Landwirte wollen sich aktiv am Klimaschutz beteiligen

Der Deutsche Bauernverband (DBV) betont sein Engagement zum Klimaschutz. Er hofft einen Abschluss der Weltklimakonferenz mit international gültigen Regeln. Für das deutsche Klimaschutzgesetz legt er einen 8-Punkteplan vor.

„Der Klimawandel bedroht die Landwirtschaft, wir müssen hier weiter kommen“; sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied in dieser Woche vor Journalisten in Berlin. Vor dem Hintergrund der stockenden Verhandlungen bei der Klimakonferenz in Kattowitz mahnt er heute eine Fertigstellung des Regelbuchs zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens an. Es müssten international gültige Regeln für eine vergleichbare Treibhausgasbilanzierung verabschiedet werden, hieß es beim DBV.

Zum geplanten deutschen Klimaschutzgesetz veröffentlichte der DBV heute ein Positionspapier mit acht Klimaschutzmaßnahmen für die Landwirtschaft. Sie basieren alle auf der Klimastrategie, die der DBV bereits im Januar 2018 veröffentlicht hatte und lauten:

  1. Ausbringung von Düngemitteln und Effizienz des Stickstoffeinsatzes verbessern
  2. Wirtschaftsdüngervergärung auf 60 % steigern und Emissionen aus der Lagerhaltung von Wirtschaftsdüngern und Gärresten mindern
  3. Klimaeffizienz in der Tierhaltung erhöhen
  4. Humusaufbau in Böden fördern
  5. Senken der Landnutzung fördern: Wald und Dauergrünland
  6. Entwässerte Moorböden und andere kohlenstoffreiche Flächen als Kohlenstoffspeicher nutzen
  7. Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Sektor Landwirtschaft steigern
  8. Flächenverbrauch senken

Die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland dürfe nicht in Frage gestellt werden, heißt es in dem Papier. Mit Blick auf Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft strebt der DBV einen Anteil der in Biogasanlagen vergorenen Gülle von 60 Prozent an. Dazu soll die bisherige Kleinanlagenregelung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aufgehoben werden, um auch in Anlagen bis 150 kW wirtschaftlich Gülle vergären zu können. Zur Verringerung von Emissionen aus der Tierhaltung plädiert der DBV für eine langfristig verlässliche Strategie, die Umwelt - und Tierwohlanforderungen verbindet. Nationale Abstockungen des Viehbestands und Verlagerung der Produktion in das Ausland dietnen nicht dem globalen Klimaschutz, schreibt der DBV. Fortschritte in der N-reduzierten Fütterung müssten verbreitet werden.

Die Bundesregierung will im Frühling 2019 verbindliche Klimaschutzmaßnahmen für alle Sektoren in einem Klimaschutzgesetz festschreiben. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat dafür in ihrem Ministerium einen Zehn-Punkte-Plan entwickelt, mit dem sie die Verhandlungen mit dem federführenden Bundesumweltministerium (BMU) führt. Er sieht vor allem Maßnahmen vor, die über das neue Düngerecht von 2017 erreicht werden sollen. Als wichtigste Maßnahmen bezeichnete Klöckner die Stickstoff-Überschüsse zu senken, mehr Gülle in Biogasanlagen zu vergären sowie eine klimafreundliche Tierhaltung zu fördern.

Die Landwirtschaft hat im Vergleich zu der Energiewirtschaft, der Industrie, dem Gebäudesektor und dem Verkehr zwar die geringsten Treibhausgaseinsparungen vorzunehmen. Dennoch muss sie von dem gesetzten Ziel bis zum Jahr 2030 bis zu 34 Prozent CO2-Äquivalente im Vergleich zu 1990 einzusparen stand heute immer noch eine Reduktion von 15 bis 20 Prozent schaffen.

Das Positionspapier des DBV zum Klimaschutzgesetz gibt aus auf der Homepage des DBV zum Nachlesen.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Kniefall vor dem Schwachsinn?

Was soll das Geheische? Die ganzen Punkte sind doch eh schon am laufen. Was will der DBV damit erreichen? Katzbuckeln? Billiger geht wohl nicht mehr? Anstatt den Finger dahin zu legen wo es weh tun sollte, legt man wieder mal lieber "mea culpa" rufend den Rückwärtsgang ein. Doch was bringt das alles? Selbst wenn wir in DE die ganze Tierhaltung abschaffen würden, die ganzen C02-Emissionen auf Null zurückfahren. Solange sich die Anzahl der zweibeinigen Rindviechern dann nicht auch in Grenzen halten wird, können wir soviel Vierbeinige abschaffen wie wir wollen. Es wird nichts bringen. Sind den nicht mittlerweile die Tierbestände bei uns rückläufig? Dafür explodiert aber der Mensch. Seit 1950 legte die Weltbevölkerung das 3-fache zu, von 2,5 Mrd. auf ca. 8 Mrd. Wieviele Emissionen trägt der einzelne Mensch zur Erderwärmung bei? Solange dies nicht berücksichtigt wird sind alle anderen Stellschrauben nur Makulatur.

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