Erdbeersaison 2022

Erdbeeren kosten derzeit 5 bis 6 € je 500 g-Schale

In SH, MV, NRW und Niedersachsen ist der Startschuss zur Erdbeerernte 2022 gefallen. Wegen der hohen Lohn- und Energiekosten sind die Früchte dieses Jahr allerdings 25 % teurer.

In mehreren Bundesländern hat die Erdbeersaison begonnen. Am Donnerstag war es z.B. in Schleswig-Holstein soweit, wo die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein auf dem Betrieb von Heinrich Mougin (im Kreis Ostholstein) in Lenste zu Gast war.

Trotz der kalten Nächte im März und April konnte die Sonne die Erdbeeren in den begehbaren Folientunneln sehr gut erwärmen und die frühe Reife ermöglichen, so dass jetzt die ersten Erdbeeren reif sind. „Wenn alles glatt läuft, produzieren wir in Schleswig-Holstein rund 12.000 t Erdbeeren“, sagte Kammer-Präsidentin Ute Volquardsen. Aufgrund der gestiegenen Energiekosten, Löhne und Logistikkosten rechnet sie mit rund 50 ct höheren Preisen pro Pfund Erdbeeren. Zum Beginn der Saison, wenn das Angebot noch klein ist, kostet die 500-g-Schale zwischen 5 und 6 €. In der Hauptsaison werden die Preise sinken.

Erdbeeranbau in Schleswig-Holstein

Erdbeeren wurden in SH zuletzt von 82 Betrieben auf einer Freilandfläche von insgesamt 935 ha erzeugt. Die größten Flächen liegen in den Kreisen Herzogtum Lauenburg (200 ha), Plön und Ostholstein (200 ha). Nach dem sehr niedrigen Durchschnittsertrag von 78,8 dt/ha und einer Ernte von 5.950 t im letzten Jahr hoffen die Bauern dieses Jahr auf bessere Erträge. Der Anbau von Erdbeeren unter Folientunneln nimmt beständig zu. So konnten bereits 75 ha ermittelt werden, auf der diese ernteverlängernde Produktionsmethode zum Einsatz kam.

Alle Erdbeerbetriebe in Schleswig-Holstein verfrühen einen Teil ihres Anbaues. Das sind rund 300 ha und 30 % der Gesamtanbaufläche (darunter 75 ha in Folientunneln und 200 ha mit Vlies verfrüht). Weitere 650 ha Erdbeeren stehen ohne Verfrühung im Freiland.

Frigo-Anbau und tagneutrale Sorten

Anders als beim Spargel hat die Erdbeersaison keinen Stichtag, wann sie endet. Eher im Gegenteil, mit sogenanntem Frigo-Anbau und mit tagneutralen Sorten, die den ganzen Sommer über blühen und fruchten, verlängern einige Betriebe die Erdbeersaison.

Im Frigo-Anbau werden eingefrorene Pflanzen im Frühjahr zu einem planbaren Termin gepflanzt und ca. 60 Tage nach der Pflanzung kann mit der Ernte begonnen werden. Mit „tagneutralen“ Erdbeersorten wird die Ernte bis in den September hinein verlängert. Dabei gilt, dass sowohl die ersten als auch die letzten Früchte der Saison am Markt etwas mehr kosten als in der Hochsaison.

Eine sehr frühe Erdbeere im Folientunnel ist die Sorte ,Flair‘. Eine weitere gängige Frühsorte für den Tunnel ist ,Clery‘, die auch auf dem Betrieb Mougin angebaut wird. Im Freiland kommt dann die Frühsorte ,Rumba‘. Diese Sorte hat ein sehr gutes Erdbeeraroma und eine frische Farbe.

Mecklenburg-Vorpommern: Erdbeerpreis steigt um 25 %

Schon am 1. Mai hatte Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus Karls Erdbeerhof in Rövershagen besucht. Auch hier werden die ersten Erdbeeren der Saison geerntet.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden im vergangenen Jahr Erdbeeren in 20 Betrieben auf einer Fläche von 1.095 ha angebaut (das sind fast 10 % der Anbaufläche für Erdbeeren in Deutschland), davon waren 476 ha nicht im Ertrag.

Zunächst gibt es in MV aber nur kleine Mengen, da in dem Bundesland nur zwei Unternehmen die kostenintensive Verfrühung im Wandertunnel betreiben. Das Gros der Erdbeererzeuger wird die Ernte wohl ab Mitte Mai vermarkten, sagte Backhaus. Der Höhepunkt der Erdbeersaison aus dem Freiland ist dann spätestens Mitte Juni erreicht. Die dortigen Landwirte wollen Preiserhöhungen von 20 bis 25 % erheben.

Erdbeerpott

Seit Mitte April gibt es bereits die ersten frischen Erdbeeren. Das sonnige Wetter im März hat dafür gesorgt, dass der Termin für den Ernte-Start in diesem Jahr einige Tage vor dem langjährigen Mittel lag. (Bildquelle: pixabay.de / matthiasboeckel)

Niedersachsen: Sorge vor steigenden Importabhängigkeiten

Ein anderes Problem sprach diese Woche Fred Eickhorst, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer, aus Niedersachsen an: „Die Selbstversorgung bei Gemüse liegt bei mageren 35 %, bei Obst sogar nur noch bei 19 %.“ Er befürchtet, dass die deutschen Landwirte trotz ihrer hohen Qualitätsansprüche an die süßen Früchte den Preiskampf gegen die Waren aus dem Ausland verlieren werden.

Die Folge: Obst- und Gemüsebauern geben weitere Felder auf. „Die Abhängigkeit von Importen wächst stark“, sagt Eickhorst. Dabei habe es jeder Konsument selbst in der Hand, den Anbau regionaler Früchte zu sichern. „Der Käufer muss sich für die Versorgungssicherheit in Deutschland und gegen den erhöhten CO2-Ausstoß von Importen entscheiden“, wünscht sich Eickhorst. Auch wenn es manchmal ein paar Wochen länger dauere, bis die heimischen Gewächse reif sind, lohne sich die Wartezeit. Denn am besten schmecken die Früchte frisch. Dann sind auch die wertvollen Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe noch gut erhalten, schreibt der Landvolk-Pressedienst.

In Niedersachsen werden auf einer Anbaufläche von 3.500 ha Erdbeeren angebaut, 20 % erfolgen unter Vlies und Folie und ein kleiner, aber steigender Teil im kostenintensiven geschützten Anbau.

Sortenvielfalt in NRW

Die Landwirtschaftskammer NRW betont ihrerseits die Sortenvielfalt, die stetig zunehme. So strebten die Landwirte nach geschmackvolleren Sorten und solchen, die robuster im Anbau und damit weniger krankheitsanfällig sind. Einige von diesen Sorten sind zum Beispiel die Sorten Flair und Clery, die im Mai geerntet werden. Ab Ende Mai bis Juni folgen die Sorten Asia, Malling Centenary, Sonata und Sonsation, Ende Juni und im Juli sind die Sorten Faith und Malwina reif. Insgesamt wachsen in NRW rund 40 verschiedene Erdbeersorten.

Bei den Erdbeeranbauflächen in Deutschland steht NRW nach Niedersachsen an zweiter Stelle. In NRW wuchsen 2021 auf 2.554 ha Erdbeeren, die meisten davon, 2.071 ha, ungeschützt im Freiland und 482 ha geschützt unter einer Abdeckung in einem Folientunnel oder im Gewächshaus.


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