Brandenburg

Artenschutz: Mühen lohnen sich laut Agrargenossenschaft Trebbin

In der Agrargenossenschaft Trebbin in Brandenburg wird Artenvielfalt großgeschrieben. Für Thomas Gäbert ist es wichtig, die Maßnahmen optimal zu verbinden und den Erfolg zu messen.

Ein gesunder Boden mit vielfältigem Bodenleben zählt für mich genauso zu Biodiversität wie ein artenreicher Blühstreifen“, sagt Dr. Thomas Gäbert (37) von der Agrargenossenschaft Trebbin eG in Brandenburg.

Vor Jahren intensivierte er daher den Anbau von Zwischenfrüchten. Sein Ziel war es, durch mehr organische Substanz die Bodenlebewesen intensiv zu fördern und durch eine stärkere mikrobielle Aktivität den Humusgehalt seiner leichten Böden (durchschnittlich 23 BP) zu erhöhen.

Mit seiner Strategie verbessert er die Wasserhaltefähigkeit der Böden und auf lange Sicht auch die Bodenfruchtbarkeit. Das stabilisiert schlussendlich die Erträge.

Doch auch über dem Boden ist ihm Artenvielfalt wichtig. „Der Verlust einer Art ist irreversibel, es ist schwer abzuschätzen, was passiert, wenn einige aussterben“, so der Landwirt. „Fest steht, dass eine sinkende Vielfalt sich letztendlich auch auf das Ertragspotenzial von Ackerkulturen auswirken wird.“

Nicht zuletzt ist sein Engagement für die Arten so groß, weil er feststellt, dass sich das Umweltbewusstsein der Bevölkerung ändert. Heute führt er zahlreiche Maßnahmen durch und verknüpft sie geschickt miteinander, um möglichst viele Arten zu fördern.

Strauß von Maßnahmen

Für die Trebbiner stand bereits zu Anfang fest, dass sich biodiversitätsfördernde Maßnahmen gut in den Betrieb integrieren lassen müssen. „Die Produktion von qualitativ hochwertigen Futter- und Lebensmitteln muss so effizient wie möglich weiterlaufen“, so Gäbert. Sehr gut in den Betrieb einzubinden sind Blühflächen, wobei der Fokus auf den mehrjährigen liegt. „Nur diese ermöglichen es, dass sich auch seltene Arten ansiedeln. Unsere einjährigen Streifen dienen eher fliegenden Insekten als Nahrungsquelle“, erläutert er. Zur Ernte sind sie nach seinen Beobachtungen Rückzugsorte für unzählige Insekten, die aus den Ackerkulturen fliegen.

Neben Grünbrachen, die ebenfalls viel Fläche benötigen, kommen auch flankierende Maßnahmen ohne großen Flächenanspruch zum Einsatz. Dazu zählen z. B. Nistkästen, Sitzstangen oder Lerchenfenster im Wintergetreide. Eine Besonderheit ist die innerhalb einer Brache angelegte Abbruchkante. Diese nutzen Wildbienen und anderen Insekten zur Brut. Mit dem anfallenden Aushub legte Gäbert eine Sandoffenfläche an.

Abbruchkante

Abbruchkante in einer Stilllegungsfläche. (Bildquelle: Dabbelt)

Nahrungs- und Bruthabitat geschickt kombiniert

Um die Arten mit den Einzelmaßnahmen optimal zu fördern, ist es wichtig, sie geschickt zu kombinieren. Sehr gut funktioniert laut Gäbert das Zusammenspiel aus  mehrjährigen Blühstreifen und Grünbrachen . Diese nebeneinander angelegt, bieten vielen Insekten Brut- und Nahrungshabitat auf engstem Raum. Ein Beispiel: Rund 75 % der Wildbienenarten nisten unterirdisch und nutzen hierfür den offenen Boden der Grünbrache. Der angrenzende Blühstreifen stellt die Speisekammer dar.

Die Anlage einer Brache ist einfach, weil man sie sich selbst überlässt. „Lediglich bei zu starkem Bewuchs grubbern wir streifenweise, um den Boden zumindest stellenweise offen zu halten“, erklärt der Landwirt.

Das Anlegen der mehrjährigen Blühstreifen ist dagegen aufwendig. Die Aussaat der Blühmischung führt die Agrargenossenschaft meist in der ersten Aprildekade in ein sauberes, feinkrümeliges Saatbett durch. Zum Einsatz kommt eine Regiosaatgut-Mischung, die aus 70 % Kulturarten wie z. B. Markstammkohl, Ringelblume, Buchweizen, Öllein oder Phacelia besteht sowie aus 30 % Wildarten wie Wiesenkümmel, Wilde Möhre, Wiesen-Kerbel, Rainfarn oder Königskerzen-Arten. Entscheidend ist laut Gäbert, dass auch im ersten Jahr ausreichend massewüchsige Arten auflaufen, welche Unkräuter unterdrücken können. Im Anlagejahr hilft ein Schröpfschnitt, unerwünschte Unkräuter zu beseitigen. In den Folgejahren setzt Gäbert darauf, die Flächen alternierend, streifen- oder musterweise zu mulchen.

Am 1.1.2020 wurden ein- und mehrjährige Blühstreifen in Brandenburg ins KULAP aufgenommen. Die vorgegebene Mischung enthält 60 % Wild- und 40 % Kulturarten. Thomas Gäbert bezweifelt zwar, dass der hohe Wildartenanteil die Unkräuter gut unterdrückt, als erste förderfähige Maßnahme im Betrieb will er es dennoch ausprobieren. Problematisch findet Gäbert, dass Flächen, die länger als fünf Jahre Blühstreifen sind, den Ackerstatus verlieren. Kritisch sieht er zudem die Vorgaben im Greening, welche verhindern, Maßnahmen als ökologische Vorrangfläche anzumelden. Er wünscht sich von der Politik die Abschaffung solcher Stolpersteine.

Blühstreifen

Mehrjähriger Blühstreifen am Feldrand. (Bildquelle: Dabbelt)

Messbarer Nutzen

Im Rahmen eines Projektes der BASF, an dem Gäbert teilnimmt, lässt sich der Erfolg der Maßnahmen ermitteln (siehe „BASF-Projekt“). Wissenschaftler zählen darin jährlich die Arten von Spinnen und Laufkäfern, Wespen und Wildbienen sowie von Vögeln. Das ermöglicht es, den Maßnahmenmix weiter zu optimieren. Hier einige Ergebnisse:

Die Laufkäfer-Arten nahmen zu. So ließen sich im Jahr 2016 ca. 70 Arten ermitteln, 2017 waren es 95 und im letzten Jahr sogar 120.

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Das aufwendige Monitoring zeigt, das sich die Anzahl an Laufkäfer- und Spinnenarten durch die Maßnahmen kontinuierlich erhöht. (Bildquelle: Kielhorn)

Die Anzahl der Bienen und Wespen war leider durch den Einfluss der Dürre geprägt. Daher können erst die kommenden Jahre zeigen, wie sich die Biodiversitätsmaßnahmen auf die Populationen auswirken.

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Bienen und Wespen litten 2018 und 2019 unter der Dürre. Daran konnten auch die Biodiversitätsmaßnahmen nichts ändern. (Bildquelle: Kielhorn)

Um das Thema Biodiversität ausreichend intensiv bearbeiten zu können, wird Gäbert von seiner Frau unterstützt. Beide geben ihr Wissen begeistert an Besuchergruppen weiter.

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BASF-Projekt FarmNetzwerk Nachhaltigkeit

Welche Maßnahmen die Artenvielfalt besonders gut fördern und in der Praxis einfach umzusetzen sind, prüft das Unternehmen BASF seit 2013 in dem Projekt „FarmNetzwerk Nachhaltigkeit“. Ziel ist, die Biodiversität in intensiv genutzten Agrarlandschaften flächendeckend zu steigern und gleichzeitig viel produktive landwirtschaftliche Nutzfläche zu erhalten.

Derzeit setzen 53 landwirtschaftliche Betriebe aus Deutschland, Österreich und Belgien verschiedene Maßnahmen um. Zehn externe, unabhängige Experten aus Natur- und Umweltschutz begleiten das Projekt und einige Betriebe wissenschaftlich.


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