Beispielkalkulation

Rechnen sich weite Fruchtfolgen?

Weite Fruchtfolgen sind im Kommen. Doch rechnen sie sich? Darüber entscheiden vor allem Fruchtfolgeeffekte zwischen den Kulturen, die oft unterschätzt werden.

Unser Experte: Dipl.-Ing. agr. Sven Böse, Fachberater, Isernhagen

Ackerbohne, Soja, Roggen – die Anbaufläche alternativer Kulturen neben Weizen, Gerste und Raps ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Landwirte erweitern ihre Fruchtfolgen – selbst nach ernüchternden Anbauerfahrungen in Trockenjahren und (noch) unterentwickelten Absatzmöglichkeiten für die Nischenkulturen. Wie rechnen sich weite Fruchtfolgen vor diesem Hintergrund?

Wer für den Deckungsbeitrag seiner Fruchtfolge nur den Durchschnitt der Standarddeckungsbeiträge der einzelnen Kulturen heranzieht, unterschlägt dabei die Vorzüge einer weiten Fruchtfolge. Denn die Wechselwirkungen neuer Kulturen auf bewährte Früchte sind nicht zu unterschätzen:

  • Weniger Krankheiten: Kohlhernie im Raps, Fusarien sowie Halm- und Wurzelkrankheiten im Getreide treten in weiten Fruchtfolgen durch längere Anbaupausen deutlich seltener auf.

  • Geringerer Ungrasdruck: Besonders resistente Ungräser wie Ackerfuchsschwanz lassen sich durch den Anbau von Sommerungen in Schach halten.

  • Weniger Resistenzen: Enge Getreidefruchtfolgen begünstigen Fungizidresistenzen. Weite Fruchtfolgen mit Wechsel von Halm- und Blattfrüchten beugen diesen vor, weil der Selektionsdruck mit weniger Maßnahmen sinkt.

  • Bessere N-Bilanz: Raps und Getreide können hohe N-Überschüsse haben. Mit Kulturen wie Mais, Hafer oder Roggen in weiten Rotationen lässt sich die N-Bilanz verbessern, weil sie den im Boden mineralisierten Stickstoff besonders effizient nutzen.

  • Mehr Ertrag: Gleichzeitig steigen die Erträge der bewährten Kulturen und schwanken weniger in der erweiterten Fruchtfolge. Die Kosten für Pflanzenschutz und Arbeitserledigung sinken.

Wie sich diese positiven Effekte auf die Fruchtfolge auswirken, zeigen wir anhand der einzelnen Früchte in Übersicht 1. Dort vergleichen wir Sommerungen und Winterungen mittels ihrer direkt- und arbeitskostenfreien Leistung (DAL). Die oben genannten positiven Wirkungen der einzelnen Kulturen auf die Folgekulturen bewerten wir mit dem Fruchtfolgewert in €/ha.

Beispiel: Der Ackerbohne haben wir mit 160 €/ha einen hohen Fruchtfolgewert gegeben. Als Sommerung senkt sie den Ungrasdruck und bringt Stickstoff in den Boden, den die Folgekultur aufnehmen kann. Die Zuckerrübe hat dagegen einen negativen Wert.

Die Reihenkultur ist ein Humuszehrer, auch wenn das Blatt auf dem Acker bleibt. In einem nassen Spätherbst drohen Strukturschäden durch die Ernte. Das müssen Landwirte über Zwischenfrüchte und die Bodenbearbeitung ausgleichen. Der Fruchtfolgewert drückt diese Effekte in Zahlen aus.

Ohne den Fruchtfolgewert beträgt die DAL-Differenz zwischen Ackerbohne und Zuckerrübe 422 €/ha, mit Fruchtfolgewert nur noch 202 €/ha. Die Fruchtfolgewerte einzelner Kulturen sind allerdings nicht allgemein gültig, sondern hängen von vielen Faktoren auf Ihrem Betrieb ab. Wie sich die Werte in der Übersicht ergeben, erklären wir in der Zusatzinfo „Fruchtfolge“ weiter unten.

Sommerungen im Nordwesten

Über Jahrzehnte dominierte vor allem in Nordwest-Deutschland die dreigliedrige Fruchtfolge Raps–Weizen–Gerste. In dieser Fruchtfolge, die ausschließlich aus Winterungen besteht, traten vermehrt Probleme mit Ackerfuchsschwanz auf.

Auch die Rapserträge litten in der Vergangenheit unter der engen Rotation. Um diese Fruchtfolge mit Sommerungen aufzulockern, könnte man eine Leguminose im Wechsel mit Sommergetreide integrieren. Beide stehen im Hinblick auf gesunde Anbaupausen auf je einem Achtel der Fruchtfolge. In unserem Beispiel nehmen wir den Hafer (293 €/ha) und die Ackerbohne (235 €/ha) in die Rotation.

Bewertet man die erweiterte Fruchtfolge mit Raps–Weizen–Gerste–Hafer/Ackerbohne ohne Fruchtfolgewerte, sinkt die durchschnittliche DAL von 305 auf 265 €/ha, also um 40 €/ha. Kalkuliert man die Fruchtfolgewerte aus Übersicht 1 ein, kommt die weite Fruchtfolge auf einen Wert von 345 €/ha, die enge erzielt 371 €/ha. Der Unterschied liegt nur noch bei 26 €/ha.

Wie sich die geringeren DAL von Hafer und Ackerbohne kompensieren lassen, hängt vom Fruchtfolgewert ab, den man ihnen zugesteht. Die Vorteile der weiten Fruchtfolge sind vielfältig: Höhere Rapserträge, N-Einsparungen, PS-Einsparungen, höhere Gerstenerträge nach Ackerbohne, höhere Proteinwerte beim Weizen und bessere Arbeitsverteilung. Die Fruchtfolgewerte können die von uns angenommen 80 €/ha für Sommerhafer und 160 €/ha für Ackerbohne noch deutlich übersteigen.

Auch die Erlöse der zusätzlichen Fruchtfolgeglieder könnten weiter wachsen: Hafer erfährt als „Functional Food“ steigende Wertschätzung. Gute Qualitäten erreichen Landwirte am besten in nicht zu trockenen Lagen. Ackerbaulich gilt der Hafer als Gesundungsfrucht, er schont die N-Bilanz und verbessert die Bodenstruktur. Heimische Leguminosen wie die Ackerbohne sind häufig nur unter Berücksichtigung eines sehr hohen Vorfruchtwertes interessant.

Das kann sich ändern, sobald sich lukrative...


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