EUROPA/Freihandelsabkommen/Jefta

Japan orientiert sich an EU-Politik im Ländlichen Raum

Im Februar 2019 soll das im Sommer diesen Jahres augehandelte Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan (Jefta) in Kraft treten. Mit der Abschaffung von Zöllen und Handelsbarrieren rechnet die EU-Kommission mit Exportzuwächsen der europäischen Fleisch- und Milchprodukte nach Japan um bis zu 25 Prozent.

Zufriedene Gesichter über das im Juli ausgehandeltn Jefta-Freihandelsabkommen (vlnr.): EU-Ratspräsident Donald Tusk, Japans Premierminister Shinzo Abe und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (Bildquelle: Consilium)

Japan sucht in der Agrarwirtschaft und Lebensmittelbranche den Schulterschluss mit der EU. Das im Februar 2019 in Kraft tretende „Japan-EU Free Trade Agreement“ - kurz Jefta genannt - soll den EU-Handel von Fleisch und Milchprodukten nach Nippon beflügeln und beschert den Weinbauern der EU ungebremste Absatzmärkte. Denn 99 Prozent der bisherigen Zölle im EU-Japan Warenaustausch werden künftig gestrichen und Hunderte Herkunftsbezeichnungen garantiert.

Der japanische Landwirtschaftsminister Hiromichi Matsushima erläuterte auf der EU Agricultuaral Outlook Conference 2018 am Donnerstag in Brüssel seine Erwartungen an die engeren Agrarbeziehungen zwishen Japan und Europa.

In Zeiten von Abschottung des Welthandels „made in USA von Präsident Trump befeuert und dem Platzen des EU –US- Handelsabkommens TTIP sollen die EU-Japan- Handelsbeziehungen das Vakuum im freien Welthandel neu ausfüllen. Im Bereich der Wirtschaftskooperation zwischen Japan und der EU beginnt mit Jefta „ein neues Zeitalter“ sagte Matsushima.

Neue Mittelschicht Japans liebt Champagner und europäische Spitzenweine

In der Tat, denn die neue Freihandelszone wird mehr als 600 Millionen Verbraucher umfassen. Zölle zwischen Japan und der EU werden weitgehend abgeschafft. Dies bedeutet Europas Exporte ins Reich der Mitte werden ab 2019 jährlich um rund eine Milliarde Euro billiger, wie die EU-Kommission vorrechnet. Die gleiche Summe macht derzeit pro Jahr allein der deutsche Wein-Eport nach Japan aus. Mit dem Wegfall des bisher 15prozentigen Zollaufschlags dürften sich allein die Weinverkäufe europäischer Winzer vervielfachen.

„Aufgrund des in Japan veränderten Konsumverhaltens wird Wein künftig wichtiger“, sagte der japansche Landwirtschaftsminister in asiatischer Bescheidenheit. Betrug der EU-Japan Warenaustausch im Bereich Agrarprodukte und Lebensmittel im Jahre 2017 nach Angaben von Matsushima rund 400 Milliarden Euro

Die EU erwartet einen Anstieg der Exporte von verarbeiteten Nahrungsmitteln wie Fleisch- und Milchprodukte nach Japan um 180 Prozent. Das entspräche etwa zehn Milliarden Euro.

Japan garantiert mehr als 200 europäische Herkunftsbezeichnungen

Schon im vergangenen Jahr war Japan mit einem Handelsvolumen von rund 129 Milliarden Euro der sechstgrößte Handelspartner der EU – nach den USA, China, der Schweiz, Russland und der Türkei.

Zudem werden mehr als 200 geschützte, europäische Herkunftsbezeichnungen zukünftig auch in Japan garantiert sein. Also der italienische Parmaschinken, der griechische Feta-Käse oder die Thüringer Leberwurst und die Frankfurter Würstchen dürfen in Japan nur noch verkauft werden, wenn sie wirklich aus Parma, Thüringen und Hessen als Produktionsort stammen.

Die EU-Agrar Generaldirektion erwartet Zuwächse von Milch- und Fleischprodukten sowie verarbeiteten Lebensmitteln von bis zu 25 Prozent.

Matsushima nannte auf der Brüsseler Agrar-Outlook 2018-Komferenz die Gründe für einen aufstrebenden Handel in beide Richtungen. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen Japans machen mit 126 Millionen Hektar gerade einmal ein Zehntel der EU-Anbauflächen aus. Das Importvolumen wie Soja und Mais als Tierfutter beträgt 90 Prozent und stützt sich bisher auf Importe aus Nord- und Südamerika beziehungsweise Korea.

Weil US-Präsident Donald Trump bei Amtsantritt das von Japan bevorzugte Projekt einer trans-pazifischen Freihandelszone (TPP) mit den USA unter Einbeziehung von zehn weiteren Pazifik-Staaten platzen ließ, suchte Japan den Schulterschluss mit der EU. Ohne die USA schloß Japan eine Freihandelskabkommen mit Kanada, Japan, Australien, Neuseeland, Mexiko, Chile, Peru, Vietnam, Malaysia, Brunei und Singapur. CPTPP (Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership).

EU und Japan wollen gemeinsam freien Welthandel verteidigen und WTO-Reform voranbringen

Japan will mit der EU den Freihandel in der Welt verteidigen, die Notifizierungsregeln vereinfachen und die Reform der Welthandelsorganisation WTO gemeinsam mit der EU voranbringen“, kündigte Matsushima in Brüssel an. Darüber hinaus wolle Japan sich an den politischen Vorgaben der EU bei der Entwicklung der Ländlichen Räume orientieren.

Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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