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Chronische Auszehrungskrankheit bedroht heimisches Schalenwild

Die Chronische Auszehrungskrankheit trat in Europa 2016 erstmals in skandinavischen Rentierbeständen auf. Seither gibt es immer wieder Nachweise dieser unheilbaren Erkrankung bei Wildwiederkäuern.

Die Chronische Auszehrungskrankheit (CWD) ist eine Transmissible Spongiforme Enzephalopathie, kurz TSE. Sie ist vergleichbar mit Scrapie in kleinen Wiederkäuern und BSE im Rind, warnt der Deutsche Jagdverband (DJV).

Auslöser der Erkrankung ist jeweils ein fehlgebildetes Eiweiß. Das infektiöse Prion-Protein befällt bei CWD verschiedene Hirscharten. Der Verlauf ist immer tödlich. Forscher des Friedrich-Loeffler-Institutes (FLI) versuchen nun herauszufinden, wie empfänglich heimisches Rot-, Reh- und Sikawild für CWD sind. Der DJV sprach darüber mit Dr. Christine Fast, die das Projekt leitet.

DJV: Sind alle heimischen Schalenwildarten für CWD empfänglich?

Dr. Fast: In Skandinavien sind derzeit Rentiere, Elche und Rothirsche betroffen. Damhirsche haben anscheinend eine natürliche Resistenz. Obwohl CWD in Nordamerika inzwischen weit verbreitet ist, gibt es keine Nachweise bei dieser Tierart.

Wie verläuft die Erkrankung?

Dr. Fast: CWD ist eine fortschreitende, stets tödliche Krankheit, die jedoch eine sehr lange Inkubationszeit haben kann, die ein bis drei Jahre andauern kann. In dieser Zeit scheiden die Tiere das infektiöse Prion-Protein bereits aus, sind aber noch symptomfrei.

Welche äußerlich erkennbaren Veränderungen am Wildtier lassen eine Erkrankung mit CWD erkennen?

Dr. Fast: Die Erkrankung führt im klinischen Stadium zu Verhaltensänderungen, typisch ist zum Beispiel das Absondern von der Herde, häufig sind sie auch apathisch und verlieren ihre Scheu vor den Menschen. Unkoordinierte Bewegungsabläufe, ein vermehrter Speichelfluss und vermehrter Durst werden ebenfalls beobachtet. Innerhalb von vier Monaten kann es schließlich zu einem massiven Gewichtsverlust bis hin zur völligen Auszehrung kommen

Wie verbreitet sich CWD und wie könnte die Krankheit nach Deutschland kommen?

Dr. Fast: Die betroffenen Tiere scheiden den Erreger über eine Vielzahl von Wegen aus, etwa über Urin oder Speichel. Hinzu kommt, dass das infektiöse Prion-Protein eine sehr hohe Resistenz aufweist und in der Umwelt über Jahre hinaus infektiös bleibt. Andere Tiere der Herde infizieren sich so über kontaminierte Futterstellen, aber auch über den direkten Kontakt mit infizierten beziehungsweise erkrankten Tieren. Daneben kommt natürlich auch der Migration der Tiere eine große Rolle zu. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist der Mensch, der insbesondere bei der Verschleppung des Erregers über größere Distanzen hinweg eine Rolle spielt.

Welche Umweltbedingungen begünstigen die Ausbreitung der CWD?

Dr. Fast: Das infektiöse Prion-Protein ist sehr widerstandsfähig gegen alle Arten von Umwelteinflüssen. Eine große Herausforderung bei der Bekämpfung stellt jedoch die lange Inkubationszeit dar, während der die Tiere den Erreger bereits effektiv verbreiten, obwohl sie noch symptomfrei und damit äußerlich nicht als infiziert zu identifizieren sind. Eine genetisch empfängliche Population hat dem wenig entgegenzusetzen.

Kann man von einer genetischen Anfälligkeit sprechen?

Dr. Fast: Tiere, die vom Genotyp her empfänglich sind, müssen die Erkrankung nicht zwangsläufig bekommen. Sind sie aber dem infektiösen Prion-Protein ausgesetzt, besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie erkranken. Wir kennen auf der anderen Seite aber auch sporadische nicht-infektiöse TSE-Erkrankungen, zum Beispiel Atypische Scrapie, die bei bestimmten Genotypen älterer Schafe auftreten können.


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