Demeter

Bauernfamilien und Greenpeace verklagen Bundesregierung wegen Klimapolitik

Drei Bauernfamilien verklagen gemeinsam mit Greenpeace die Bundesregierung wegen deren Klimapolitik. Die Bundesregierung werde die Klimaziele 2020 auch nach eigener Einschätzung verfehlen.

Landwirt Heiner Lütke Schwienhorst vom Demeter-Betrieb Gut Ogrosen in Brandenburg verklagt gemeinsam mit anderen Bio-Bauernfamilien und Greenpeace die Bundesregierung wegen Untätigkeit beim Klimawandel.

Die Regierung werde die Klimaziele 2020 auch nach eigener Einschätzung verfehlen, obwohl die Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 40 % rechtsverbindlich beschlossen wurde. Aufforstung könne nicht die alleinige Lösung sein, zitiert Demeter die Kläger.

Laut Lütke Schwienhorst habe es die Politik bis heute versäumt, entschiedene Schritte zur Einsparung des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 einzuleiten. Diese seien notwendig, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen – und um somit die schlimmsten Folgen aufzuhalten.

Wie die beiden anderen Kläger-Familien auf der Insel Pellworm und im Alten Land bei Hamburg ist Familie Lütke Schwienhorst direkt betroffen von den Folgen der Erderwärmung, berichtet Demeter weiter. Sie hätten die Folgen des Dürre-Sommers 2018 in Brandenburg zu spüren bekommen und konnten rund ein Drittel weniger Heu und Getreide als sonst üblich ernten. „Der Klimawandel gefährdet die Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit weltweit. Der Klimawandel macht vormals fruchtbares Land zu Risikostandorten, weite Landstriche werden landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar sein “, sagte der Demeter-Landwirt.

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 ist der Trend eindeutig: Die Jahresmitteltemperatur in der Region Brandenburg steigt an und extreme Wetterlagen wie Dürreperioden häufen sich. Lütke-Schwienhorst fordert: „Die Bundesregierung muss die Sommerpause nutzen und im September ein effektives Maßnahmenpaket vorlegen – im Klimaschutzgesetz müssen wirksame Maßnahmen verankert werden, um das CO2-Reduktionsziel von 40 % bis 2020 umzusetzen.“

Wald spielt dabei seiner Meinung nach eine wichtige Rolle, aber Bäume zu pflanzen allein reiche nicht. Mobilität und verschiedene Wirtschaftszweige müssten auf den Prüfstand. Und letztlich müsse auch die Landwirtschaft ihren Teil beitragen, beispielsweise durch vermehrte CO2-Bindung im Boden und eine Reduktion der Tierhaltung auf ein umweltverträgliches Maß.

Inhalt der Klage

Aus dem Papier: "Die Bundesregierung verstößt gegen Grundrechte, wenn sie nicht weitere Maßnahmen ergreift, um das deutsche Klimaziel für das Jahr 2020 noch zu erreichen. Denn das Klimaziel ist keine rein politische Zielsetzung, sondern justiziabel und bindend. Das ist die Basis der Klage, die Greenpeace gemeinsam mit den drei Familien mit Bio-Bauernhöfen beim Berliner Verwaltungsgericht einreicht. Auf der Webseite von Greenpeace heißt es: „Regierungen auf der ganzen Welt haben es (…) bis heute versäumt, der Erderhitzung entschlossen entgegenzutreten und ihre Bürger*innen vor den Folgen zu schützen. Dazu gehört auch die deutsche Bundesregierung. Bis 2020 wollte Deutschland einen beträchtlichen Teil seines Ausstoßes des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 einsparen: 40 Prozent, im Vergleich zum Jahr 1990. Dieses verbindliche Ziel wird von der Bundesregierung bei Weitem verfehlt. Es scheitert nicht an der technischen Machbarkeit, sondern einzig am politischen Willen. Dafür kann man sie verantwortlich machen. Deswegen klagen wir.“

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Matthias Zahn

@Tobias Rausch

Sie haben Recht, viel CO2 entsteht nicht in Deutschland sondern anderswo auf der Welt. Aber wieviele Produkte werden dann aus diesen Ländern nach Deutschland exportiert? Kann es sein, dass wir Deutschen vielleicht unsere CO2 Emmissionen ausgelagert haben? Letztendlich muss eine Bewertung auf Basis des Konsums der Deutschen Gesellschaft erstellt werden. Dann haben wir eine ehrliche Rechnung. Wenn ich etwas verbrauche, dass aus China importiert wurde, bin ich trotzdem für den CO2 Ausstoß verantwortlich auch wenn dieser auf dem Papier nicht in Deutschland erfolgt ist.

von Matthias Zahn

Zu vielen vorherigen Kommentaren: Hab ich was verpasst?

