Krefelder Insektenforscher bekommen mehr Geld

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat den Entomologischen Verein Krefeld besucht. Dieser hatte mit seinen Langzeitdaten zur Entwicklung von Insektenbeständen große Aufmerksamkeit erregt. Nun sollen die Krefelder für ihre Forschung mehr Geld erhalten.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze ließ sich heute in Krefeld die Bestimmung und Erfassung von Insekten im Feld von Dr. Martin Sorg, 2. Vorsitzender des Entomologischer Verein Krefeld, zeigen. (Bildquelle: BMU/Ute Grabowsky)

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat den Entomologischen Verein Krefeld besucht. Dieser hatte mit seinen Langzeitdaten zur Entwicklung von Insektenbeständen große Aufmerksamkeit erregt. Nun sollen die Krefelder für ihre Forschung mehr Geld erhalten.

Die Krefelder Insektenforscher werden ihre Forschung zum Ausmaß und den Ursachen des Insektensterbens in den nächsten Jahren deutlich ausweiten können. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) überreichte im Rahmen ihrer Sommerreise heute einen Bewilligungsbescheid an Dr. Martin Sorg vom Entomologischen Verein Krefeld. Das bereits seit 2016 laufende gemeinsame Forschungsvorhaben wird von ursprünglich 2018 bis 2021 verlängert und ausgeweitet und mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 150.000 Euro versehen, teilte das BMU mit. Im Projekt werden aktuelle und historische Insektenproben der Krefelder Insektenforscher tiefer analysiert, um mehr über das Insektensterben und die Ursachen zu erfahren.

„Von den Analysen der Krefelder Insektenforscher erwarten wir uns wichtige Rückschlüsse auf die konkreten Ursachen, die letztlich zum Rückgang von Insekten beigetragen haben. Diese Erkenntnisse werden uns dabei helfen, Gegenmaßnahmen gezielt auszurichten und weitere Verluste von biologischer Vielfalt auf den Kernflächen des Naturschutzes und insbesondere im Netzwerk Natura 2000 zu verhindern oder zu vermindern", sagte Schulze in Krefeld.

Bislang konzentrierte sich die Forschung des Entomologischen Vereins auf die Entwicklung der Insekten-Biomasse im Verlauf der Jahrzehnte – also die Frage, wie viele Insekten zu welchem Zeitpunkt insgesamt auftauchten. Mit dem vom BMU geförderten Vorhaben können die Insektenproben verstärkt auf Ebene einzelner Arten und Artengruppen untersucht werden. So lässt sich etwa klären, wie sich der Bestand bestimmter Insektenarten verändert hat und inwieweit die Artenvielfalt zurückgegangen ist. Die Insektenforscher werden außerdem Nachbeprobungen an verschiedenen Standorten durchführen und so u.a. neu aufgetretenen Fragen nachgehen, etwa inwieweit die Folgen intensiver Landwirtschaft auch auf benachbarte Schutzgebiete einwirken, beschreibt das BMU das Forschungsvorhaben weiter.

Seit Jahrzehnten schon sammeln die Krefelder Entomologen umfangreiche Insektenproben und tragen enorme Datenmengen zu Insekten und ihren Beständen zusammen. Auf Basis der Insektenproben konnten zuletzt  Insektenrückgänge von durchschnittlich 76 Prozent in Schutzgebieten innerhalb der letzten 27 Jahre wissenschaftlich nachgewiesen werden. Die Erkenntnisse aus dem Forschungsvorhaben und die Erfahrungen der Krefelder Insektenforscher beim Sammeln und Auswerten von Insektenproben sollen in die laufende Entwicklung eines bundesweiten Insektenmonitorings einfließen.

