Gastbeitrag

Ist die Jagd systemrelevant?

Die meisten Jäger jagen in ihrer Freizeit, manche bezeichnen sie daher eher verächtlich als Hobby-Jäger. Was ist dran an der Aussage, dass das Waidwerk für die meisten Jäger nur Hobby ist?

Nicole Heitzig, Präsidentin des Landesjagdverbandes NRW, macht sich Gedanken zur Systemrelevanz der Jagd. Der Beitrag ist zuerst erschienen im Rheinisch-Westfälischen Jäger 6/2021.

Jagd ist für die meisten Jäger Leidenschaft, sie investieren dafür viel Zeit und Geld. Ohne ihre Leidenschaft und den hohen persönlichen und finanziellen Aufwand wären die Aufgaben der Jagd wohl unbezahlbar. Die Jagd ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.

In Zeiten wie diesen, in denen eine Pandemie unser Leben seit über einem Jahr stark einschränkt, fällt immer wieder der Begriff systemrelevant. Laut Definition werden damit Unternehmen oder Berufe bezeichnet, die „eine derart bedeutende volkswirtschaftliche oder infrastrukturelle Rolle spielen, dass ihre Dienstleistung besonders geschützt werden muss“.

Wie steht es da also um die Jagd – ist sie eine Dienstleistung, hat sie eine bedeutende volkswirtschaftliche oder infrastrukturelle Bedeutung, oder wäre es denkbar, damit einfach mal auszusetzen?

Keine Zweifel möglich

Jagd hat nach den berühmten ersten Sätzen des Bundesjagdgesetzes den Auftrag, einen den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten gesunden und artenreichen Wildbestand sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen zu erhalten – und zwar unter Vermeidung von Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung. Besonders Wildschäden sind möglichst zu vermeiden.

Um diesem umfassenden Auftrag nachzukommen, bedarf es schon einer durchdachten Planung. Die liegt zwar im persönlichen Ermessen der jeweiligen Jagdausübungsberechtigten, aber stets in enger Abstimmung mit den Eigentümern der Flächen und im Rahmen ggf. bestehender gesetzlicher und behördlicher Vorgaben. Auf wildschadenanfälligen land- und forstwirtschaftlichen Flächen spielen langfristige Bewirtschaftungs- und Bejagungskonzepte eine große Rolle.

So hätte etwa eine Aussetzung der Bejagung von wiederkäuendem Schalenwild in unseren von Stürmen, Käfern und Trockenheit stark gebeutelten Wäldern fatale Folgen: Der Verbiss würde zunehmen, ohne eine schwerpunktmäßige Bejagung der Kahlflächen würde eine standortgerechte Wiederbewaldung sehr lange dauern oder unmöglich gemacht werden. Das Ziel der Wiederaufforstung – ein (an Pflanzen und Tieren !) artenreicher und möglichst klimaresistenter Mischwald – wäre gefährdet.

Auch auf landwirtschaftlichen Flächen nehmen Schäden durch Sauen in manchen Regionen stetig zu. Um Schwarzwild effektiv zu bejagen, bedarf es umfassender Konzepte – mit Einzeljagd (häufig zur Nachtzeit) an gefährdeten Flächen und Kirrungen und Bewegungsjagden mit Hundeeinsatz....