EU-Parlament/Anhörung Umwelt

Krempelt EU-Umweltkommissar der Y-Generation die Agrarlandschaft völlig um?

Mit 28 Jahren ist er der Shooting Star im Von der Leyen Team. Er gehört dem Litauischen Bauernvolksbund an. "Business as usual" in der Landwirtschaft geht gar nicht mehr, sagt er.

Bei den Anhörungen der drei designierten EU-Kommissare für die Bereiche Umwelt, Energie und Haushalt am Donnerstag im Europäischen Parlament schälte sich ein neues Anforderungsprofil an die europäische Landwirtschaft heraus. Der von Ursula von der Leyen als neue Kommissionschefin proklamierte „European Green Deal“ wird die europäischen Landwirte künftig stärker in die Pflicht nehmen.

Sowohl bei der Reduktion von Treibhausgasen, als auch der Reinhaltung von Böden, Luft und Wasser kommen auf die Land- und Forstwirte neue Anforderungen zu.

Schlagen sich die steigenden gesellschaftlichen Erwartungen für mehr Klima- und Umweltschutz sowie die Forderungen an mehr Biodiversität, Naturschutz und Tierwohl sowie Reduktionziele bei Düngung und Pflanzenschutzmittel in den Haushaltsplänen im kommenden Jahrzehnt im Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR 2021-2027) zugunsten der GAP und in der bäuerlichen Einkommenssicherung nieder?

Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Null-Verschmutzung im Fokus

Virginius Sinkevicius, mit 28 Jahren der jüngste Kandidat der jemals in der EU-Kommission aufgestellt wurde, übernimmt als Senkrechtstarter aus Litauen mit dem Ressort `Umwelt und Ozeane` ein für die Landwirtschaft prägendes Portfolio.

Um die Zukunft des Planeten zu sichern, die internationalen Klimaziele zu erfüllen und den Verlust biologischer Vielfalt einzudämmen, wartete der Vertreter der Y-Generation in der Anhörung am Donnerstag im EU-Parlament mit drei Hauptprioritäten auf.

„Ich werde mich für den Schutz der biologischen Vielfalt einsetzen, die Kreislaufwirtschaft aktiv fördern und das Ziel der Null-Verschmutzung verfolgen“. Was dies für die Landwirtschaft konkret bedeuten soll, ließ der jüngste Stern am Brüsseler EU-Himmel nicht offen. Er wolle bis zur UN-Konferenz zur Biologischen Vielfalt in China im Jahre 2020 neue Standards für die Forst-, Nahrungs- und Landwirtschaft aufstellen.

„Wir können in der Landwirtschaft nicht so weitermachen wie bisher und business as usual betreiben“, sagte der 28jährige, der noch im Monat Oktober der zweiten Vaterschaft entgegensieht.

In der Sorge für die kommenden Generationen sehe er sich in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen für den von Kommissionspräsident von der Leyen zur Top-Priorität erklärten Green Deal für Europa.

Die Bereiche Landwirtschaft, Energie und Verkehr spielen für den bisherigen Wirtschaftsminister dabei eine Schlüsselrolle, um bis 2050 das Ziel einer CO2-neutralen EU zu erreichen.

Sinkevicius: "Man braucht mehr Geld um Artensterben zu stoppen"

Dabei weiß der baltische Jungpolitiker von seinem background her in Sachen Landwirtschaft durchaus Bescheid. Er gehört dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründeten Litauischen Bauernvolksbund an, die sich heute „Bund der Bauern und Grünen Litauens“ nennt.

„Man braucht mehr Geld um den Rückgang der Artenvielfalt zu stoppen und den Schutz der Umwelt zu verwirklichen“, so wie die von der Leyen-Kommission sich das vorgenommen habe, unterstreicht der ambitionierte junge Litauer.

Peter Liese: "Der junge Litauer ist ein Mann mit Potential"

Der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im EU-Parlament, Peter Liese, verteilte an den designierten Kommissar gute Noten: „Virginijus Sinkevičius ist ein Mann mit Potenzial und ich finde es ein gutes Zeichen an die Jugend, dass ein Vertreter der Generation Y im Kollegium der Kommissare sitzt und Stimme hat. Sein Hintergrund als Minister für Innovation in seinem Heimatland ist sicher eine gute Voraussetzung um Umweltschutz und Arbeitsplätze zusammenzubringen“.

Leserfrage: Grünes Kennzeichen auf einer Demo?

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Chancen

Abwarten, was er wirklich bringt und ob er neue innovative Vorschläge hat. Sollte er wirklich ernst machen, sogar sehr ernst machen, dann könnte das sogar positive Entwicklungen in der Landwirtschaft auslösen. Vor kurzem haben sich viele hier über das Mercosur-Abkommen erregt. Wenn der Umweltkommissar ernst macht, dann dürfte er die Anforderungen an die europäische Landwirtschaft auch auf die Importe ausweiten. Ob er sich das traut und dann auch schafft? Zweifel sind angebracht, aber dann wäre das wahrscheinlich kein Schaden für die Landwirtschaft.

von Christian Bothe

LW umkrempeln?

Auch dieser Herr wird mit seinen „langjährigen Erfahrungen in der LW“schnell geerdet. Vielleicht ein männlicher Pippi Langstrumpf?

von Bernhard ter Veen

aus Litauen...

...wenn er sich denn gegen die "Grossagrar Investoren" wehren kann... ansonsten seh ich dem nicht viel entgegen- ausser den übrigen EU-Ländern das Leben schwer machen und im eigenen Lande abkassieren wird da wohl nicht viel laufen...

von Anton Heukamp

Hat Greta eigentlich schon einen Posten in Brüssel oder Berlin angeboten bekommen? Sie würde sicherlich nicht weniger weitsichtig handeln. Wir umerzogenen Bauern werden nur noch als Bienenzüchter, Landschaftsgärtner und CO2-Speicher für die Umweltsünden der Gesellschaft verschlissen. Damit wir nicht zu laut werden (und viele Menschengut annuns verdienen können), beschäftigt uns die Bürokratie im Dauerfeuermodus.

von Wilhelm Grimm

Die Saat geht auf,

die unsere Grünen und ihre Mitläufer gelegt haben, da bei denen die Produktion von Nahrungsmitteln nicht dem Gemeinwohl dient und keiner Unterstützung durch die Agrarhaushalte würdig ist.

von Wilhelm Grimm

Schon die Alten Römer wussten :

"Schnell ist die Jugend mit dem Wort, das schwer sich handhabt wie des Messers Schneide" .

von Martin Schmidt

Geld für Ost Europa

Das Ganze wird doch wieder so verpackt, dass genügend Geld nach Ost Europa geschickt werden kann, um den Anti Putin Schutzwall aufrecht zu erhalten. Jedes in West und Mitteleuropa tut das natürlich Ziemlich weh.

von Anton Heukamp

"Spannenden" Zeiten sehen wir Landwirte entgegen. Die Worthülsen eines, von einer CDU(!)-Spitzenpolitikerin designierten, Kommissars klingen ambitioniert. Mal sehen wieviel Landwirtschaft er übrig lässt. Der Amazonaswald brennt und wir spielen grünes Monopoly. Nein, es geht nicht mehr um die Sicherung unserer Ernährung, die "Moral" steht im Vordergrund. Mir fehlen schlicht die Worte.

von Wolfgang Reiner

Da wird sich die Generationen

Y aber ganz schnell vom Acker machen.

von Renke Renken

Noch mehr Ungemach,

das hört gar nicht mehr auf, jetzt gilt es den Alarmknopf zu drücken

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