Demo in Berlin: „Kochtopfkonzert für die Agrarwende“

Unter dem Motto „Der Agrarindustrie die Stirn bieten!“ fand am Samstag zur Grünen Woche wieder eine "Wir haben Agrarindustrie satt"-Demo in Berlin statt.

Anlässlich der Grünen Woche demonstrieren Tausende Menschen für eine Agrarwende. (Bildquelle: Lenfers)

Unter dem Motto „Der Agrarindustrie die Stirn bieten!“ fand am Samstag zur Grünen Woche wieder eine "Wir haben es satt"-Demo in Berlin statt. Tausende Menschen haben sich an der Demonstration beteiligt und gegen die aus ihrer Sicht industrielle Lebensmittelproduktion, Massentierhaltung und Agrarindustrie protestiert. Mit Kochtöpfen und Kochlöffeln ausgestattet, demonstrierten die Teilnehmer lautstark für eine Agrarwende.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Demonstration stand die zur gleichen Zeit stattfindende internationale Agrarministerkonferenz. Als Gastgeber der Konferenz stehe die Bundesregierung im Licht der Weltöffentlichkeit. „Während drinnen über unser Essen und unsere Landwirtschaft entschieden wird, machen wir draußen Druck für die globale Agrar- und Ernährungswende und für gerechten Handel“ hieß es seitens der Initiatoren.

Nach einer Zwischenkundgebung am Bundeswirtschaftsministerium zur Agrarministerkonferenz startete die Demo gegen 11 Uhr mit einer Treckerparade zum Brandenburger Tor. „Wir schlagen Alarm für eine bessere Politik“, erklärt Demo-Sprecher Jochen Fritz. „Der Exportwahnsinn in der Landwirtschaft muss beendet werden.“ Er fordert von der nächsten Bundesregierung eine Abkehr von der "aggressiven Exportausrichtung" der Agrarpolitik, die Bauernhöfe weltweit in den Ruin treibe. Seit 2005 habe in Deutschland jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb die Tore schließen müssen. Weltweit würden immer mehr Kleinbauern ihre Einkommensgrundlagen verlieren, weil sie nicht mit den Billigimporten aus Europa konkurrieren könnten.

Politik muss Interessen der Menschen folgen

„Vier weitere verschenkte Jahre in der Agrarpolitik? Das können wir uns nicht leisten. Dringender denn je brauchen wir eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft und gesundes Essen für alle!“ betonten die Initiatoren der Demo. Wer etwas verändern wolle, müsse sich mit der „mächtigen Agrarlobby“ anlegen. Die Politik müsse endlich den Interessen der Menschen folgen, statt Konzernen zu mehr Macht zu verhelfen. Mit Blick auf den Alleingang des Bundeslandwirtschaftsministeriums beim jüngsten Glyphosat-Votum in der EU kommentiert Fritz: „Minister Christian Schmidt hat mit diesem vorgezogenen Weihnachtsgeschenk an Bayer-Monsanto einmal mehr bewiesen, dass er ein Handlanger der Industrie ist. So eine Fehlbesetzung darf es nicht wieder geben. Die nächste Bundesregierung müsse bei der Besetzung des Landwirtschaftsministeriums sicherstellen, dass die Interessen von Großkonzernen nicht über die von Landwirten und Verbrauchern gestellt werden.“

"Protest der leeren Töpfe"

Mit Kochtöpfen und Kochlöffeln ausgestattet demonstrierten Teilnehmer der "Wir haben es satt" Demo in Berlin. (Bildquelle: Lenfers)

Die Sitte mit leeren Kochtöpfen zu demonstrieren kommt ursprünglich aus Südamerika. Im "Protest der leeren Töpfe" haben im Jahr 2014 rund 2000 Frauen mit dem Schlagen auf leere Töpfe und Pfannen gegen die Nahrungsmittelknappheit im Land protestiert. Auf der Facebook-Bauernwikiseite heißt es: "In Deutschland nimmt man sich nun dieses Protestes an - nicht wegen einer Nahrungsmittelkrise oder gar Hunger - nein, das kennen wir hierzulande nicht. Hier wird mit gesättigten Magen auf die gleiche Art gegen die Ernährungssouveränität demonstriert."


Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Arbeiten auf einer 840.000-Hektar-Farm

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