KWS

Tochter von Arend Oetker übernimmt Anteile an KWS

Der 76 Jahre alte Unternehmen Arend Oetker hat letzte Woche seine Anteile am Saatgutkonzern KWS Saat SE mit Sitz in Einbeck federführend an seine Tochter Marie Theres Schnell übergeben.

Der 76 Jahre alte Unternehmen Arend Oetker hat letzte Woche seine Anteile am Saatgutkonzern KWS Saat SE mit Sitz in Einbeck federführend an seine Tochter Marie Theres Schnell übergeben. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf eine Presseinformation von KWS.

Schnell lebt in München und ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Mutter von vier Kindern. Arend Oetker hält Beteiligungen an mehreren Unternehmen und ist im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) engagiert.
 
Die Familie Arend Oetker besitzt 25 % der Stimmrechtsanteile. Sie sind einer familieneigenen Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Berlin zugeschrieben. Arend Oetker hat den Großteil seiner Anteile daran – 95 % - nun an die nächste Generation übergeben. Das sind neben Marie Theres Schnell zu gleichen Anteilen seine jüngeren Kinder Johanna Oetker, Leopold Oetker, Clara Oetker und Ludwig Oetker. Laut Meldung beabsichtigt die Familie, ihr „Engagement langfristig fortzuführen“.
 
Ein weiterer Anteil von rund 25 % der Stimmrechte an KWS liegt in den Händen von Andreas Büchting, ein kleinerer dritter bei der Familie Giesecke. Insgesamt entfallen auf die drei Familien 56 % der Aktienanteile am Saatgutkonzern.

KWS-Gewinn über den Erwartungen

Die KWS SAAT SE und ihre internationalen Tochtergesellschaften haben im Geschäftsjahr 2014/2015 ihre Ertragskraft behaupten können, erklärt KWS in einer Mitteilung. Trotz eines schwierigen Marktumfeldes und planmäßig erhöhter Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) sowie Vertriebsaktivitäten habe die Gruppe ein operatives Ergebnis (EBIT) in Höhe von 138,0 (Vorjahr: 138,4) Mio. Euro erzielt. Wie bereits am 1. September vorab vermeldet, lag es damit über den ursprünglichen Erwartungen und mit 10,9 % deutlich über dem langfristigen Ziel einer EBIT-Marge von 10 %. Die Umsatzerlöse in der KWS Gruppe stiegen um 7,0 % auf 1.260,4 (1.178,0) Mio. Euro.

Segmentberichterstattung: Alle Produktsegmente mit einer EBIT-Marge größer 10 %

Die Umsatzerlöse im Segment Mais stiegen im Berichtsjahr um 5,5 % auf 754,4 (714,9) Mio. Euro. Insbesondere aus den Regionen Nord- und Südamerika kamen nennenswerte Wachstumsimpulse, während weltweit insgesamt rückläufige Anbauflächen zu verzeichnen waren. Bereinigt um Währungseffekte, positive im Bereich des US-Dollar und des argentinischen Peso, negative im Bereich des brasilianischen Real, des russischen Rubel und der ukrainischen Griwna, lagen die Umsatzerlöse bei 736,0 Mio. Euro. Unter Berücksichtigung der gegenüber dem Vorjahr um 31,7 Mio. Euro erhöhten Vertriebs- und Forschungsaufwendungen betrug das Segmentergebnis (EBIT) 84,2 (100,9) Mio. Euro. Dies entspricht einer EBIT-Marge von 11,2 (14,1) %.

Im Segment Zuckerrüben, welches auch das Pflanzkartoffelgeschäft der KWS beinhaltet, wuchsen die Umsatzerlöse um 11,2 % auf 390,5 (351,1) Mio. Euro. Davon entfielen 364,4 (318,5) Mio. Euro auf das Zuckerrübensaatgutgeschäft und 26,1 (32,6) Mio. Euro auf das Pflanzkartoffelgeschäft. Zu diesem insgesamt deutlichen Anstieg trugen insbesondere die positiven Entwicklungen in Nordamerika, Russland, der Türkei und Frankreich bei. Das Segmentergebnis (EBIT) stieg überproportional auf 93,0 (70,2) Mio. Euro. Insbesondere die starke Entwicklung in Nordamerika, positive Wechselkurseffekte und geringere Wertberichtigungen auf Forderungen wirkten sich hier positiv aus, sodass die signifikante Erhöhung der Vertriebs- und Forschungsaufwendungen deutlich kompensiert werden konnte. Die EBIT-Marge lag bei 23,8 (20,0) %.

Die Umsatzerlöse im Segment Getreide verbesserten sich um 3,7 % auf 111,3 (107,3) Mio. Euro. Damit verlief die Entwicklung trotz niedriger Konsumgetreidepreise bei Weizen, Gerste und Raps erfreulich, bei Gerste stiegen die Umsätze gruppenweit sogar um rund 50 %. Die vollständige Übernahme von MOMONT trug rund 6 Mio. Euro zusätzlich zu den Erlösen im Berichtsjahr bei. Niedrigere Umsätze bei hochwertigen Hybridroggensorten und die planmäßige Ausweitung der Funktionskosten führten zu einem Rückgang des Segmentergebnisses (EBIT) auf 12,0 (17,1) Mio. Euro, gleichbedeutend mit einer EBIT-Marge von 10,8 (15,9) %.

Im Segment Corporate werden sämtliche übergreifende Kosten wie die Aufwendungen für alle zentralen Funktionen der KWS Gruppe und langfristige Forschungsprojekte erfasst. Der Ergebnisausweis ist somit stets negativ. Im Geschäftsjahr 2014/2015 lag das EBIT aufgrund der Steigerung der F&E-Kosten bei -51,2 (-49,7) Mio. Euro.

„Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz einiger Turbulenzen an den Agrarmärkten und vielerorts sinkender Anbauflächen unseren Wachstumskurs beibehalten können“, sagte Hagen Duenbostel, Sprecher des Vorstands der KWS SAAT SE. „Unser Ziel bleibt die nachhaltige Unternehmensentwicklung basierend auf einem weiteren Ausbau unserer Forschungs- und Züchtungsaktivitäten zur Entwicklung wettbewerbsstarker Sorten.“ Im Geschäftsjahr 2014/2015 stieg das F&E-Budget plangemäß um 15,9 % auf 173,8 (150,0) Mio. Euro, entsprechend einer F&E-Quote gemessen am Umsatz von 13,8 (12,7) %. Über alle Fruchtarten hinweg erhielt die KWS Gruppe 429 (336) Vertriebsgenehmigungen für neue Sorten, sodass die Produktpipeline exzellent gefüllt ist. Parallel erfolgte der weitere Ausbau der weltweiten Vertriebsstrukturen im Zuge der anhaltenden Ausweitung der internationalen Geschäftsaktivitäten. Infolgedessen erhöhten sich die Vertriebskosten um 11,5 % auf 236,7 (212,3) Mio. Euro. Der Jahresüberschuss lag bei 84,0 (80,3) Mio. Euro.

Investitionen um 70 % gestiegen

Die KWS Gruppe investierte im Geschäftsjahr 2014/2015 insgesamt 140,6 (82,6) Mio. Euro und damit rund 58 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Schwerpunkte waren die Übernahme der verbleibenden 51 % an dem französischen Saatgutunternehmen SOCIETE DE MARTINVAL S.A. (MOMONT) und Maßnahmen zur Unterstützung des geplanten zukünftigen Wachstums, wie der Aufbau einer Maisaufbereitungsanlage in Serbien sowie verschiedene Projekte zum weiteren Ausbau des Standortes in Einbeck.