BDEW-Analyse

Beschaffungskosten für Strom und Gas um 300 % gestiegen

Aufgrund der extrem in die Höhe gegangenen Großhandelspreise sind die Verbraucherpreise für Strom und Gas in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Neue Zahlen hat der BDEW.

Die Beschaffungskosten, die die Energieversorger für Strom und Gas zahlen müssen, sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. So stiegen die Preise auf dem Terminmarkt für Strom, auf dem die Versorger langfristig Strom einkaufen, zwischen Januar und Dezember 2021 um mehr als 300 %. Am Terminmarkt für Gas haben sich die Preise in diesem Zeitraum sogar mehr als verfünffacht.

Strom

Beim Stromeinkauf müssen die Anbieter aktuell 72 % mehr auf den Tisch legen. Sie machen am Ende zwar nur 38 % des Endkundenpreises aus. Doch auch andere Kosten wie Netznutzung und Mehrwertsteuer sind gestiegen. Kunden zahlen seit Jahresbeginn im Schnitt 12,5 % mehr, nämlich 36,19 ct/kWh, meldet der Branchenverband BDEW. Kleine und mittlere Industriekunden müssen im Durchschnitt 26,64 ct/pro kWh bezahlen (Jahresmittel 2021: 21,38 ct/kWh).

Die BDEW-Strompreisanalyse finden Sie hier.

Gas

Auch der Gaspreis ist stark gestiegen: Im Schnitt zahlen Kunden für neue Verträge jetzt 73 bis 83 % mehr, heißt es in der gerade veröffentlichten BDEW-Gaspreisanalyse. Erschwerend kam 2021 hinzu, dass der Gasbedarf so hoch war wie zuletzt 2006. Dazu kamen die Lieferprobleme und die Verknappung.

Haushalte in Einfamilienhäusern (Jahresverbrauch von 20.000 kWh), die aktuell einen Gastarif abschließen, zahlen durchschnittlich 12,21 ct/kWh (Jahresmittel 2021: 7,06 ct/kWh). Für Haushalte in Mehrfamilienhäusern (Jahresverbrauch von 80.000 kWh bzw. 13.333 kWh/pro Wohnung) beträgt dieser durchschnittliche Gaspreis derzeit 11,84 ct/kWh (Jahresmittel 2021: 6,47 ct/kWh).

Die BDEW-Gaspreisanalyse finden Sie hier.

Kostenfaktor sind auch die CO2-Verschmutzungrechte. Im Jahresschnitt verteuerten sie sich von 25 auf 52 € je Tonne CO2.

Gründe

Steckdose

Dank langfristiger Beschaffungsstrategien, bei denen sie die benötigte Energie in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten einkaufen, können die meisten Versorger einen Teil des Preisanstiegs aber abfedern, sodass die steigenden Börsenpreise nicht in vollem Umfang auf die Verbraucherpreise durchschlagen. (Bildquelle: picture alliance/dpa | Demy Becker)

Für die deutlichen Preisanstiege im Großhandel gibt es verschiedene Gründe. Weltweit steigt aufgrund der konjunkturellen Erholung die Nachfrage nach Vorprodukten und Rohstoffen. Während es vor Corona ein zeitlich versetztes Wirtschaftswachstum in den unterschiedlichen Weltregionen gab, wurde dieses durch die konjunkturelle Erholung durch Corona synchronisiert. Dies führt in allen Weltregionen gleichzeitig zu einer erhöhten Nachfrage nach Rohstoffen und lässt die Preise international steigen.

Hinzu kamen weitere preistreibende Faktoren, wie zum Beispiel gestiegene Preise für CO2-Zertifikate sowie eine ungünstige Witterung. Aufgrund eines ungewöhnlich kalten ersten Halbjahres gab es im Jahr 2021 eine erhöhte Nachfrage nach Gas. Gleichzeitig war die Erneuerbaren-Einspeisung durch wenig Wind und Sonne insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2021 gering. Dadurch musste ein größerer Teil der Stromnachfrage durch konventionelle Energieträger gedeckt werden.

Zudem beeinflussen die hohen Preise im Gas-Großhandel in den letzten Monaten auch den Strompreis, da sich die Stromerzeugung in Gaskraftwerken deutlich verteuert. Das erhöht die Kosten für die Produktion von konventionellem Strom. Diese Effekte können derzeit durch die sinkenden Kosten der Erneuerbaren Energien nicht kompensiert werden.

Einige gewichtige Gründe spricht der BEDW allerdings nicht an: So gingen viele Gaslieferungen in asiatische Länder, die einfach mehr zahlten. Gleichzeitig drosselte Russland die Lieferungen; spekuliert wird über politische Gründe. Die deutschen Gaslager leerten sich rapide. Einige Länder hatten auch Förderprobleme, weil Unwetter die Infrastruktur beschädigt hatten.


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