und künftig wollen wir jede Pflanze quasi individuell mit dem Löffel füttern.

Bis dahin ist es aber noch eine weite Reise, denn Sie müssen sich mit einer unglaublichen Vielzahl von Variablen auseinandersetzen. Ich vergleiche das Ganze oft mit einem Puzzle, das sich nach und nach zusammenfügt. Das erste Teil ist die Maschinen-Optimierung. Durch das GPS-Lenksystem konnten wir Überlappungen und Doppelbehandlungen verhindern. Dann kommt die Job-Optimierung. Mit der See-and-Spray-Technologie lassen sich bspw. Unkräuter gezielt treffen und ein Großteil der Mittel einsparen. Oder Sie platzieren Depotdünger auf den Zentimeter genau neben der Pflanze.

Der dritte Schritt ist die Agronomie. Kamerasysteme und andere Sensoren erkennen den Zustand der Pflanze. Eine Software wertet die Daten aus und entscheidet, was zu tun ist. Aber wie gesagt, wir stehen erst am Anfang der Entwicklung.

Glauben Sie an eine vollautomatische Landwirtschaft?

Alejandro Sáyago: Bis dahin wird es noch sehr lange dauern. Wichtig finde ich die Unterscheidung in Automation und Autonomie.

Bei der Automation ist weiter ein Fahrer an...


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