Kupferpräparat

Rüben: Notfallzulassung für Funguran Progress erteilt

Rübenanbauer in RLP, Hessen und BW können aufatmen. Gegen Cercospora können sie nun das Kupferpräparat Funguran Progress zeitlich befristet nutzen – das verbessert die Wirkung.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat den Antrag des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. auf Zulassung von Funguran Progress nach Art. 53 zur Bekämpfung von Cercospora beticola in Zuckerrüben in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg kürzlich positiv beschieden.

Damit können die Anbauer in den am schwersten von Cercospora betroffenen Anbaugebieten den Wirkstoff nutzen und so ihre Erträge sichern sowie eine weitere Resistenzbildung verhindern.

In den letzten Jahren ließ sich besonders in diesen Regionen eine deutlich verminderte Wirkung systemischer Fungizide auf Cercospora feststellen. Im vergangenen Jahr war zwar der Befallsdruck insgesamt aufgrund der Trockenheit geringer, dennoch wurden in den Starkbefallsregionen mindestens zwei Behandlungen mit Fungiziden erforderlich.

„Gleichzeitig sind cercosporatolerante Sorten empfindlicher gegenüber Mehltau, wodurch die Blattbehandlung durch Mehltau ausgelöst wird“, erläutert Dr. Christian Lang, Geschäftsführer im Verband und der ARGE Zuckerrübe Südwest. „Auch bei gleichzeitigem Befall mit den durch Zikaden übertragenen Bakterien zeigen blattgesündere Sorten teilweise stärkere Einbußen. Das haben wir in einem Versuchsprojekt im Rahmen unseres NIKIZ-Projektes belegen können.“ Um diese Effekte zu untersuchen, hat die ARGE Zuckerrübe Südwest viele Versuche angelegt. Eine Master-Arbeit an der Justus-Liebig-Universität Gießen soll weitere Aufschlüsse dazu bringen.

Die Fungizid-Versuche der ARGE Zuckerrübe Südwest haben eindeutig gezeigt, dass ohne Kontaktfungizide keine ausreichende Wirkung und damit keine Absicherung des Ertrages mehr möglich ist. Dies lässt sich zum einen auf eine fehlende Wirkung der Strobilurine, zum anderen auf eine nachlassende Azolwirkung zurückführen.

Mit dem Zusatz des Kontaktfungizides Funguran konnte dagegen eine statistisch gesicherte Steigerung des Zuckerertrages erzielt werden. Zudem wird der Selektionsdruck auf Cercospora deutlich reduziert. Hierdurch werden die Azol- und Strobilurinwirkstoffe geschützt.

Einsatz erst nach Aufruf

Die Anwendung erfolgt stets erst nach Aufruf zur Kontrolle, der durch ein engmaschiges Monitoring-Netz regional gestaltet wird. Schon vor 25 Jahren wurden in der ARGE dafür Schwellenwerte entwickelt, die heute in ganz Deutschland als Bekämpfungsgrundlage dienen. In der ZEPP in Bad Kreuznach wird gemeinsam mit der Südzucker AG an der Weiterentwicklung von Prognosemodellen für die Bekämpfung gearbeitet. Die Computer-Programme erlauben eine Berechnung der optimalen Bekämpfungszeitpunkte, wenn man einige Daten vorher erfasst hat.

Die Notfallzulassung von Funguran Progress ist ausschließlich auf das Inverkehrbringen und die Anwendung gegen Cercospora-Blattflecken an Zuckerrüben in den Risikogebieten der Fungizid-Resistenz in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg bei Infektionsgefahr bzw. ab Warndiensthinweis beschränkt. Sie wird für die Zeit vom 2. Juni 2021 bis zum 28. September 2021 für 120 Tage auf maximal 10.000 ha in den drei Bundesländern erteilt.

Die Zuckerrübenanbauer werden rechtzeitig über nötige Blattkontrollen und Möglichkeiten der Bekämpfung informiert. Aufgrund der kühlen Frühjahrswitterung rechnet die ARGE Zuckerrübe Südwest in diesem Jahr mit einem späteren Befallsbeginn.