Es geht den Klagenden doch um die Verringerung des CO2 Ausstoßes! Nicht um eine Bio-Konvi Debatte. Und ich für meinen Teil, halte diese CO2 Debatte für äußerst sinnvoll. Da wir gerade mit dem 2. Dürrejahr in Folge zu kämpfen haben würde ich schon sagen, dass die Landwirtschaft im allgemeinen (egal ob Bio oder Konvi) existenziell von dieser Entwicklung betroffen ist. Wir MÜSSEN als Landwirte die Debatte um CO2 und Klimaerwärmung mitgestalten. Dabei sind Bio-Konvi Diskussionen fehl am Platz! Das gilt für beide Seiten!

von Bernd Schmitz

nützliche Idioten,

werter Reiner Mattes, sind die Mitläufer der Agrarindustrie, welche Recourcen für eine Überproduktion verbrauchen und dann klagen, dass ihre Rohstoffe zu billig gehabt der werden

von Hans-Gottfr. Gresshöner

Inhalt der Klage

Die Bundesregierung müsste ja dazu verklagt werden,das Fliegen,den Schiffsverkehr,den Autoverkehr,das individuelle Heizen von Gebäuden einzuschränken d.h. der Bundesbürger müsste ziemliche Einschränkungen in seiner persönlichen Freiheit hinnehmen. Wer aber ganzjährig fleissig das Bruttosozialprodukt steigert,braucht dafür Belohnung und nicht Verbote. Ich glaube auch nicht,dass meine Mitmenschen nach Feierabend freiwillig als Ausgleich "beim Bauern" helfen würden.

von Reiner Matthes

zu DDR Zeiten bezeichnete das System solche Leute

als "nützliche Idioten". Bezogen auf die Tonne Lebensmittel verbraucht Bio heute schon zu viele Ressourcen. Wie Boden, Diesel, etc.. (Wieviele Wälder sollen denn noch abgeholzt werden?) Und bedauerlicherweise müssen sich Leute wie Demeter auch noch profilieren. Deren Kunden werden nämlich ihre Produkte nicht los. Grund: Alle Händler wollen "EU-Bio". Demeter & Co sind einfach zu teuer und nehmen ihren Mitgliedern neben Zeit auch viel Geld ab !

von Martin Krautter

@ Geveke

Genau lesen! Es steht sehr wohl im Bericht etwas von der Landwirtschaft. Zum einen über Anpassung der Tierhaltung, dieses hat die Landwirtschaft schon gemacht. Zum andern was die Landwirtschaft leisten kann und hierbei ist die konventionelle Landwirtschaft gegenüber Bio ganz klar überlegen. Bitte richtig lesen.

von Jens Geveke

@Krautter

es geht in der Klage doch gar nicht um die Klima-Frage Bio- oder konventionelle Landwirtschaft. Es geht darum, dass die Regierung(en) zu wenig machen, um ernsthaft den Ausstoss fossilem CO2 ingesamt zu verringern, so wie es im Pariser Klimaabkommen vereinbart wurde.

von Martin Krautter

Biolandwirtschaft?

Die Biolandwirtschaft ist nicht die Lösung sondern das Problem. Man braucht beim Biolandbau wegen des geringen Ertrags und aufwendige Produktionserfahrung zu viel Energie und somit mehr CO2. Zudem braucht die Landwirtschaft gute nachhaltige Erträge und gesund wachsende Pflanzen, welche viel CO 2 aufnehmen können und das ist beim Biolandbau weniger möglich. Dadurch das im Biolandbau gerade mal der halbe Ertrag von der normalen Landwirtschaft erzielt, müssen jetzt schon Nahrungsmittel von 5,4 Mio. ha netto nach Deutschland importiert werden, was auch wieder viel CO2 verursacht. Zum teil ist bei Luftfrachten der Transport CO2 aufwendiger als die Produktion. Des weiteren hat sich die Tierhaltung in der Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren halbiert, aber die Zulassung an Pkws verdoppelt. Und die Fluggastzahlen haben sich gar in 10 Jahren verdoppelt. Wer sind denn nun die großen Klimasünder?

von Wilhelm Grimm

Greenpeace benutzt die Bio-Bauern als Feigenblatt.

Und die merken es nicht einmal und lasen sich instrumentalisieren.

von Christian Bothe

Klage?

