Klimaschutz: Gülle in den Fermenter Plus

Gülle ist als Substrat für Biogasanlagen sehr interessant. Doch die Betreiber stehen vor einem Dilemma: Politisch gibt es Rückenwind, rechtlich viele Hürden.

Gülle ist derzeit Problem und Rettung zugleich: In Veredelungsregionen im Überfluss, in Biogasanlagen vergoren ein wichtiges Element im Klimapaket der Bundesregierung: „Der stärkere Einsatz von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen und die gasdichte Lagerung von Gärresten sollen mit bisherigen und neuen Instrumenten gefördert werden.“ Mit dem Klimaschutzgesetz will die Bundesregierung die jährlichen Emissionen in der Landwirtschaft bis 2030 gegenüber 2014 um 14 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (kurz: CO2) reduzieren.

Die Wirtschaftsdüngervergärung ist dabei ein wichtiger Hebel: Denn Rohgülle emittiert Methan und Ammoniak, Festmist dagegen Methan, Ammoniak und Lachgas. Mit der Vergärung von Gülle vermeidet die Landwirtschaft heute zwischen 4 und 6 Mio. t CO2. Eine Verdopplung der Güllevergärung könnte dafür sorgen, dass mit dem Einsparen von weiteren 6 Mio. t CO2 fast die Hälfte des Sektorziels erreicht wird – vorausgesetzt, der Gesetzgeber würde die Emissionsminderung künftig der Landwirtschaft anrechnen und nicht, wie bislang, dem Energiesektor.

Heute wird jedoch nur ein Drittel der anfallenden Gülle als Biogassubstrat genutzt. Von den rund 8500 landwirtschaftlichen Biogasanlagen in Deutschland setzen 5600 mehr als 30% Gülle oder Mist ein, hat das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) festgestellt. Nur in Ostdeutschland liegt der Anteil eher bei 50% und mehr. „Diesen Status Quo sollte die Bundesregierung unbedingt bei der Ausgestaltung künftiger Rahmenbedingungen berücksichtigen. Werden die Anlagen aufgrund fehlender Perspektiven stillgelegt, gibt es wieder große Güllemengen, die Methan ausstoßen“, mahnt Jaqueline Daniel-Gromke, Leiterin der Arbeitsgruppe Systemoptimierung beim DBFZ.

Vor- und Nachteile der Gülle

Gülle bringt einerseits prozessbiologische Vorteile. Sie enthält Spurennährstoffe, hat eine hohe Pufferkapazität und sorgt für eine geringe Viskosität des Fermenterinhalts, der sich besser rühren lässt. „Auch gibt es einen ständigen Zufluss von aktiven Mikroorganismen“, zählt Agrarwissenschaftler Dr. Walter Stinner vom DBFZ auf.

Andererseits ist der hohe Wassergehalt der Grund, warum sich damit wenig Strom erzeugen lässt. Laut DBFZ liefert die Gülle insgesamt in Deutschland aktuell 4 Terawattstunden (TWh) im Jahr, während die gesamte Stromerzeugung aus Biomasse bei 32 TWh liegt.

Darum fördert die Bundesregierung die Güllevergärung über den Güllebonus (bei einem Anteil von mindestens 30 Massen-% im Fermenter) im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Diese Grenze ist der Grund für den aktuellen Anteil der Gülle in deutschen Fermentern. „Gerade in viehreichen Regionen...


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