KW Piesteritz-Feldtag

Konsequenzen aus der Farm-to-Fork Strategie für den Chemie- und Düngersektor

Experten diskutierten am Mittwoch, wie sich die künftige Agrarpolitik mit ihren Reduktionszielen bei Düngung und Pflanzenschutzmitteleinsatz auf die Branche auswirkt.

Im Zuge der Farm-to-Fork-Strategie will die EU-Kommission bekanntlich u.a. die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln und den Nährstoffeintrag in die Umwelt um je 50 % reduzieren. Der Düngemitteleinsatz soll um 20 % sinken. Der Ökolandbau soll von derzeit 10 auf 25 % gesteigert werden.

Für viele Beobachter ist diese Zielstellung ein sichtbares Zeichen der seit längerem schwindenden Akzeptanz der konventionellen Landwirtschaft in der Gesellschaft. Die sich abzeichnenden Umbrüche bedeuten für alle Akteure im Agrarsektor eine erhebliche Planungsunsicherheit. Sich in diesem Umfeld zu behaupten, dürfte zur großen Herausforderung der nächsten Jahre werden.

Beim gemeinsamen Pressegespräch im Rahmen des virtuellen Feldtages 2021 der SKW Piesteritz haben am Mittwoch der Deutsche Bauernverband, die LIMAGRAIN GmbH, die ADAMA Deutschland GmbH und die Rauch Landmaschinenfabrik GmbH auf die Herausforderungen der Farm-to-Fork-Strategie verwiesen und Visionen aufgezeigt.

DBV

Steffen Pingen, Fachbereichsleiter Umwelt und ländlicher Raum beim Deutschen Bauernverband stellte klar: „Die Landwirtschaft ist bereit, ihren Teil zu einem verbesserten Umwelt- und Biodiversitätsschutz beizutragen und eine Transformation der Lebensmittelerzeugung hin zu noch mehr Nachhaltigkeit mitzugestalten. Statt pauschaler Reduktionsziele für Pflanzenschutzmittel und andere Betriebsmittel sowie prozentualer Schutzgebietsausweisungen erfordert eine produktive, wettbewerbsfähige und ressourcenschonende Landwirtschaft aber den Einsatz moderner Techniken, die Nutzung der Digitalisierung und die Kooperation im Umwelt- und Naturschutz. Naturschutz muss für die Landwirte praxistauglich und in die Produktionsabläufe integrierbar sein und zu einem Betriebszweig werden können.“

SKW Piesteritz

Dr. Thomas Kreuter und Florian Eißner von der Landwirtschaftlichen Anwendungsforschung der SKW Piesteritz in Cunnersdorf ergänzten, dass ihre Firma mit innovativen Mineraldüngern und Anwendungsempfehlungen dem Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie Rechnung tragen wollen. „Stabilisierte, standortangepasste Düngungssysteme verknüpfen den umfassenden Schutz von Luft, Wasser und Boden mit höchsten Ansprüchen an Ertrag, Qualität und Effizienz. Nur eine solche nachhaltig-intensive Landwirtschaft wird den künftigen Bedarf decken können. Gleichzeitig schafft sie den dringend benötigten Raum für mehr Klima-, Umwelt- und Artenschutz“, so die Firmenvertreter.

ADAMA

Die ADAMA Deutschland GmbH stellte am Mittwoch unterdessen klar heraus, dass Pflanzenschutz auch in Zukunft zu einer erfolgreichen Pflanzenbaustrategie dazugehört und verstärkt auf gesamt gesellschaftliche Fragen reagiert werden muss. „Chemischer Pflanzenschutz wird, neben Biostimulantien, Biologicals sowie pflanzenbaulichen Maßnahmen als sinnvolle Ergänzungen, auch zukünftig ein notwendiger Baustein für die Produktion gesunder Nahrungsmittel sein. Eine faktenbasierte und faire Bewertung des chemischen Pflanzenschutzes ist notwendig, denn unsere Verantwortung bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe „verbietet einen Export“ in Länder mit geringeren Standards“, argumentierte Markus Grimm, Geschäftsführer ADAMA Deutschland GmbH.

LIMAGRAIN

Neben Pflanzenschutz und Düngung ist die Pflanzenzüchtung eine tragende Säule des Pflanzenbaus. Klaus Ahrens, Marketingleiter von der LIMAGRAIN GmbH, betonte dazu: „Wir als Züchter werden den Landwirten weiterhin Zuchtfortschritt bieten. Das wird in der Zukunft aber mehr sein müssen als nur ertragreiche Sorten. Wir brauchen Sorten, die gleichermaßen ertragreich, gesund und effizient in der Nährstoffausnutzung, insbesondere bei Stickstoff sind.“

Rauch

Der Landtechnikhersteller Rauch Landmaschinenfabrik GmbH setzt bei der Umsetzung der Farm-to-Fork-Ziele primär auf die Digitalisierung. „Um die wachsende Weltbevölkerung bei zurückgehender landwirtschaftlicher Nutzfläche auch zukünftig zu ernähren, benötigen wir eine effizientere Lebensmittelerzeugung. Die Digitalisierung bietet uns die Möglichkeit, viele Daten zu erfassen und zu verarbeiten, auf deren Basis die Abläufe im landwirtschaftlichen Produktionsprozess weiter optimiert werden können“, betonte Rauch-Geschäftsführer Wilfried Müller.

Fazit

Nur, wenn Züchtung, Düngung, Pflanzenschutz und Technik Hand in Hand gehen, lässt sich das Optimum vom Acker holen. Zur Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Strategien ist der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Beratung und Landwirtschaft unerlässlich.