Forschung

Fraunhofer ISE: Leistungselektronik für die Energiewende

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat sein Zentrum für Leistungselektronik und nachhaltige Netze eingeweiht; mit 110 kV- Hochspannungsanschluss und einer Leistung von 40 MVA

Im neuen Zentrum für Leistungselektronik und nachhaltige Netze des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg gibt es einen eigenen 110 kV-Hochspannungsanschluss und eine Leistung von 40 MVA. So wollen die Forscher den gestiegenen Anforderungen an die Leistungselektronik als Schlüsseltechnologie der Energiewende gerecht werden.

"Im Energiesystem der Zukunft, in dem statt weniger großer Kraftwerke viele Wind- und Solaranlagen mit fluktuierender Erzeugung ins Netz einspeisen, wird die Leistungselektronik auf allen Netzebenen zu einem dominierenden Baustein. Wir benötigen neuartige Komponenten und Funktionen, damit Wechselrichter die Stromnetze der Zukunft zuverlässig und sicher regeln und stabilisieren können", erklärt Prof. Hans-Martin Henning, Leiter des Fraunhofer ISE.

Zu den Herausforderungen gehört vor allem die Entwicklung neuartiger Komponenten und Systeme für die Leistungselektronik mit deutlich erweiterten Eigenschaften. Dafür werden in zunehmendem Maß Silicium-Karbid- und Gallium-Nitrid-basierte Leistungshalbleiter eingesetzt. Diese arbeiten mit hohen Taktfrequenzen und ermöglichen dadurch höhere Leistungsdichten.

Auch neue Netzdienstleistungen werden erforscht, insbesondere hinsichtlich der Stabilität von zukünftigen, wechselrichter-basierten Netzen. Nicht zuletzt stehen Prüfverfahren zur Netzdienlichkeit von Wechselrichtern im Vordergrund, wie beispielsweise zur Spannungs- und Frequenzhaltung. Weitere Eigenschaften wie z.B. die aktive Bekämpfung von Resonanzen in Kraftwerken und Stromnetzen oder die spannungsbildenden Eigenschaften von Wechselrichtern werden in naher Zukunft ebenfalls wachsende Bedeutung erlangen.

Eine Kleinstadt im Labor

Inbetriebnahme der Mittelspannungsschaltanlage im Untergeschoss des Zentrums. (Bildquelle: Fraunhofer ISE/Dirk Mahler)

Mit dem neuen Zentrum in Freiburgs Industriegebiet Nord erhöht das Fraunhofer ISE seine Labor- und Bürofläche um insgesamt 3000 qm. Drei Labors decken die verschiedenen Bereiche der Leistungselektronik ab: Im Power Converters Lab werden Systeme für den Niederspannungsbereich entwickelt wie z. B. für PV-Anlagen, Batterien, Elektromobilität und Luftfahrt.

Im Medium Voltage Lab wird Leistungselektronik für den Mittelspannungsbereich entwickelt und getestet. Ein speziell eingerichtetes Labor ermöglicht den Betrieb von Mittelspannungssystemen mit einer Leistung bis zu 20 MVA. Im Multi-Megawatt Lab können parallele Versuche durchgeführt werden. Die verschiedenen Prüffelder ermöglichen den Betrieb von bis zu 10 MVA und 1000 V, beispielsweise von Windkraft-Anlagen, großen Batteriespeichern oder BHKWs. Die insgesamt anliegende Leistung von 40 MVA entspricht der Anschlussleistung einer Kleinstadt von etwa 50.000 Einwohnern.

Das Zentrum verfügt dabei über einen eigenen Forschungsanschluss, der komplett vom Netz des umliegenden Industriegebiets getrennt ist. Ergänzt wird die FuE-Infrastruktur durch das noch im Aufbau befindliche Digital Grid Lab für Simulationen von Lastprofilen und Energiemanagementsystemen, das im Hauptgebäude des Fraunhofer ISE als Weiterentwicklung des heute dort beheimateten Smart Energy Lab entsteht. Im Digital Grid Lab wird das Fraunhofer ISE seine Kompetenzen im Bereich Netzsimulation und Echtzeitkommunikationsumgebungen erweitern und das Verhalten von Geräten oder Anlagen an Netzknotenpunkten ausführlich untersuchen können.

Im Multi-Megawatt-Labor werden Komponenten und Systeme bis 10 MVA getestet. (Bildquelle: Fraunhofer ISE/Dirk Mahler)

Wann liefert das DMK endlich?

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen