Greenpeace fordert Halbierung der Fleischproduktion bis 2050

Nach Berechnungen von Greenpeace Europe steigen die von der Landwirtschaft weltweit emittierten Treibhausgase bis zur Jahrhundertmitte auf über 50 Prozent an. Verantwortlich hierfür macht eine heute in Brüssel veröffentlichte Studie vor allem die Tierhaltung und Milchwirtschaft.

Stall (Bildquelle: top agrar)

Nach Berechnungen von Greenpeace Europe steigen die von der Landwirtschaft weltweit emittierten Treibhausgase bis zur Jahrhundertmitte auf über 50 Prozent an. Verantwortlich hierfür macht eine heute in Brüssel veröffentlichte Studie vor allem die Tierhaltung und Milchwirtschaft.

Um diesen Trend zu stoppen, plädiert die Umweltschutzorganisation für eine Agrarwende durch eine Halbierung der Fleisch- und Milchproduktion in Europa. Derzeit trägt die europäische Viehwirtschaft nach Angaben von Greenpeace mit 12 bis 17 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) müsse zu einer verstärkten Produktion von Gemüse und deutlich weniger und nachhaltiger Fleischproduktion in der EU beitragen.

„Die EU-Landwirtschaftspolitik der Vergangenheit hat uns an einen Abgrund geführt. Die industrielle Tierproduktion ist eine Hauptquelle für Treibhausgasemissionen, Wasser- und Luftverschmutzung und verursacht gravierende Gesundheitsprobleme wie Antimikrobielle Resistenzen“, sagte der für Agrarpolitik zuständige Greenpeace-Direktor Marco Contiero bei der Vorstellung der Studie. Die europäischen Regierungen seien aufgefordert, mit der anstehenden GAP-Reform eine Wende einzuläuten, hin zu einem ökologischen Gemüseanbau und deutlich weniger aber nachhaltigerer Fleischproduktion. „Die Subventionierung von intensiver Tierproduktion muss ein Ende haben“.
 
Tierbestand in bäuerlichen Betrieben in einem Jahrzehnt halbiert

Besorgniserregend sei die zunehmende Konzentration der europäischen Fleischproduktion auf große industrielle Produktionsbetriebe. So würden in der EU bereits heute drei Viertel der Tiere in wenigen großen industriellen Betrieben erzeugt, während bäuerliche Familienbetriebe im zurückliegenden Jahrzehnt ihre Tierherden um die Hälfte reduziert hätten.
 
Das Greenpeace-Szenario zeigt auf, dass die Treibhausgasemissionen, die auf das Konto der Landwirtschaft gehen bis zum Jahre 2050 - bei weiter ungebremsten Produktionsbedingungen - weltweit auf über 50 Prozent (52%) ansteigen würden. Der Tier- und Milchsektor trügen allein mit über 70 Prozent zu diesen katastrophalen Umweltbedingungen bei.
 
Die intensive Fleischproduktion und Milchwirtschaft trage darüber hinaus durch ihren Nitrat- und Phosphoreintrag ins Grundwasser sowie durch Ammoniakproduktion erheblich zur Wasser- und Luftverschmutzung bei. Nach Angaben von Greenpeace verursache allein die Nitratverschmutzung jährliche Kosten in der EU von bis zu 320 Milliarden Euro pro Jahr.
Ein von der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (Efsa) und der Weltgesundheitsorgansation (WHO) in der vergangenen Woche gemeinsam publizierter Bericht weise darauf hin, dass in der Massentierhaltung auftretende Bakterien zu bedrohlichen Antibiotikaresistenzen beim Menschen geführt hätten.
 
„Die Notwendigkeit, die Tierbestände und die Fleischproduktion drastisch zu begrenzen ist nun eine wissenschaftlich belegte Tatsache“, sagte Pete Smith, als einer der Autoren des Internationalen Klimawandelreport des Vereinten Nationen (IPCC), bei der Vorstellung des Greenpeace-Berichts. Nur eine deutliche Reduktion der Tier- und Milchproduktion trage in der Zukunft zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion bei. Ein weiter so wie bisher bei der Produktion und Nahrungskonsum könne nicht dazu beitragen, die gesetzten Klimaziele zur Begrenzung der Erderwärmung und der Sicherung des Planeten zu gewährleisten.
 
 

Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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