Windenergie

Ist auch die Windkraft Schuld am Insektensterben?

Nach einer neuen Studie sollen täglich Milliarden Fluginsekten von Windkraftrototen getötet werden. Experten sehen in der Erhebung methodische Schwächen.

Windkraftanlagen könnten für einen Teil des Insektensterbens verantwortlich sein, berichtete kürzlich die Welt am Sonntag mit Bezug auf eine Modellanalyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Diese beziffert die Zahl der durch Windräder in Deutschland getöteten Fluginsekten während der warmen Jahreszeit auf 5,3 Milliarden pro Tag. Pro Jahr entstünden Verluste von mindestens 1200 t. „Es handelt sich um eine Größenordnung, die durchaus relevant für die Stabilität der gesamten Population sein könnte“, heißt es in einem Beitrag des Studienautors Franz Trieb, Experte für Energiesystemanalyse am DLR-Institut für Technische Thermodynamik. Allerdings seien weitere Untersuchungen notwendig, da es über den Konflikt zwischen Insektenmigration und Windenergie bislang nur wenige empirische Studien gebe.

Kritik an der Studie

Insektenforscher äußerten sich in einer ersten Reaktion kritisch zu den DLR-Berechnungen. Die Welt am Sonntag zitiert den Entomologen Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart: „Gerade die durch Rote Listen erfassten, und dramatisch zurückgegangenen Gruppen, wie Laufkäfer, Heuschrecken, Libellen, Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen kommen meist in derartigen Höhen kaum vor.“

Auch der Bundesverband Windenergie (BWE) sieht methodische Schwächen in der Veröffentlichung. „In Deutschland besteht nur unzureichendes Wissen über den tatsächlichen Bestand der Insektenpopulation. Die DLR-Veröffentlichung nimmt lediglich modellhafte Kalkulationen vor und trifft grobe Schätzungen der Biomasse fliegender Insekten“, kommentierte BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm. Weder seien das tatsächliche Artenaufkommen noch die geographische Verteilung berücksichtigt. Die veröffentlichten Feststellungen beruhten damit in ganz wesentlichen Teilen auf Hochrechnungen, denen keine empirisch gesicherte Basis zugrunde liege.

Einseitige Betrachtung der Windenergie

Auch Angaben zum Verhältnis der unterschiedlichen Einflussfaktoren des Populationsrückgangs fehlten in der Veröffentlichung. „Sie zielt einseitig auf die Windenergie ab und vernachlässigt den Einfluss der tatsächlich für den Rückgang der Insektenbestände ursächlichen Faktoren. Dies bedingt, dass sich die Aussagen der Veröffentlichung nicht für die wissenschaftliche Debatte eignen“, sagte der Geschäftsführer. „Windenergie erzeugt Strom, ohne CO₂ und andere Emissionen auszustoßen, welche wissenschaftlich als essentielle Gefährdung für die Insektenpopulationen anerkannt sind. Deutschlandweit wurden durch die Windenergie alleine im Jahr 2018 CO₂-Emissionen in Höhe von 172 Mio. t eingespart“, machte Axthelm deutlich. Windenergieanlagen seien im Zusammenhang der Artenentwicklung von Insekten also als Problemlöser zu verstehen, nicht als Problemursache.“

Seit den frühen 1980er Jahren werde auf das Phänomen des Insektensterbens hingewiesen – und damit lange bevor Windenergieanlagen in Deutschland in größerem Umfang zum Einsatz kamen. Das stellt auch die vorliegende DLR-Veröffentlichung fest. Zudem erfolgt der Rückgang der Insektenpopulationen weltweit, also auch in Ländern, die keine Windenergie nutzen, argumentiert der Verband.

Die Redaktion empfiehlt

Der Bundesverband Windenergie hat ein Infopapier zur Windenergienutzung in intensiv genutzten Forstbeständen veröffentlicht. Darin gibt der Verband Hinweise, was bei der Planung zu beachten ist.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Josef Doll

Wie war die Einleitung des DLF

Moderator. 1970 musste man wenn man nach München fuhr musste die Frontscheibe zweimal von Insekten reinigen. Wieviel Mrd gehen jedes Jahr beim Flug um die Laternen jedes Jahr zugrunde? Jetzt sind es gar die erst seit 20 Jahre laufende Windkrafträder. Halt die Landwirtschaft muss ja auch noch Schuld sein. Und für mich sind es die Asiatischen Marienkäfer. Ich hoffe auf m.....

von Barnd Gellhaar

Windkraft

Vogelsterben? Insektenschwund? Infraschall? An allem ist die Windkraft schuld! Die Windkraft ist an allem schuld! Wieso, warum ist sie dran schuld? Kind, das verstehste nicht, sie ist dran schuld!

von Andreas Gerner

Studie ganz ohne Fakten

Insekten fliegen selten in so großen Höhen. Was wollen sie dort auch? Kostet Kraft und zu futtern gibt´s da nix. Zudem fliegen Insekten hauptsächlich bei Windstille oder sehr wenig Wind. Da sind Windräder harmlos. Wie die DLR zu so einer Rechnung und Einschätzung kommt, ist zu hinterfragen. Haben die auch den Straßenverkehr(eine Menge Insekten sitzen in den Abendstunden auf der warmen Fahrbahndecke oder schweben in der warmen Luft darüber), Lichtverschmutzung (Viele Insekten orientieren sich an der nachts hellsten Lichtquelle, die eigentlich der Mond sein sollte. Stattdessen kreisen sie um Laternen, statt sich fortzupflanzen oder sich zur Eiablage einzufinden.), Flächenversiegelung, Klimawandel und andere echte Insektenkiller bewertet?

von Dr. Willi Kremer-Schillings

Auch die Krefelder Studie...

...hat nur die Biomasse von Fluginsekten bestimmt. Von daher ist die Kritik von Herrn Axthelm berechtigt. Und "modellhafte Kalkulationen" haben ja schon beim Thema Feinstaub zu falschen Schlüssen geführt. Deshalb: glaube keiner Statistik...(den Rest kennen Sie)

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