Innovative Ansätze für die Energiewende

1,5 Jahre nach dem Start des Projekts "Norddeutsche Energiewende" (NEW 4.0) sind die ersten Erfolge erkennbar.

Anderthalb Jahre nach Projektstart ist das Forschungsprojekt „Norddeutsche Energiewende“ (NEW 4.0) mitten in der Umsetzungsphase: Es gehen immer mehr Demonstrationsanlagen in Betrieb, mit denen in Norddeutschland innovative Ansätze für eine zukunftsfähige Energieversorgung erprobt werden sollen. So wurde erst kürzlich im schleswig-holsteinischen Jardelund Europas größter Batteriespeicher "EnSpireMe" eingeweiht. Das Hamburger Aluminiumwerk Trimet wird im Juli mit der Testphase für die Lastverschiebung bei der Aluminiumelektrolyse starten, um den industriellen Verbrauch besser an die Stromerzeugung anpassen zu können. Und schon seit November letzten Jahres erproben die Stadtwerke Flensburg, wie sie überschüssigen Windstrom für die Wärmeerzeugung nutzen können und so das teure Einspeisemanagement, mit dem die Stromnetze stabilisiert werden, vermeiden können.

Fokus auf Sektorkopplung

Für das Vorankommen der Energiewende sind solche Projekterfolge unerlässlich: „Die Dringlichkeit des Klimaschutzes erfordert einen klaren Fokus auf die Sektorenkopplung: Neben dem Stromsektor müssen auch der Wärmemarkt und der Mobilitätssektor weitgehend mit erneuerbarer Energie versorgt werden, denn sie haben einen großen Anteil an dem weltweiten CO2-Ausstoß“, erläutert Projektkoordinator Prof. Dr. Werner Beba am Mittwoch vor über 100 Teilnehmern im Rahmen des NEW 4.0-Konsortialtreffens im Kieler Landtag.

NEW 4.0 erprobt deshalb den Transformationspfad von Windstrom für alle Sektoren. Für Hamburg und Schleswig-Holstein ist das Projekt ein wichtiger Innovationstreiber und erhält deshalb viel Unterstützung von beiden Landesregierungen. Erst jüngst haben beide Bundesländer bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung die Wichtigkeit des Projekts bekräftigt.

Energiewende als Exportschlager

Mit NEW 4.0 und den beteiligten Partnern kann die „Energiewende made in Norddeutschland“ letztlich zu einem Exportschlager werden: Das Projekt, das im Rahmen des Förderprogramms „Schaufenster Intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (Sinteg) noch bis Ende 2020 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird, soll als großes Reallabor für Deutschland und Europa wichtige Ergebnisse bringen, die sich auf andere Regionen übertragen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist die von ARGE Netz und Schleswig-Holstein Netz entwickelte ENKO-Plattform, die einen norddeutschen Marktplatz für Flexibilitäten eröffnet: In Kürze wird hier der erste NEW 4.0-Demonstrator eingebunden, der bei Bedarf überschüssigen Windstrom abnehmen und so die Netze entlasten kann. Aus den gewonnenen Erfahrungen sollen schließlich Vorschläge an die Bundesregierung für die Gestaltung von bundesweiten Flexibilitätsmärkten abgeleitet werden.

Neben technologischen Innovationen und rechtlichen Rahmenbedingungen geht es in dem Verbundprojekt aber auch um gesellschaftliche Faktoren wie die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und die Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Energiewende. Dazu ist noch bis Projektende die NEW 4.0-Roadshow auf Tour, die die Bevölkerung dazu einlädt, das Energiesystem der Zukunft spielerisch über ein Augmented-Reality-Modell kennenzulernen. Es ist am 21. Juni von 10-18 Uhr im Kieler Landtag zu besichtigen und vom 22. Juni bis zum 31. Juli im Technischen Service-Center der Stadtwerke Norderstedt.

Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Gebken

Ich beglückwünsche alle Firmen für ihre Erfolge, ABER!!!!! Ich werde das Gefühl nicht los,

dass hier dem Bürger auch die klitzekleinsten Fortschritte als Scheinriesen verkauft werden sollen (die DDR lässt schön grüßen), obwohl sich in Wirklichkeit überhaupt nichts mehr bewegt. Grund: Es haben nur Unternehmen überlebt, die sich frühzeitig darauf eingestellt haben, nur dann aktiv zu werden, wenn auch stattliche Gelder fließen. Alle marktwirtschaftlichen, risikoorientierten Unternehmen ohne die es keinen Fortschritt gibt, sind längst von der überbordenden Bürokratie weggebügelt worden.

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