Was für eine makabre Geschichte. Greenpeace im Verbund mit Biobauern. Brandenburg will die Welt retten,toll !Ob die Damen und Herren schon mal daran gedacht haben, wer der Hauptverursacher von Klimagasen oder überhaupt des Klimawandels ist? Die Klage, wenn auch nur symbolisch gemeint,ist eine Lachnummer und wird niemals Erfolg haben...Gibt es in BB keinen Verband mehr, der Belange der Biobauern vertritt und diese aufklären kann? Greenpeace ist sicher nicht der richtige Ansprechpartner,um Belange unserer Bauern durchzusetzen. Sie sollten sich mal mit dem DBV in Verbindung setzen...

von Jens Geveke

@Muenzebrock

Der Sinn des CO2-Zertifikatehandels ist es, die Zertifikate nach und nach zu beschränken und einzuziehen. Leider hat die Politik den Markt weltweit mit Zertifikaten geflutet damit auch ja jeder Industriezweig genug hat. Aber schon jetzt ziehen die Preise langsam an, weil man beginnt, die Zertifikate zu kürzen. Daher werden die Mengen von hier nicht später woanders produziert.

von Stefan Lehr

Loesung?

Jemanden zu verklagen ist eine einfache Sache, aber wo bitte bleiben die konkreten Loesungsansaetze wie die Klimaziele zu realisieren sind? Wenn ALLE Loesungen auf den Tisch kommen, dann wird es auch fuer die Klaegerbetriebe sehr sehr schwer werden die Zukunft zu meistern. Zudem wird hier oftmals vergessen, dass das Klima eine globale Angelegenheit ist. Wind- und Meeresstroemungen und Umwelteinfluesse in Uebersee und Asien beeinflussen das Klima staerker als der "Kuhfurz" im Allgaeu. Anpassen muessen wir uns alle und auch auf den Wandel und die Klimarisiken einstellen, aber eine solche Klage dient eher der Reklame und Panikmache als dem Klimaschutz.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Klima in Deutschland

das die Klimaziele für 2020 nicht einzuhalten sind ist doch klar: die Kohlekraftwerke haben eine große Lobby und halten die Politiker an der langen Leine. Sie pusten weiter ihre CO² Emissionen in die Luft. Wenn sie bis 2030 abgeschaltet werden, gehen aber die CO² Rechte in einen großen Topf und jedes andere Land der Erde kann diese erwerben. Selbst wenn wir klimaneutral sind wird Deutschland nur eine Nachkommastelle beim Klimawandel verändern können. Hinzu kommt, dass mit wachsendem Wohlstand in den übrigen Ländern der CO² Ausstoß steigen wird. In Brasilien z.B. wird der Regenwald in 10-15 Jahren Geschichte sein. Wir in Deutschland müssen nur aufpassen, dass wir nicht irgendwann im Dunkeln sitzen.

von Tobias Rausch

Ja bettelt auch noch!

Wie kann man denn auch noch darum betteln mehr Steuern zu bezahlen, in Form einer CO2steuer? Bitte, bitte, nehmt mir noch mehr Geld ab, ihr könnt ganz bestimmt das Klima retten. Euch liegt ja so viel an uns! Ich muss lachen! Wenn es den Klimawandel gibt und das CO2 dafür verantwortlich wäre, dann hat Deutschland einen marginalen Anteil daran! Indien, China und die USA verursachen 85% an CO2 Ausstoß. Nebenbei werden die Kohlekraftwerke die hier abgebaut werden in anderen Ländern wieder aufgebaut! Zurzeit entstehen wohl 300 neue Kraftwerke im Ausland und es solle über 3000 zurzeit weltweit geben. Bei uns war es auch heiß die letzten Tage und kein Niederschlag und wir leiden immer noch unter der Dürre vom letzen Jahr. Nur waren es bei uns 36 Grad und keine 42, das gab es auch vorher schon. Dürren gab es auch immer schon und es ist auch schlimm, aber den ganzen CO2 Unsinn können die mir nicht Impfen! Überlegt doch mal was hier mit uns gemacht wird. Wir sind die Eierlegendevollmilchsau! Viele glauben ja wirklich Deutschland kann die Welt retten, ob es ums Klima geht oder die komplette Welt aufzunehmen, alles kein Problem. Zum Glück wachen immer mehr Schafe auf.

von Wilhelm Grimm

Verbot der Bio-Landwirtschaft sofort !!!!!

Das wäre ein einfacher Beitrag der Landwirtschaft, würde den ökologischen Fußabdruck verbessern und das Volksvermögen mehren.

von Torsten Kremershof

Mercosur !!!

Was ist mit dem Mercosur Abkommen das die Politik und die Industrie abschließen will ????

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