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Biostimulanzien kein Ersatz für Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel

Biostimulanzien sind weder Dünge- noch Pflanzenschutzmittel, weshalb es auf EU-Ebene rechtliche Abgrenzungsprobleme gibt. Sie sind auch keine „Wundermittel“, sondern eher Instrument im Werkzeugkasten.

Lesezeit: 3 Minuten

Obwohl Biostimulanzien durchaus Antworten auf explodierende Düngerpreise und wachsende gesellschaftliche Anforderungen an den Ackerbau bieten können, wachsen die Bäume auch mit dem Einsatz dieser innovativen Produkte nicht in den Himmel. Das ist letzte Woche beim „Media Club“ von Corteva Agriscience deutlich geworden.

Die neuen Substanzen könnten trotz ihres beachtlichen Potentials auch in Zukunft Mineraldünger oder chemischen Pflanzenschutz nicht ersetzen, stellte Dr. Sven Hartmann vom Industrieverband Agrar (IVA) klar. Hartmann zufolge stehen die Landwirte in Europa aktuell vor der Herausforderung, das Ziel der Ernährungssicherung mit den Forderungen nach einem reduzierten Ressourceneinsatz und einem Mehr an Umwelt- und Artenschutz zu verknüpfen.

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Die aktuelle Krise am Mineraldüngermarkt verschärfe die Situation zusätzlich, so dass der Ruf nach Innovationen immer lauter werde.

Die relativ junge Produktgruppe der Biostimulanzien kann laut Hartmann tatsächlich Wege zu einem nachhaltigeren und gleichzeitig ertragsstabilen Ackerbau eröffnen. Substanzen oder Mikroorganismen wirkten dabei unterstützend und stimulierend auf die Stoffwechselprozesse der Pflanze und versetzten sie so insbesondere auf nicht optimalen Standorten oder bei ungünstigen Umweltbedingungen in die Lage, besser mit biotischem und abiotischem Stress umzugehen oder mehr Nährstoffe aus der Umwelt aufzunehmen.

Rechtliche Abgrenzungsprobleme

Wie Hartmann betonte, stellen Biostimulanzien weder Dünge- noch Pflanzenschutzmittel dar, sondern sind im eigentlichen Sinne Produktionsmittel. Ihm zufolge gibt es derzeit aber auf EU-Ebene durchaus noch rechtliche Abgrenzungsprobleme, die allerdings durch die Definition der eigenständigen Produktgruppe „PFC 6“ behoben werden sollen.

Biostimulanzien seien auch keine „Wundermittel“, sondern müssten vielmehr als wichtiges ergänzendes Instrument im Werkzeugkasten des Landwirts gesehen werden. Die Landwirte sollten mit ihrem Erwartungsniveau zum Einfluss der neuen Produkte realistisch bleiben, rät Hartmann daher. Ungeachtet dessen rechnet er damit, dass Biostimulanzien in den nächsten Jahren im Sinne des „Integrierten Pflanzenbaus der Zukunft“ durchstarten werden.

Dafür müssten die Hersteller aber der Skepsis der potentiellen Kunden mit nachweislich wirksamen und sicheren Produkten begegnen, so der IVA-Experte. Dies könnte nach seiner Einschätzung am ehesten durch offizielle Qualitätsstandards und entsprechende Versuchsergebnisse geschehen.

Neue Generation

Ein vielversprechendes Beispiel stellte Dr. Alexander Schmithausen von Corteva mit dem Produkt „Utrisha N“ vor, das unter den richtigen Bedingungen eine spürbare Ersparnis beim Mineraldüngereinsatz verspricht.

„Utrisha N“ zählt nach Angaben von Schmithausen zu einer neuen Generation von Biostimulanzien, die nach der Blattapplikation über das Bakterium Methylobacterium symbioticum Stickstoff aus der Luft bindet und der Pflanze auf diese Weise Stickstoff zur Verfügung stellt.

In Praxisversuchen habe sich gezeigt, dass „Utrisha N“ je nach Kultur 30 kg bis 60 kg Stickstoff pro Hektar zusätzlich liefern könne, die dann nicht mehr per Mineraldünger ausgebracht werden müssten, erläuterte der Corteva-Fachmann. Ihm zufolge kann dies nicht nur in Roten Gebieten die Düngestrategie mit „bilanzfreiem Stickstoff“ ergänzen. Auch bei Trockenheit und bei Düngeauflagen könne dadurch fehlender Kunstdünger ersetzt werden. Zudem sei das Verfahren auch in Biobetrieben zugelassen und sichere hier wie im konventionellen Anbau in allen Kulturen Ertrag und Qualität.

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