Volksbank-Agrarforum

Investieren trotz Widerständen?

Die Landwirte sind zwar grundsätzlich investitionsbereit. Politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Kritik lassen die Erzeuger jedoch zögern. Vom Volksbank-Agrarforum in Niedersachsen...

Die gute Nachricht vorweg: Landwirte gehen mit Freude an ihre Arbeit und blicken positiv auf das was sie tun. Die Ergebnisse einer entsprechenden Umfrage präsentierte Jörn G. Nordenholz, Vorstandsvorsitzender Volksbank Sulingen eG, am Dienstag in Rehden.

Während des 12. Volksbank-Agrarforums ergab sich ein differenziertes Bild zur positiven Grundstimmung. Die mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Bezirksstelle Nienburg, und dem Landvolk Diepholz abgestimmte Untersuchung belegt mehrere Problemfelder. So benennen in dem Volksbank-Agrarbarometer rund 75 Prozent der mehr als 300 teilnehmenden Landwirte "fehlende Planungssicherheit und unsichere politische Rahmenbedingungen" als Hemmnisse für Investitionen. Auf die Stimmungslage von mehr als 70 Prozent der befragten Erzeuger wirkt das kritische öffentliche Meinungsbild zur Landwirtschaft "besonders negativ".

"Wir stehen den Landwirten auch in schwierigen Zeiten zur Seite", sagte Nordenholz während der Veranstaltung in Rehden. Volksbanken seien, wie die Landwirte, im besten Sinne regional verwurzelt. Wilken Hartje, Kreislandwirt in Diepholz, merkte an, dass Landwirtschaft zwar gewollt sei und bleiben soll. "Doch dem widerspricht das politische Handeln eindeutig", kritisierte Hartje.

In Vorträgen des Forums und der anschließenden Diskussion mit dem Journalisten Dietrich Holler vom Berliner Redaktionsbüro vox viridis gaben die Experten den Landwirten wichtige Impulse für die Betriebsstrategie: Dr. Albert Hortmann-Scholten, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, und Albrecht Macke, BB Göttingen GmbH erläuterten zentrale strategische Komponenten, aufgeteilt nach "Ackerbau" und "Tierhaltung". Die Experten waren sich einig: Größe ist nicht automatisch ein Erfolgsfaktor. Wachstum und Entwicklung könnten sehr vielfältig sein, dabei gehe Qualität vor Quantität. Vor konkreten Wachstumsschritten sollten Landwirte zunächst bestehende betriebliche Potentiale sehr genau prüfen und gezielt nutzen empfahl Berater Macke.

Dass die Betriebsgröße nicht für den unternehmerischen Erfolg allein entscheidend ist, zeigten Sebastian Ermann und Anne Körkel. Landwirt Ermann aus Senden managt einen Großbetrieb mit Schweinehaltung und Ackerbau. Körkel bewirtschaftet unter der Marke "Annes Ha(h)nauer" einen kleinen Geflügelbetrieb in Baden-Württemberg. Trotz denkbar unterschiedlicher Konzepte sind beide mit ihren betriebswirtschaftlichen Ergebnissen zufrieden. Weder der Geflügelhof noch der Großbetrieb stellen aber Selbstläufer dar: Kurz- und langfristige Strategien müssen regelmäßig an neue wirtschaftliche und agrarpolitische Rahmenbedingungen angepasst werden.

Eine geteilte Strategie fährt Bernhard Brand aus Dersum mit seinem Bio-Betrieb. In der öffentlichen Meinung zwar favorisiert, müsse sich die ökologische Landwirtschaft, jedoch genauso wie die konventionelle Wirtschaftsweise, am Markt beweisen. Brand hat einen Teil seines Betriebes auf Bio umgestellt und produziert unter anderem Eier. Er baut für die Eierproduktion Hanf als Futter an und beschreitet damit neue Wege. Seinen Gemüseabbau9 sichert Brand ab, "weil das die notwendige Sicherheit gibt". Die Bullenmast ist aus betriebswirtschaftlichen Gründen konventionell geblieben, so der Landwirt aus dem Emsland während seines Vortrages am Volksbank-Agrarforum.

