Kririk an Behörden

Hohe Hürden für Brunnenbau: Das Jerichower Land trocknet aus

Nachdem die Oberflächengewässer im Jerichower Land zur Bewässerung zunehmend ausfallen, sind die Bauern auf Brunnen angewiesen. Die Behörden machen es ihnen aber mit hohen Auflagen und Kosten sehr schwer.

Die Bauern in der Region um Fischbeck und Jerichow im Nordosten Sachsen-Anhalts kämpfen seit langem mit trockenen Jahren und unzureichenden Niederschlägen. Immer wieder gab es Dürren, in denen die Sandböden nur mit Bewässerung Ertrag brachten.

Laut dem MDR rückt der Landstrich im Norden des Landkreises Jerichower Land nun wieder in den Fokus, weil er ein besonderes Mikroklima besitze, das modellhaft zeigen kann, wie sich Landwirtschaft unter neuen klimatischen Verhältnissen wandeln könnte: Die Elbe sei die Wetterscheide und blockt Fachleute zufolge ergiebige Niederschläge ab. Zum anderen reduziert das geologische Profil mit heißen Sommern den Wasserhaushalt erheblich. Denn durch den Sand fällt der Grundwasserspiegel bei anhaltender Trockenheit schneller als anderswo.

Aus diesem Grund sind die Landwirte schon lange auf künstliche Bewässerung angewiesen, berichtet der MDR weiter. Bis in die 90er Jahre kam das Wasser dafür vor allem aus Seen und Teichen. Diese seien aber oftmals heute ausgetrocknet, was sich laut dem Sender schon früh abzeichnete. Daher bohrten viele Betriebe neue Tiefbrunnen, um das Grundwasser in 80 bis 150 m Tiefe anzuzapfen.

Grundwasserspiegel sinkt

Das ruft hingegen Kritiker auf den Plan: So verbrauche die Landwirtschaft heute 22 % des gesamten Wasserhaushalts im Jerichower Land für die Beregnung der Nutzflächen. Der Verbrauch des öffentlichen Trinkwassers liege zum Vergleich bei 27 %, so die Argumente von Umweltschützern.

Nach MDR-Angaben beklagte auch die Untere Wasserbehörde des Landkreises in den vergangenen Dürresommern einen stetig fallenden Grundwasserspiegel. Die Behörde soll daraufhin klargestellt haben, nicht unendlich Genehmigungen für Tiefbrunnen vergeben zu können.

Das spüren laut dem Sender auch die Höfe. Ein Landwirt berichtet über enorm hohe Hürden und Kosten von 100.000 € für die Beantragung und die Vorbereitungen. Dies sei eine Vorleistung ohne Garantie, dass am Ende tatsächlich Wasser fließt. Konkret erforderlich sind z.B. eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung, ein Hydrogeologisches Gutachten, die Stellungnahme der Naturschutzbehörde und nicht selten die Beteiligung etlicher weiterer Behörden, heißt es.

Bauernverband: Es geht um Lebensmittel!

Das bemängelt auch der Bauernverband. Gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk beklagte die Interessenvertretung, dass die Hürden vorab schon so hoch seien, dass die Betriebe den Antrag erst gar nicht stellen. Und selbst wenn der Brunnen genehmigt sei, könnte der Landkreis im Fall extremer Trockenheit die Nutzung temporär untersagen. Das sei das Aus für die angebauten Feldfrüchte.

Der Verband betont, dass es um die Produktion von Lebensmitteln gehe. Man habe auch kein Verständnis dafür, dass in den Supermärkten etwa Kartoffeln aus Ägypten verkauft werden. Die CO2-Bilanz sei katastrophal und zum Bewässern nutzten die Ägypter den Nil, das habe eben auch Klimafolgen.


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