Familienbetriebe werden größer, komplexer und wettbewerbsorientierter

Keine grundlegenden Änderungen in der Agrarunternehmensstruktur in Deutschland erwartet das Thünen-Institut (TI) für die nächsten Jahre. „Familienbetriebe werden weiterhin dominieren“, sagte Bernhard Forstner vom Institut für Betriebswirtschaft.

Es gibt eine weiter zunehmende Professionalisierung und Abnahme der „Bäuerlichkeit“ - Familienbetriebe behalten aber ihre dominierende Stellung. (Bildquelle: top agrar)

Keine grundlegenden Änderungen in der Agrarunternehmensstruktur in Deutschland erwartet das Thünen-Institut (TI) für die nächsten Jahre. „Familienbetriebe werden weiterhin dominieren“, sagte Bernhard Forstner vom Institut für Betriebswirtschaft.

Der Wissenschaftler wies aber zugleich darauf hin, dass die Familienbetriebe selbst einem erheblichen Wandel unterzogen seien und sich ihr klassisches Bild ändere. „Familienbetriebe werden größer, komplexer und wettbewerbsorientierter“, betonte Forstner. Merkmale dafür seien die Bildung von Kooperationen, eine voranschreitende Diversifizierung mit der Gründung neuer Unternehmenszweige, beispielsweise in den Bereichen Verarbeitung und Absatz von Agrarprodukten oder landwirtschaftliche und landwirtschaftsnahe Dienstleistungen, sowie die Beteiligung an anderen Betrieben.

Der Wissenschaftler sprach von einer weiter zunehmenden Professionalisierung und einer Abnahme der „Bäuerlichkeit“. Gleichzeitig stiegen die Bedeutung von Fremdarbeitskräften und die Inanspruchnahme von professionellen Dienstleistungsangeboten.
 
Betriebsgröße nicht überschätzen

Forstner nannte eine große Akzeptanz in der Bevölkerung als einen der Vorteile, den Familienbetriebe im Vergleich zu Kapitalgesellschaften aufwiesen. Hinzu komme ein hohes Maß an Flexibilität, die vor allem in Krisensituationen zum Tragen komme, aber auch eine breite politische Unterstützung.

Nicht überschätzt werden dürfe indes die Betriebsgröße. In vielen erfolgreichen und dynamischen Familienbetrieben sei die Größe von untergeordneter Bedeutung, stellte der Wissenschaftler fest. Keinen entscheidenden Einfluss auf die grundsätzlichen Trends in der Entwicklung der Agrarunternehmensstruktur misst Forstner indes der EU-Agrarpolitik bei.

Anpassungsbedarf sieht der Agrarökonom in der Agrarstatistik. Dort spiegle sich die wachsende Komplexität der Familienunternehmen immer weniger wider. Dies habe erhebliche Auswirkungen auf die Qualität von Struktur- und Einkommensanalysen sowie mögliche agrarpolitische Schlussfolgerungen.
 

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Diskussionen zum Artikel

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von Rudolf Rößle

Entfremdung

ist diese Entwicklungsform. Immer weiter weg von der Produktion von Nahrungsmittel hin zum Energiewirt, Fuhrunternehmen, Stadt.- und Landgärtner, Internethändler usw. usw. Da ist ein enormer Organisationsaufwand notwendig und ein ständiger Beschuss von Informationen..

von Gerhard Steffek

Abnahme der Bäuerlichkeit!

Wie soll ich das verstehen? In meinen Ohren hört sich das wie Hohn an. Legt man nicht immer wert auf Bäuerlichkeit? Wird nicht ständig vom Erhalt der bäuerlichen Betriebe geredet? Ist man jetzt froh, daß die "Bäuerlichkeit" der Betriebe verschwindet, oder wird es bedauert? Irgendwie kann ich mich dem Eindruck eines gewissen Zynismus' nicht verwehren. Denn zu dumm aber auch, da kann man ja dann nicht mehr vom "dummen Bauern" reden. Ach ja, wer hat letzthin darüber sinniert das die Landwirtschaft sich verändern muß? Hier haben wir es doch dann auch wissenschaftlich attestiert, daß sich die Landwirtschaft ständig wandelt und mit den Gegebenheiten mitwächst. Egal, ob es der eine oder andere glauben will oder nicht, aber es ist der Fall und war es schon immer. Es wird auch so weiter gehen. Die Betriebe werden noch größer werden und infolge dessen werden die "bäuerlichen" Familienbetriebe zum größten Teil verschwinden. Schon alleine die Erb-, bzw. Schenkungssteuer wird den Schritt zu einer Gesellschaftsform unumgänglich machen, da ansonsten die Last des Vererbens für die Nachfolger nicht mehr zu stemmen sein wird.

von Klaus Fiederling

Realität versus Wunschdenken

Ist aufgrund obiger Analyse somit also die Arbeitsvernichtungswelle der letzten Dekaden in Reihen der LW inexistent? - Der Kannibalismus unter den Bauern muss seinen Fortgang finden? - Klappe die nächste. // Unumwunden ehrliche Antworten werden eingefordert: 1. Wie viele Landwirte braucht das Land? 2. Wie viel Intellekt ist für unsere bäuerlichen Strukturen überhaupt vonnöten? // Die vorstehenden Worte illustrieren immerhin figurativ ein „freies Unternehmertum“ auf unseren Höfen der Moderne. - FREI(?), sind wir Bauern das heute wirklich?

von Josef Doll

Beim lesen dieses Beitrags

wird mir klar das ,solche Unternehmen, keine Dürrebeihilfe bekommen können. Denn wie kann man den leidenden Nachbauernfamilien nebenan weiß machen das der ÜBER - Pacht-Tarifzahlende ob jetzt Bauer-oder-filmann-großbetrieb über seinem Umsatz liegende Dürrebeitrag zusteht !!!

von Steffen Hinrichs

Familienbetriebe lassen sich eher ausnützen

Familienbetriebe sind nur deswegen so wettbewerbsfähig ,weil sie 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag für ihren Betrieb dastehen und alle Familienmitglieder (selbst Altenteiler und Kinder ) mit anpacken .Kein anderer Berufsstand würde sich für so eine Entlohnung so ausbeuten lassen . Aber Landwirte arbeiten viel aus ideologische Gründen und weil nicht er der "Letzte" sein will ,der die Tür endgültig schließt .

von Bernd Schmitz

Aufpassen

das mit dem wettbewerbsfähiger war auch immer der besondere Vorzug der Dänen. "Laut Statistikamt entfallen drei Viertel der landwirtschaftlichen Schuldenlast in Dänemark auf Vollerwerbsbetriebe. Jedes dieser Unternehmen stehe im Schnitt mit 3,35 Mio Euro „in der Kreide“''. Topagrar.com - Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Daenische-Bauern-koennen-Schuldenlast-nicht-abbauen-10068624.html

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