Den Markt im wörtlichen Sinn präsentierte Uta Kuhlmann-Warning in Rehden. Sie ist Geschäftsführerin von "Hoftalente", einem Lebensmittel-Markt mit regionalem Sortiment in Hannover. Die Jungunternehmerin kooperiert für das Projekt mit drei Landwirten aus Niedersachsen. Gemeinsam bringen sie "die Landwirtschaft in die Stadt" und tragen zu einem besseren Image der Branche bei. Entwicklungsschritte sind notwendig, sie brauchen aber die ständige Begleitung von Controlling und Reflektion, berichtete Kuhlmann-Warning.

Zu den in Landwirtschaft bislang unterschätzten Erfolgsfaktoren dürfte die (Selbst-) Motivation zählen. Wie diese sich im Alltag integrieren lässt, war anlässlich des 12. Volksbank-Agrarforums in Rehden das Thema des Management-Trainers Uli Ernst. Jeder Unternehmer ist selbst für die Gestaltung seiner Zukunft verantwortlich und muss dafür aktiv das für ihn passende tun.

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Für das jährliche Volksbank Agrarforum kooperieren fünf niedersächsische Volksbanken: Volksbank Aller-Weser eG, Volksbank eG, Nienburg, Volksbank eG, Sulingen, Volksbank eG, Syke, und Volksbank Vechta eG. Die Landwirtschaftskammer Niedersachen, Bezirksstelle Nienburg, ist fachlicher Partner des Events.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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von Hans Spießl

Banken sind nur Handlanger

seit die Geldschöpfung bei den internationalen Großbanken, Konzernen liegt ist Weltweit bei der kleinen Weltspitze ( die Elite von vielleicht 5000 Familien weltweit) haben soviel Geld das Rendite sucht. Es ist Geld das nicht geschaffen wurde durch Leistung. Diese Leute haben die Gelddruckmaschine angeschaltet sowie der Adolf damals in den 30igern......... schlimmstenfalls gibt es wieder Krieg deswegen...... Derzeit haben wir ja schon Probleme deswegen der Null Zins. Die Banken, unsere Politiker etc, unsere wenn ich so sagen darf müssen immer neue Ideen und Projekte einführen um Tatsachen zu kapitalisieren- die Handelbaren Anrechte auf Subvention ZA, Milchquote....... sämtliche handelbaren Rechte...... sind so Produkte die niemanden Nützen........ Die Digitalisierung wird weitere Vermögen schaffen, zB wenn du mehr als soviel Milligramm Nährstoff im Boden hast....... derzeit ist die Immobilienblase so ein Produkt dieser Entwicklung....... da wird von unten her abgeschöpft die Ersparnisse der kleinen Leute....... aber wenn die Platz? dann kommt erneut die Stunde dieses Großkapitals, weil dann die Banken ein Problem bekommen hatten wir in 2008 in USA....... wir lassen uns von diesen wenigen Weltweit derzeit treiben weil wir ich würde sagen einfach zu dumm sind und den Amerikanern nachlaufen........

von Gerhard Steffek

Jeden Tag steht ein Dummer auf -

den muß man nur finden. Dies hier ist auch wieder so ein Versuch. Ein Versuch der aber auch nur wieder einem Eigeninteresse dient. Schließlich will man sein Geld loswerden und es bestens verleihen. Da sind nach wie vor Landwirte hervorragende Kunden, da eine entsprechende Sicherheit bei ihnen vorliegt und sie auch dementsprechend "Bodenständig" sind. Allerdings sollte man schon auch im Hinterkopf haben, daß Banken dir gerne bei Sonnenschein einen Regenschirm leihen, aber sobald es zu regnen anfängt diesen gerne wieder haben wollen. Nicht umsonst heißt es auch: Dilettanten überfallen eine Bank, Profis gründen eine.

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