Ausnahmegenehmigung

Brandenburg will Jagd mit Pfeil und Bogen auf Wildschweine erlauben

Um der massiven Vermehrung des Schwarzwildes Einhalt zu gebieten, will Brandenburg in Siedlungen und eingefriedeten Grundstücken in Kleinmachnow und Stahnsdorf die Jagd mit Pfeil und Bogen erlauben. Die Technik sei heute viel weiter als früher.

Die oberste Jagdbehörde des Landes Brandenburg hat Berichte bestätigt, eine Ausnahmegenehmigung vom Jagdverbot mit Pfeil und Bogen zur Reduzierung der Schwarzwildbestände in Stahnsdorf und Kleinmachnow erteilen zu wollen.

Laut Agrarministerium ist diese Ausnahmegenehmigung nach dem Landesjagdgesetz möglich. Nachdem der zuständige Jagdpächter (Jagdausübungsberechtigter) einen Antrag bei der obersten Jagdbehörde im Agrarministerium gestellt hat, soll diese Genehmigung mit entsprechenden Auflagen erteilt werden.

Das in der Bundesrepublik bisher einmalige Vorgehen soll wissenschaftlich begleitet werden, um die tierschutzgerechte Anwendung von Pfeil und Bogen nachzuvollziehen und die Gefährdungswirkung durch die Pfeile sowie die Akzeptanz bei der Bevölkerung genauer beurteilen zu können.

Vor allem ist der Erfolg dieser Jagdmethode zu bewerten: Ist es tatsächlich erforderlich mit Pfeil und Bogen zu jagen oder reichen herkömmliche Methoden mit der Schusswaffe und mit Saufängen aus?

Modell mit wissenschaftlicher Begleitung

Um all dies beurteilen zu können, wird die Wildökologische Forschungsstelle des Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde diese wissenschaftliche Begleitung für das Projekt ausschreiben. Erst wenn das Vergabeverfahren abgeschlossen ist, wird der Bescheid erteilt. Weiterhin erfolgt eine Abstimmung mit den für Tierschutz zuständigen Stellen im Land. Dieser Bescheid wird zeitlich befristet sein. Er wird auch den jagenden Personenkreis einschränken, der besondere Qualifizierungen für diese Jagdmethode nachweisen muss.

Erfahrungen aus anderen Ländern

Die Jagd mit Pfeil und Bogen hat die Menschheitsgeschichte über Jahrtausende begleitet, erklärt das Potsdamer Agrarministerium weiter. Moderne Jagdpfeile- und -bögen ermöglichten es inzwischen, selbst stärkstes Wild tierschutzgerecht zu töten. Dies würden die Erfahrungen vieler Länder in Europa und weltweit zeigen, in denen die Bogenjagd bis heute erlaubt ist. Der Jäger müsse allerdings nahe an das Wild heran, da Schussdistanzen bis maximal 25 Meter zur sicheren Erlegung erforderlich sind.

Als vor vielen Jahren in das Bundesjagdgesetz das Verbot, mit Pfeil und Bogen zu jagen aufgenommen wurde, sei die Bogenjagdtechnik nicht auf dem heutigen Stand und ein Verbot nachvollziehbar gewesen, heißt es.

Die Jagd mit Pfeil und Bogen bleibe auch weiterhin nur eine von mehreren Maßnahmen, um die Schäden durch Wildschweinbestände in Kleinmachnow und Stahnsdorf zu verringern. Sie ist auch nicht der erste Lösungsansatz, so das Ministerium. Weitere Ansätze seien ein absolutes Fütterungsverbot, verbunden mit der konsequenten Ahndung von Verstößen dagegen, die Aufforderung, alle Grundstücke schwarzwildsicher einzuzäunen, Saufänge aufzustellen und verstärkt mit dem Gewehr zu jagen.

Nur wenn dies nicht möglich ist, insbesondere in den befriedeten Bezirken wie Wohngebiete, biete Pfeil und Bogen eine Möglichkeit weitere Wildschweine zu erlegen, ohne die dort wohnenden Menschen zu gefährden beziehungsweise zu stören.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Paul Siewecke

Mit Bogen keine Gefahr????

Mal was zum Nachdenken: bei Olympia und Weltmeisterschaften schießen die Herren bis zu 90 Meter weit (und treffen!), der Weltrekord im Weitschuss liegt bei über 1,2 Kilometern! Die Durchschlagskraft eines 65lbs Bogens (etwa 32 kilo Zugkraft) ist zwar nicht so hoch wie bei einer Langwaffe, übertrifft aber deutlich die gängingen Polizeipistolen... Dazu kommen dann die entsprechenden Spitzen an den (Jagd)Pfeilen... Also alles völlig ungefährlich!

von Gerhard Steffek

Konträre Welt!

