Erneuerbare Energien

Baden-Württemberg: 2021 weniger Ökostrom erzeugt

Obwohl neue Anlagen hinzukamen, erzeugten Solar- und Windenergie in Baden-Württemberg weniger Ökostrom als im Vorjahr. Die Plattform Erneuerbare EE BW sieht Handlungsbedarf.

Der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg geht voran, nach Ansicht der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) allerdings nicht schnell genug. Vorläufigen Zahlen zufolge lag der Zuwachs im Jahr 2021 bei 25 neuen Windenergieanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 111 Megawatt – 15 Anlagen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Um die Ziele zu erreichen und den Stillstand der vergangenen Jahre auszugleichen, brauche es künftig einen dynamischen Zubau: In diesem Jahr mindestens 50 neue Windenergieanlagen. Bis 2025 müsse der Zubau auf 100 Anlagen pro Jahr steigen und auch danach müsse es weitere Zuwächse geben. Die Berechnung der Plattform EE BW geht von einem Leistungszubau von aktuell vier auf rund fünf Megawatt pro Windenergieanlage aus.

Keine Steigerung bei Photovoltaik-, Wasserkraft-, Biogas- und Holzenergie

Der Ausbau der Photovoltaik konnte in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr ebenfalls nicht mehr gesteigert werden: Bis Ende 2021 waren 595 Megawatt installierte Leistung hinzugebaut worden – rund 20 Megawatt weniger als im Vorjahreszeitraum. Durch Nachmeldungen könnten sich die vorläufigen Zahlen aber noch etwas steigern.

„Viel mehr als im Jahr 2020 wird es aber nicht werden“, schätzt Franz Pöter, Geschäftsführer der Plattform EE BW. Nötig seien künftig durchschnittlich fast 2.000 Megawatt pro Jahr bis 2030. „Bei Wasserkraftwerken, Biogas- und Holzenergieanlagen sowie der Geothermie gab es 2021 keinen nennenswerten Ausbau. Dabei sind gerade diese nicht-volatilen Erneuerbaren für die Versorgungssicherheit relevant und sollten ebenfalls zugebaut werden.“

2021 weniger Strom mit Sonne und Wind erzeugt

Photovoltaik- und Windenergieanlagen haben im Jahr 2021 im Versorgungsgebiet des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW 8,6 % weniger Strom erzeugt als im Vorjahr. Das Gebiet ist laut Mitteilung der Plattform EE BW fast identisch mit Baden-Württemberg, sodass die Zahlen auch eine verlässliche Aussage über den Anstieg der Solarstrom- und Windenergieerzeugung im Land geben. Der Rückgang liegt für die Plattform an den ungünstigen Wetterverhältnissen im vergangenen Jahr mit wenig Wind in den ersten Monaten.

Die neuen Zahlen zur Stromerzeugung stammen aus der Datenplattform Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. Im Gebiet der TransnetBW produzierten Photovoltaikanlagen im vergangenen Jahr 6,16 Terawattstunden (TWh). 2020 waren es noch 6,24 TWh. Windenergieanlagen kamen 2021 zusammen auf eine Erzeugung von 2,4 TWh (2020: 3,13 TWh).

Deutlicher Ausbaubedarf bis 2040

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg zeigt, wie viel Erneuerbare für eine komplett klimaneutrale Energieversorgung erforderlich sind: Die installierte Leistung zur Erzeugung von erneuerbarem Strom muss sich demnach bis 2040 auf mindestens 52 Gigawatt verfünffachen. Photovoltaik und die Windenergie sollen dann zusammen rund 70 % des bis dahin gestiegenen Bruttostromverbrauchs in Baden-Württemberg decken.

Um das zu erreichen, müsste die installierte Leistung der auf Dächern, Fassaden und im Freiland installierten Photovoltaik-Module bis 2040 mehr als verfünffacht werden, von heute knapp sieben auf rund 39 Gigawatt. Bei der Windenergie vergrößert sich die nötige installierte Leistung bis 2040 um den Faktor sieben von heute 1,6 Gigawatt auf dann 11,5 Gigawatt.

Verbesserte Rahmenbedingungen sollen Ausbau fördern

Um den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2040 sicherzustellen, sind laut der Plattform EE BW zahlreiche Nachbesserungen des regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmens notwendig. Die Plattform EE BW schlägt eine praxisgerechte Ausgestaltung von Ausschreibungen und des Genehmigungs- und Planungsrechtes vor. So müssten feste Fristen definiert und eingehalten, Vorgänge digitalisiert und Artenschutzvorgaben vereinfacht sowie rechtssicher gestaltet werden. Bei Abwägungen solle zudem dem Klimaschutz mehr Gewicht zukommen. Besonders wichtig ist nach Meinung der Plattform EE BW, auch ausreichend Flächen für den Ausbau der regenerativen Energien bereitzustellen. Allein für die Windenergie seien zwei Prozent der Südwestfläche nötig.


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