Das Bundeskabinett hatte Ende Juni einen Aktionsprogramm Insektenschutz verabschiedet. Ziel des Programms ist es auch bestehende Wissenslücken über das Insektensterben zu schließen und ein bundesweit einheitliches Insektenmonitoring einzuführen. Auf Basis dieser Eckpunkte will das BMU Vorschläge für konkrete Insektenschutzmaßnahmen bis Herbst 2018 erarbeiten und eine breite öffentliche Diskussion starten. Die konkreten Maßnahmen sollen dann bis zum Sommer 2019 vom Kabinett beschlossen werden.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Alfons Lauer

Wie beim Fußball

Es ist wie beim Fußball, alle Dummköpfe "braddeln" und "schwafeln" mit, aber offensichtlich kann keiner richtig Fußball spielen! So auch in den Kritiken an der Landwirtschft. Hat von den Allesmeckerern schon einmal jemand in der Landwirtschaft gearbeitet oder wenigstens eine Fachausbildung? Was qualifiziert diese Leute, angebliche Missstände aufzuzeigen? Unsere Bauernjugend läuft uns auch deshalb davon, weil diese Negativstimmungsmache auf Dauer unerträglich wird!

von Christop Bommes

Ein Schelm...

....wer Böses dabei denkt? Blanker Ablasshandel! Soviel zur Fachkompetenz in Politik und Wissenschaft.

von Karlheinz Gruber

to Jörg Meyer (Meine at Taste weigert sich leider hier in TA)

Vielleicht hört aber auch mal die Landwirtschaft auf, sich narrativ zu verhalten, sobald sich irgendwo etwas möglicherweise gegen die Landwirtschaft ergibt. Ich bin konv. Landwirt und verteidige diese Art bisher auch. ABER: Jede Art der Produktion ist ein Eingriff in die Natur. Und derzeit ist es nicht zu leugnen, daß manche Arten nicht die " gefühlte" Stärke haben, die sie haben sollten. Und manchem Hobbyforscher, traue ich mehr zu, als einem Renommierten Studierten, der nie in seiner Ausbildung draußen war. Das Problem ist doch vor allem die Deutung der Ergebnisse durch die NGOs wie es in einem anderen Beitrag beschrieben wird. Wir können und wir müssen den Leuten erklären, daß die Landwirtschaft mit Sicherheit auch ein paar Prozentpunkte am Artenschwund hat = Ehrlichkeit. Das bestreite ich definitiv nicht. Die Frage ist für mich vielmehr. Wie kann ich dies wieder ändern und was ist Schuld daran = Gegenfrage und Aufzeigen von weiteren Problemen. Die Auflagen durch den Gesetzgeber und den NGOs im Hintergrund? Was kann ich an meiner Produktion ändern? Randstreifen? Hier ist relativ einfach und schnell etwas Besserung in Sicht = bin aus der Schußlinie, weil ich was getan habe. Die andere Seite ist, wer ist noch Schuld daran? Und hier sind die Hobbyforscher manchmal ein Glücksfall (ich kenne die Krefelder nicht... ) Aber je mehr Hobbyforscher, umso breiter die Ergebnisse. Und dies im Hinblick auf Lichtverschmutzung, Hausgärten, Neophyten, Haustiere, Schadnager usw. Die haben die Zeit, daß Sie dies direkt vor der Haustüre beleuchten können, solange Sie neutral gegenüber den NGOs sind. Wir Landwirte müssen nur noch wieder lernen, daß wir das Alte Wissen und die alten Bezüge zur und in der Natur wieder in den Vordergrund stellen. PSM und Dünger sind nur der Ausgleich zu dem, was mir die Natur nicht in vollem Umfang geben kann. Und damit sollte man aber auch die richtige Dosierung finden und es nicht als Allheilmittel hernehmen!!! Die Natur läßt sich nur begrenzt drein pfuschen. Siehe Resistenzen....

