Bauernbund ärgert sich über Betriebsverkäufe von LBV-Mitgliedern an Investoren

In Ostdeutschland engagieren sich viele Betriebsleiter oder Geschäftsführer großer Agrarbetriebe ehrenamtlich in den jeweiligen Landesbauernverbänden. Wenn sie nun Flächen oder Betriebe an Investoren verkaufen, hat dies für Kritiker ein gewisses „Geschmäckle“. Insbesondere ärgert dies den Deutschen Bauernbund.

In Ostdeutschland engagieren sich viele Betriebsleiter oder Geschäftsführer großer Agrarbetriebe ehrenamtlich in den jeweiligen Landesbauernverbänden. Wenn sie nun Flächen oder Betriebe an Investoren verkaufen, hat dies für Kritiker ein gewisses „Geschmäckle“.

Insbesondere ärgert dies den Deutschen Bauernbund, der als Alternativverband kleine Bauern im Osten vertritt. Er wittert offenbar eine Verschwörung. Wie die Tageszeitung taz aus Berlin auf Nachfrage bei der Interessenvertretung berichtet, würden hohe Funktionäre des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt von den Verkäufen an finanzkräftige überregionale oder sehr große Investoren profitieren. Der Bauernbund stelle dabei die gewagte These auf, das dies auch erkläre, warum der Bauernverband Gesetze ablehnt, die solche Transaktionen erschweren und kleine Bauern bevorzugen würden.
 
Als Beispiel nennt die taz die Firma Agro Bördegrün in Sachsen-Anhalt, die gerade von Ronald Westphal, Vorstandsmitglied des Bauernverbands im Landkreis Börde, an dessen Vorsitzenden, Urban Jülich, und den international agierenden Energieunternehmer Karl Gerhold aus Hannover verkauft wird (wir berichteten). Der Betrieb bewirtschafte mehr als 3.800 ha Ackerland. Daneben gebe es weitere Fälle, bei denen ehemalige Präsidiumsmitglieder der Landesbauernverbände in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ihre Betriebe an eine Industriellenfamilie oder an den Mit-Eigentümer eines internationalen Möbelkonzerns verkauft hätten.
 
Kurt-Henning Klamroth, Präsident des Deutschen Bauernbunds, vermutet, dass die Geschäftsführer der LPG-Nachfolgebetriebe langsam alle in Rente gehen und eine Abfindung und einen Preis für ihren Gesellschaftsanteil fordern, den kein normaler Bauer bezahlen kann. „Deshalb haben die überhaupt nichts dagegen, wenn da außerlandwirtschaftliches Kapital mitbietet“, so Klamroth gegenüber der taz.
 
DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken stellte indes klar, dass der DBV nicht die Interessen der branchenfremden Investoren vertreten. Allerdings gebe es auch Beispiele, „wo sich Investoren mit ihren erworbenen Betrieben in der Region integriert haben.“ Mit dem Bodenrecht könne man da nicht so leicht differenzieren.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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