Moderne Tierhaltung muss Ansprüche von Tieren und Gesellschaft berücksichtigen

Die konsequente Umsetzung und Kommunizierung des Tierwohls wird in den kommenden Jahren ein noch wichtigerer Teil der täglichen Arbeit der Tierhalter werden.

Die konsequente Umsetzung und Kommunizierung des Tierwohls wird in den kommenden Jahren ein noch wichtigerer Teil der täglichen Arbeit der Tierhalter werden. Auf diesen gemeinsamen Nenner konnten sich die Teilnehmer eines Themenabends verständigen, den die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) vergangene Woche in Berlin unter das Motto „Moderne Tierhaltung“ gestellt hatte.

Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, lobte in diesem Zusammenhang die Tierwohl-Initiative des deutschen Handels als richtigen Ansatz, die Interessen von Landwirten, Tieren und Verbrauchern unter einen Hut zu bringen. Er sieht aber ungeachtet dessen auch bei hohen ethischen Anforderungen und Tierschutzstandards gerade in vieharmen Regionen wie Brandenburg noch erhebliches Wachstumspotential für eine umweltfreundliche und gesellschaftlich akzeptierte Tierhaltung.

Landwirte gut ausgebildet

Laut Folgart ist der weitaus größte Teil der deutschen Bauern bestens ausgebildet und unterliegt zudem einem engen Netz staatlicher Kontrollen, was den Einsatz von Pflanzenschutzmittel, Dünger aber auch die Haltung von Tieren angeht. Für eine Agrarwende wie sie beispielsweise das Aktionsbündnis „Agrarwende Berlin-Brandenburg“ fordert, sieht er deshalb keinen Anlass.

Der DBV-Vizepräsident räumte zwar ein, dass in viehstarken Regionen wie Südoldenburg echte Probleme mit der Grundwasserqualität existierten. In den ostdeutschen Bundesländern fehle es aber dagegen für eine echte Kreislaufwirtschaft sogar an Tieren. In Brandenburg sei der Rinderbestand seit der Wende um mehr als die Hälfte eingebrochen, und der Rinderbesatz rangiere mit etwa 0,5 Großvieheinheiten (GV) pro Hektar weit unter dem westdeutschen Durchschnitt.

Die gute fachliche Praxis gehe jedoch für einen gesunden Nährstoffkreislauf von 2 GV/ha aus, so dass insbesondere im Osten noch viel „Luft nach oben“ bestehe, sagte Folgart. Er betonte, dass eine stärkere regionale Viehproduktion neben der zusätzlichen Wertschöpfung auch positive Arbeitsplatzeffekte im traditionell strukturschwachen ländlichen Raum hätte.

Richtungsdiskussion notwendig

Der Sprecher der ökologischen Anbauverbände Brandenburgs, Sascha Philipp, wies auf die schwierige Definition des Begriffs „Massentierhaltung“ hin und machte sich stattdessen für eine wesensgemäße Tierhaltung stark, die insbesondere auf die artspezifischen Ansprüche von Nutztieren Rücksicht nimmt.

Für Philipp ist der Begriff „Massentierhaltung“ kaum an der Zahl der Tiere oder an der Betriebsgröße festzumachen. Am Beispiel des eigenen Demeter-Betriebes mit 600 Milchkühen zeigte er auf, dass eine tiergerechte Haltung mit viel Platz und Weidegang auch in einem nach landläufiger Meinung großen Agrarunternehmen möglich ist.

Er sei trotzdem oft mit skeptischen Meinungen konfrontiert, die auch seine Wirtschaftsweise in Frage stellten, berichtete der Landwirt. Er forderte deshalb eine Richtungsdiskussion. Landwirtschaft und Gesellschaft müssten sich darüber klar werden, wohin sich die Tierhaltung entwickeln solle. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass alles, was der Tiergerechtigkeit zugute komme, auch Geld koste.

Philipp kritisierte mit Blick auf die laufende Debatte, dass stets nur von „Massentierhaltung“ versus „artgerechte Tierhaltung“ gesprochen werde. Ihm zufolge ist aber auch die Umsetzung einer artgerechten Tierhaltung nicht immer ohne ethische Probleme möglich, weshalb er für eine wesensgemäße Haltung von Tieren warb. Dabei kann gerechte Tierhaltung nach Angaben des Demeter-Landwirts nicht allein auf Quadratmeteransprüche reduziert werden, sondern muss auf die besonderen Ansprüche des Tieres Rücksicht nehmen. Bei Kühen bedeutet dies laut Philipp unter anderem Weidegang und den Verzicht auf Enthornung.
 

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