EUROPA/Bio-Lebensmittel/Kontrolle

Bio-Lebensmittel besser kontrollieren

Die Kontrolle und Rückverfolgbarkeit von Bio-Lebensmitteln aus Drittstaaten lässt zu wünschen übrig. So lautet ein Hauptbefund des Europäischen Rechnungshofes. Seit der Überarbeitung des Kontrollwesens 2013 hat sich die Situation innerhalb der EU deutlich verbessert. Aber Lücken bei der Aufsicht in der EU als auch in Drittstaaten erfordern Abhilfe.

Ein Drittel der Bio-Lebensmitteln aus Drittstaaten lassen sich nicht zuverlässig zurückverfolgen und EU-Qualitätsstandards werden somit unterlaufen. Dies ist ein wesentliches Ergebnis des am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Sonderberichtes des EU-Rechnungshofes über das „Kontrollsystem für ökologische/biologische Erzeugnisse“ in der EU und aus Drittstaaten.

In den EU-Mitgliedstaaten wurden seit der letzten Untersuchung im Jahre 2012 aufgeführte Schwachstellen in der Kotrollpraxis zwar verbessert, aber einige Herausforderungen bleiben weiterbestehen, um das Vertrauen der Verbraucher in ökologisch-biologische Landwirtschaftsprodukte zu stärken, betonte der EuRH bei der Vorstellung des Berichts vor der Presse.

Die Luxemburger Rechnungshofprüfer zeigen in ihrem 45-seitigen Bericht die Schwachstellen der aktuellen Öko-Lebensmittelkontrolle auf. In Drittstaaten mangelt es an EU-zertifizierten Prüfstellen. Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Palmöl- oder Ananas-Plantagen, Avocado-Anbau oder der Haltung von Biohühnern ist oft nicht gegeben.

Die im Jahre 1991 beschlossene EU-Verordnung für die ökologische-biologische Produktion und das Kontroll- und Zertifizierungssystem setzt für die EU einen klaren rechtlichen Rahmen für Bioprodukte. Die ökologische-biologische Produktion verlangt demnach eine landwirtschaftliche Betriebsführung und Lebensmittelproduktion, die “beste umweltschonende und klimaschützende Verfahren, ein hohes Maß an Artenvielfalt, den Schutz der natürlichen Ressourcen sowie die Anwendung hoher Tierschutz- und Produktionsstandard“ zum Maßstab macht.

Die Kontrollpraxis und Sicherungssysteme in Drittstaaten wie China, der Ukraine, Ecuador oder der Dominikanischen Republik hält mit diesen EU-Standards jedoch in vielen Fällen nicht Stand. Und auch die Kontrollpraxis von eigehenden Bio-Lebensmitteln auf europäischen Boden wird mir nur stichprobenartigen Kontrollen dem Missstand nicht Herr. Die meisten biologischen Lebensmittel aus Drittstaaten werden aus China (11,2 Prozent), Ecuador (10,1 Prozent), der Dominikanischen Republik (8,9 Prozent) und der Ukraine (8,7 Prozent) in die EU eingeführt.

Ab 2021 sollen EU-Standards sichergestellt werden

Die EU-Kommission will mit einer Neufassung der EU-Öko-Lebensmittelgesetzgebung sicherstellen, dass spätestens ab 2021 die aus Drittstaaten stammenden ökologisch/biologisch erzeugten Lebensmittel umfänglich den europäischen Standards entsprechen,

Die ökologisch-biologischen Lebensmittel haben in der EU in den vergangenen Jahren enorm zugelegt sowohl bei den Flächen als auch in der Produktion. Die für diesen Landbau genutzte landwirtschaftliche Fläche in der EU stieg von insgesamt 9,1 Millionen Hektar im Jahr 2010 auf 12 Millionen Hektar im Jahr 2016 und nahm damit um 33 Prozent zu.

Im Jahr 2016 betrug der Anteil der für die biologische Produktion genutzten landwirtschaftlichen Fläche 6,7 Prozent. Im selben Zeitraum stiegen die mit biologischen Erzeugnissen erzielten Einzelhandelsumsätze von 18,1 Milliarden Euro auf 30,7 Milliarden Euro. Ein beachtlicher Umsatzanstieg von rund 70 Prozent.

Verspätete Reaktionen auf Negativbefunde auch in der EU

Aber auch in der EU steht es nicht überall zum Besten: So stellte der EuRH fest, dass die Kontrollstellen in Tschechien im Jahr 2016 durchschnittlich 33 Tage und im Jahr 2017 durchschnittlich 55 Tage benötigten, um der zuständigen Behörde eine Regelverletzung zu melden, durch die der ökologische-biologische Status eines Erzeugnisses beeinträchtigt wurde.

BÖLW: "Laboranalysen alleine reichen nicht aus"

Der BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig begrüßt die Bestandsaufnahme des Rechnungshofes: „Wir begrüßen sehr, dass der EU-Rechnungshof bestätigt, wie entscheidend es ist, dass der gesamte Produktionsprozess bei der Kontrolle abgedeckt werden muss und eine Laboranalyse nicht ausreicht“.

Dass die Einfuhren von Bio-Produkten aus Drittstaaten durch eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten und ein harmonisiertes Vorgehen innerhalb der EU noch besser überwacht werden solle, sieht der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) als Dachverband der deutschen Bio-Bauern, -Hersteller und -Händler. positiv.

Das aktuelle Update des EU-Bio-Rechts biete auch die Chance, die Regeln für die Kontrolle und Überwachung von Bio-Importen weiterzuentwickeln. Vorschläge dazu läge seitens der Branche auf dem Tisch. „Schließlich sind es die Bio-Bauern und Bio-Lebensmittelverarbeiter sowie Händler selbst, die gute Bio-Produkte liefern wollen, denen die Kunden vertrauen können“, betonte Röhrig gegenüber top agrar."

Copa Cogeca: "Kontrollpraxis bleibt ein neuralgischer Punkt"

Ebenso begrüßte Copa Cogeca in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung den Rechungshofbericht. „Auch wenn der Großteil der biologischen Produkte in der EU lokal angebaut werden, gelangten im Jahre 2018 3,3 Millionen Tonnen Bio-Produkte aus über 100 Drittstaaten von außerhalb in die EU“, rechnete Copa Cogeca vor. Die Kontrollen seien daher ein neuralgischer Punkt, wie der EuRH-Bericht unterstreiche.

Copa Cogeca ermunterte daher die EU-Kommission ihre Aufsicht zu verstärken, um die aufgezeigten Schwachpunkte in der EU und den Drittstaaten abzustellen. Vor diesem Hintergrund spricht sich der europäische Bauernverband dafür aus, dass Synergieeffekte bei den kompetenten Behörden mit anderen bedeutenden Importmärkten wie den USA, Kanada, Japan, der Schweiz und Südkorea ins Auge gefasst werden.


Diskussionen zum Artikel

von Gerhard Steffek

3,3 Millionen Tonnen Bio-Produkte -

die vielleicht in den entsprechenden Ländern besserer Verwendung zugeführt werden hätte können als den bei uns saturiertem Gutvolk "zum Fraß" vorgeworfen zu werden. Aber vielleicht wird dann auch so argumentiert, daß durch den Verkauf der "höherwertigeren" aber wenigen Biowaren ... mehr anzeigen

von Andreas Demann

Alles Bio oder was

Da wo Bio drauf steht ist doch selbstverständlich auch Bio drin. Wer hat denn da schon ein Interesse daran das zu bezweifeln. Siehe auch letzte Untersuchung der EU aus dem Jahr 2012.

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