Flexible Strategien für gesunden Weizen

Das Wetter, der Befallsdruck und die Sortenanfälligkeit bestimmen die Intensität des Fungizideinsatzes. Hier die Empfehlungen für Ihre Weizenbestände.

Wie in jedem Jahr lässt sich im Vorfeld noch keine Aussage zum Auftreten von Krankheiten im Weizen treffen. Abhängig von der Witterung und von Aspekten des integrierten Fungizideinsatzes (siehe Beitrag ab Seite 74) ist es wichtig, angepasst an den Befallsdruck zu behandeln. Nachfolgend sind Empfehlungen für Situationen mit erhöhtem und moderatem Befall dargestellt.

Hinweis: Treffen Sie aus der verfügbaren Fungizidpalette unbedingt eine erregerspezifisch optimierte Auswahl. Insgesamt wird mit dem Verlust von Epoxiconazol und einigen weiteren Wirkstoffen ein nachhaltiges Resistenzmanagement immer schwieriger. Oft ist es nicht mehr möglich, die Wirkstoffe nur einmalig in der Gesamtstrategie zu verwenden. Trotzdem sollten Sie versuchen, die wirksamsten Wirkstoffe nur einmal einzusetzen. Das gilt insbesondere für die Gruppe der Carboxamide, aber auch für die Azole. Bei hohem Septoriadruck ist darüber hinaus der Wirkstoff Folpet ein wichtiger Baustein im Resistenzmanagement.

Situation 1

Nasses Frühjahr – höhere Intensität

Für Situationen mit hohem Krankheitsdruck gelten die in Übersicht 1 aufgeführten Empfehlungen. Ein hoher Druck kann durch Septoria tritici, Gelbrost oder Mehltau in der frühen Phase verursacht werden.

Septoria tritici – Frühsaaten besonders gefährdet

Frühe Behandlungen gegen Septoria tritici sind vorzugsweise in Frühsaaten und beim Anbau von Sorten mit einer Einstufung laut Bundessortenliste von APS über 4 notwendig. 2021 konnten wir im April in gesünderen Sorten zwar oft einen gleich hohen Ausgangsbefall wie in anfälligen Sorten beobachten. Die bessere Septoriatoleranz der weniger anfälligen Sorten verhindert bei Infektionswitterung aber eine massive Ausbreitung im weiteren Wachstumsverlauf. Treffen Sie abhängig davon bei Infektionswetter eine optimierte Fungizidwahl für die erste Behandlung. Wenn Septoria mit extremem Befall vorkommt, sind Wirkungsgrade der Gesamtstrategie von über 70% auf den ertragsrelevanten oberen drei Blättern anzustreben. In geringer anfälligen Sorten reichen Wirkungsgrade um 60%.

Grundsätzlich ist für eine frühe Ausbreitung von Septoria Niederschlag erforderlich – je mehr Regen, umso kritischer ist die Situation. Eine Infektion gelingt nur, wenn die Blätter anhaltend über mindestens 30 Stunden nass sind. Maßnahmen vor EC 31 sind wenig wirtschaftlich. Mit besserer Dauerwirkung sind Behandlungen um EC 32 zu empfehlen, da dann das drittletzte Blatt schon geschoben und von Fungiziden geschützt wird.

Bei hoher Septoriagefahr ist in anfälligen Sorten Revysol der beste Wirkstoff. 100 g/ha Mefentrifluconazol bringen etwa 5 bis 7 Tage Kurativwirkung. Die Dauerwirkung ist in der frühen Wachstumsphase nur begrenzt, weil der Neuzuwachs nicht geschützt ist. Lassen sich aber Neuinfektionen verhindern (reduzierte Sporenmenge), gelingt dem Pilz in der späten Schossphase keine epidemische Verbreitung.

Nutzen Sie in kritischen Septoriasituationen entweder Balaya oder Revystar. Balaya wirkt besser gegen Rost. Revystar – im Pack mit Flexity – wirkt zusätzlich gegen Mehltau und Halmbruch, aber schlechter gegen Rost. Mehltau wird eher vorbeugend kontrolliert, bei hohem Infektionsdruck reicht die Wirkung nicht.

Schneeschimmel und Halmbruch als Begleiter

Kommt Septoria mit hohem Befallsdruck vor, sind auch die Infektionsbedingungen für Schneeschimmel und Halmbruch günstig. Revysol ist gegen Schneeschimmel nur wenig wirksam. Allerdings ist die frühe Kontrolle des Pilzes auch nicht so wichtig. Denn in Befallsjahren breitet sich der Erreger meistens erst ab EC 34 aus, sodass es stärker auf die Wirkung der zweiten Fungizidanwendung ankommt.

Halmbruch (Cercosporella) hat vor allem in Frühsaaten bei milder, feuchter Herbstwitterung eine Bedeutung. Dann kann sich der Pilz selbst nach gesunden Vorfrüchten wie Erbsen, Bohnen oder Raps stark ausbreiten. 2016 und 2017, also vor den Trockenjahren, ist auf sehr guten Lössstandorten in Ostdeutschland bei sehr früher Aussaat um den 15. September Extrembefall mit Halmbruch vorgekommen. Bereits um EC 39 konnte man extremen Befall, manchmal sogar bis zur Vermorschung, an der Halmbasis feststellen.

Nach dem letzten feuchten Jahr könnte Halmbruch bei mildem Herbst- und Winterwetter in den Frühsaaten zum Frühjahr eine wirtschaftliche Bedeutung erlangen. Auf betroffenen Standorten wird dann zwischen EC 30 bis 33 eine gezielte Behandlung gegen Halmbruch notwendig. Die beste Wirksamkeit verspricht Cyprodinil (Unix) mit mindestens 450 g/ha Wirkstoff, gefolgt von Prothioconazol. Nur wenn Sie vor kühl-feuchten Witterungsphasen applizieren, sind gute Leistungen möglich. Einsätze in Trockenphasen sind dagegen wenig effektiv, weil der Pilz dann nicht...