Es ist doch eigentlich schon erstaunlich, wie gegensätzlich, um nicht zu sagen schizophren, so mancher unserer Zeitgenossen ist. Das offenbart sich ja jetzt hier auch wieder. Die Wildschweine sollen mit allen Mitteln abgeschossen werden, aber redet man in der gleichen Sache damit über den Wolf, dann ist der Aufschrei groß. Das, u.U. von den gleichen Leuten. Noch Konträrer wird es, prallen Stadt- und Landbewohner aufeinander. Kommen hier letztendlich dann auch noch Erfahrung und Ideologie hinzu. Angefeuert von den Grünen und deren NGO's muß man ja mittlerweile schon Angst bekommen, daß das nicht in Mord und Totschlag ausartet. Genügend Anschläge und Morddrohungen haben wir ja hier schon gegenüber Jägern und Landwirten. Hier wäre eigentlich die Politik gefragt. Aber wer selber schon mal keinen Arsch in der Hose hat und nur populistischen Strömungen und somit dem "Mainstream" nachläuft, kann keine konkreten Entscheidungen hervorbringen. Er wird damit aber seinem Auftrag nicht gerecht. Außerdem sollte er auch bedenken: Wer immer nur der Herde nachläuft, läuft nur den Ärschen nach.

von Gerhard Steffek

Bin ja mal gespannt -

was dabei rauskommt. Wenn man bedenkt, daß in Afrika mit Pfeil und Bogen auch auf die "big Five" gemacht wird, dann ist die Argumentation bei uns mal wieder nur lächerlich. Das Verbot der Bogenjagd auf Schalenwild war ja in erster Linie nur der Wilderei geschuldet. Einen Pfeil hört man nicht! Warum wurde denn die Bogenjagd nicht generell verboten? Niederwild etc. wären ja möglich gewesen, nur lohnte sich hier der Aufwand nicht. Schließlich ist ja die Bogenjagd schon lange verboten, lange bevor es die modernen Compoundbögen gab. Im Gegensatz zu den "normalen" Recurvebögen, die selbst unter Turnierbedingungen nur bis 75 Meter Entfernung geschossen werden, trifft man mit einem Compoundbogen noch auf 100 Meter ein Ziel in der Größe einer CD. In Verbindung mit den heutigen rasiermesserscharfen Spitzen mit drei bis vier Blätter und ca. 3 cm im Durchmesser ist hier schon anzunehmen das so eine Sau bei einem sauberen Schuß nicht lange leiden muß. Schließlich gibt es mittlerweile schon genügend Erfahrung dafür. In Frankreich oder Spanien ist das ja auch schon lange genug Praxis. Rund um Madrid sind seit 2017 ca. 55 Jäger mit dem Bogen unterwegs um der Wildschweinplage her zu werden. Zwar werden auch da die "Tierschützer" wieder laut, aber wenn ein Wolf eine ganze Schafherde reißt und dort etliche Tiere "nur" schwer verletzt, dann maulen sie ja auch nicht. Würde ein Schwein von Wölfen schwer verletzt, würden sie wahrscheinlich auch nur sagen: "Das ist Natur". Ich weiß nicht, ob das Schwein da so einen Unterschied machen würde, wird es vom Wolf angefallen, oder von einem Pfeil getroffen. Verletzt ist verletzt, da beißt die Maus keinen Faden ab. Nur das der Wolf das Tier nicht unbedingt verfolgt, findet er ein leichteres Opfer. Der Jäger geht diesem gezielt nach. Da sollten die Herrschaften vom Tierschutz schon mal die Kirche im Dorf lassen. Aber Polemik und Populismus ist ja nun mal ihr Geschäft.

von Bernd Croonenbroek

Schweine mit Pfeil im Rücken

Dann werden bald die Schweine mit Pfeilen in Rücken und Schinken herumlaufen, weil kein zweiter Schuss angesetzt werden konnte !!!! Und dann ist berechtigter weise das Geschrei der Tierschützer groß.

von Jürgen U. Elke Dippel GbR

Das ist echt Super,aber es wäre noch geiler wenn der Schütze sich wie Rambo verkleiden würde,aber auch bitte darauf achten das die Oberarme gut trainiert sind und unbedingt an das große Rambo Messer denken

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