von Jörg Meyer

Verschwendung öffentlicher Mittel

Um echte Ursachenforschung geht es hier doch gar nicht, aber ich bin mir sicher, dass die Ergebnisse der Krefelder Forscher dazu beitragen werden, das Narrativ vom Insektensterben noch ein paar weitere Jahre am Leben zu halten. Damit wäre dann auch die Auftragslage für Dr. Sorg gesichert, der seit Abschluss seines Studiums in den 80er Jahren als freischaffender Gutachter, Autor und letztlich Auftragsforscher arbeitet (siehe http://biota.de/b-sorg.html). Es gab breite Kritik an der Methodik der Krefelder Insektenstudie aus dem letzten Jahr, die übrigens auch schon mit Mitteln des Bundesamtes für Naturschutz öffentlich gefördert wurde. Vermutlich war die Probenahme mit den Malaisefallen nie als systematische Untersuchung geplant. Wenn jetzt die alten Proben ausgewertet werden sollen, bleibt weiterhin das Problem, das diese Proben keinen repräsentativen Querschnitt unserer Agrarlandschaft abbilden und damit die Aussagekraft sehr begrenzt ist. Wenn das Insektensterben wirklich so besorgniserregend wäre, wie wir das immer in der Zeitung zu lesen bekommen, dann müssten jetzt Mittel und Kräfte gebündelt werden, um Ausmaß und Ursachen systematisch zu erfassen. Oder wie der Wissenschaftliche Beirat des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmittel empfiehlt: "Des Weiteren besteht methodischer Entwicklungsbedarf, da am Datensatz der vorliegenden Studie Kritik z. B. wegen der Begrenzung auf Standorte im Raum Krefeld und die Beschränkung des Monitorings auf Fluginsekten geäußert wurde. Um solcher Kritik in der Zukunft zu entgehen, ist ein repräsentatives, umfassendes Langzeit-Monitoring notwendig." Es gibt auch bereits einen Gold-Standard, wie das zu leisten wäre, und zwar am britischen Rothamsted Institut (https://www.rothamsted.ac.uk/insect-survey). Hobbyforscher können das nicht leisten. Man gewinnt daher den Eindruck, hier geht es zum einem um die Schaffung von Evidenz, die der eigenen Politik zuträglich ist, und zum anderen um die Versorgung der eigenen Seilschaften.

von Ansgar Tubes

Unfassbar!

Für mich unbegreiflich, wie man dieser Hobbytruppe, die es mit einer Studie, die jeder halbwegs genaue Statistiker wegen akuter Mängel in der Luft zerpflücken würde, geschafft hat, in ganz Deutschland Weltuntergangsstimmung auszulösen, auch noch öffentliche Gelder in den A... schieben kann! Schade um die Steuergelder, die in anderen Bereichen wesentlich sinnvoller einzusetzen wären. Dabei finden wir draußen, selbst in unseren intensiv geführten Kulturbeständen, massenhaft Insekten - von einem Verlust der Artenvielfalt kann doch keine Rede mehr sein. Aber das passt den Politikern meist grüner Coleur und vielen fragwürdigen Umweltverbänden natürlich nicht in den Kram. Es ist ja schon weiter unten angeklungen - Deutschland verkommt immer mehr zur Bananenrepublik!

von Reinhold Klüh

Alles klar !

Wie wird man Mückenzähler ??

von Albert Maier

Insektenstreben gibt es nicht

Dieses Jahr soviele Insekten wie schon lange nicht mehr, besonders Schmetterlinge! (Meldung in den SWR Nachrichten)

von Wilhelm Gebken

Verrückte Bananenrepublik Deutschland

Auf der Internetseite des NABU steht, dass bei der Krefelder Studie Einflußfaktoren wie Pestizideinsatz nicht berücksichtigt werden konnten. Sprich: Niemand weiß, ob Pestizide einen Einfluß auf die untersuchten Insektenpopulationen hatten oder nicht. Trotzdem höre ich landauf landab immer nur schnappatmendes Geschrei der üblichen Hysteriker nach weiteren Pestizidverboten für die Landwirtschaft um das "Insektensterben" zu stoppen. Es ist schon irre, in was für einer Bananenrepublik wir inwischen leben. P. S.: Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin den Krefelder Forschern dankbar für ihre Arbeit und ihre nicht selbstverständliche Mühe. Nur dürfen wir das Feld nicht den chronischen Schnappatmern überlassen.

von Reinhard Matzat

Die Datenbasis aus diesem Jahr währe Interessant. Und auch der vergleich der Datenerhebung zu den anderen Jahren wo im Frühjahr der Spätfrost die erste Brut gerne mal zerstört, was in den letzten Jahren (bis auf dieses Jahr) besonders häufig auftrat.

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