Kein neuerlicher Ruf nach Dürrehilfen vom Bauernverband

Die Forderung nach Dürrehilfen will der Bauernverband 2019 nicht wiederholen. Auch das Landwirtschaftsministerium bleibt auf Abstand.

Die deutschen Landwirte verlangen in diesem Jahr trotz geringerer Ernteerträge keine staatlichen Hilfen. „Eindeutig nein – wir fordern keine finanzielle Hilfe vom Staat“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands im Interview mit der Berliner Morgenpost. Stattdessen fordert der DBV weiterhin die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage. Damit könnten die Landwirte in guten Jahren Reserven für schlechte Jahre bilden, so Rukwied weiter. „Außerdem diskutieren wir Versicherungslösungen für dürrebedingte Ernteausfälle“, sagte er. Hierfür sei eine Anschubfinanzierung durch den Bund oder die Länder erforderlich, forderte Rukwied. Am Freitag will der DBV-Präsident in Berlin die Erntebilanz seines Verbandes für ganz Deutschland vorstellen.

Finanzielle Hilfen sollen die Ausnahme bleiben

Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) betonte zu Beginn der Woche, dass es in diesem Jahr an keine staatlichen Dürrehilfen denkt. Finanzielle Hilfen des Staates müssten generell die Ausnahme bleiben und könnten nicht jedes Jahr kommen, sagte ein BMEL Sprecher der Deutschen Presseagentur (dpa). Aus gutem Grund würden das die Steuerzahler nicht mitmachen, hießt es beim BMEL weiter. Ein Risikomanagement gegen zunehmende Wetterextreme sei eine ureigene unternehmerische Aufgabe. Vor einem Jahr hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am 22. August 2018 die Dürre zu einem „Witterungsereignis von nationalem Ausmaß“ ausgerufen und damit den Weg für Hilfsgelder von Bund und Ländern in Höhe von bis zu 340 Mio. € freigemacht.

Auszahlung der Dürrehilfen läuft immer noch

Zum Jahrestag der Bilanz zeigt eine Recherche von top agrar, dass die Auszahlung der Dürrehilfen sich je nach Bundesland noch bis Ende 2019 ziehen wird. Bis Ende August wollen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Überweisungen komplettieren. In Sachsen sind nur noch wenige Einzelfällt offen. Sachsen-Anhalt braucht jedoch noch bis Oktober und Hessen und Mecklenburg- Vorpommern bis Ende 2019. Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg haben bereits bis Ende Juli ausgezahlt. Thüringen war damit schon im Mai fertig gewesen. Rheinland-Pfalz und das Saarland hatten sich an der Hilfe von vorne herein nicht beteiligt.

Insgesamt werden sich die von den Landwirten in Anspruch genommenen Dürrehilfen von Bund und Ländern auf knapp 320 Mio. € summieren, zeigt die top agrar Umfrage in den Bundesländern. (Eine Aufstellung nach Ländern finden Sie hier). Vor 2018 hatte sich der Bund zuletzt 2003 wegen einer Dürre an Finanzhilfen beteiligt. Damals zahlte er mit acht betroffenen Ländern insgesamt 80 Mio. € aus.

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vor von Stefanie Awater-Esper

In Schleswig-Holstein ist der Unmut über die Dürrehilfen von 2018 weiterhin groß. Viele Anträge fallen wohl durch.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Hans Nagl

Endlich.

Ein kleines Zeichen von Vernunft. Wir brauchen auch keine Anschubfinanzirung mit Öffentlichen Geld für Versicherungen.

von Hermann Kamm

Lieber Herr Rukwied in einen Punkt

mit der Steuerfreien Risikoausgleichsrücklage mögen sie recht haben. Aber Versicherungen gegen die Dürre hilft da wenig, weil durch den Versicherungsbeitrag nur ein zusätzlicher Wasserkopf entsteht und enorme kosten vor sich herschiebt. Trotzdem wäre meines Erachtens das sinnvollste wenn sich der Bauernverband wenigstens mal für anständige Produktpreise der Landwirtschaft einsetzen würden! Leider ist der Bauernverband mittlerweile zu einen Schaf geworden das auf der Schlachtbank sitzt. Somit auch die Bauernverbands Funktionäre auch als Aufsichtsräte in der Nahrungsmittel Industrie Arbeiten wird es wohl weiterhin keine auskömmlichen Preise bei Agrarprodukten geben.

von Willy Toft

Dieses ganze Gesülze um die Dürrehilfe, hat uns nur geschadet!

Unsere Handelspartner schieben sogar solche Fakten vor, um uns weiterhin im Erzeugerpreis zu drücken! Apropos Markt, wer glaubt eigentlich noch an die Kräfte des Marktes hier in DE, es wird hier nur von einer Seite diktiert, oder sehe ich das verkehrt? Zurzeit ist ein Strukturbruch bei den Betrieben zu beobachten, Kleine bis Mittel- Bäuerliche Betriebe werfen das Handtuch, weil sie keine Lobby mehr haben. Die Größeren Betriebe geht es nicht besser, da verschiebt sich die Problematik nur etwas in Richtung Personaldecke, die brauchen aber auch auskömmliche Preise!

von Gerd Uken

Wenn denn alles geprüft worden ist....

Wer darf dann wohl auch noch den Vorschuss zurückzahlen- da hat er uns letztes Jahr einen Bärendienst mit erwiesen. Über 5 Cent mehr an der Milch hätte jedem geholfen und der Verbraucher hätte es auch akzeptiert. Chips werden ja auch teurer dieses Jahr, weil man mehr Kartoffeln benötigt als üblich!

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