Anhörungen im EU-Parlament

Neue EU-Gesundheitskommissarin will Pflanzenschutz unter die Lupe nehmen

Green Deal Ernst nehmen will die designierte EU-Gesundheitskommissarin. Dazu gehöre die Untersuchung chronischer Gesundheitsgefahren durch Pestizide

Die designierte Nachfolgerin für den noch amtierenden EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, die Zyriotin Stella Kyriakides, machte bei der dreistündigen Anhörung im EU-Parlament am Dienstagabend eine gute Figur. Sie will den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft reduzieren und der zunehmenden Antimikrobiellen Resistenzen gegenüber Antibiotika (AMR) in der Human- und Tiermedizin entgegenwirken.

Dies ist die Anforderung, die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihrer für Gesundheit zuständigen Kollegin aus Zypern ins Aufgabenheft geschrieben hat.

Die 63-Jährige konservative Politikerin ist studierte Kinderpsychologin und war im Gesundheitsministerium ihres Heimatlandes von 1979 bis 2006 für Kinderpsychologie verantwortlich. Im zypriotischen Parlament war sie Mitglied im Gesundheitsausschuss. Besonders war sie im Kampf gegen Brustkrebs engagiert und erarbeitete die nationale Krebsstrategie für Zypern.

In ihrem neuen Verantwortungsbereich in Brüssel soll sie in der EU-Kommission auch Verantwortung beim Gesundheitsschutz für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, die Bewältigung der Antimikrobiellen Resistenzen (AMR) sowie dem Insektenschutz übernehmen. Zu ihrem Aufgabenbereich gehört in diesem Zusammenhang auch die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa im italienischen Parma.

Antimikrobielle Resistenzen zum Schwerpunkt ihrer Arbeit machen

„Dem Thema AMR werde ich große Aufmerksamkeit schenken und die Pharmazeutische Industrie auffordern, in ihren Bemühungen bei der Erforschung und Entwicklung von neuen Antibiotika nicht nachzulassen“, sagte die Zypriotin am Dienstagabend im EU-Parlament in Brüssel.

Dem Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz – und dazu zählten auch der Arbeitsplatz Landwirtschaft – habe die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine Priorität eingeräumt- Ihr Auftrag sei es, so Kyriakides

endokrine Disruptoren als wichtigen Punkt auf der Agenda der neuen vdL Kommission zu verfolgen. Hier gehe es insbesondere darum, kanzerogene und mutagene Stoffe neu zu bewerten.

Zum Thema Pflanzenschutz kündigte die designierte EU-Gesundheitskommissarin die Umsetzung des Gesundheitsschutzes bei Pflanzenschutzmittel auf den Prüfstand stellen zu wollen.

Kyriakides: "Strenge EU-Regeln bei Pestiziden wurden nicht ordentlich umgesetzt"

„Wir sind uns allen bewusst, dass es jetzt schon strenge Regeln gibt zu Pestiziden in der EU, aber wir wissen auch, dass diese Regeln nicht ordentlich umgesetzt wurden in der Vergangenheit“, sagte Kyriakides. Das EU-Parlament habe im Abschlussbericht des PEST-Ausschusses zu Recht mehr Rechenschaftspflicht gefordert.

„Ich verpflichte mich die Abhängigkeit von Pestiziden zu reduzieren und stärker in weniger risikobefrachtete Substanzen in Zukunft zu investieren. Dies sehe ich als meine Aufgabe im Rahmen des European Green Deal wie dies EU-Kommissionspräsident Von der Leyen vorgezeichnet hat“.

Die EU-Bürger seinen besorgt und die neue EU-Kommission sei gefordert, schnelle Ergebnisse zu liefern. Auch beim Insektenschutz ließ die designierte EU-Gesundheitskommissarin keine Frage der EU-Abgeordneten unbeantwortet, sondern machte klare Ansagen:

Schutz der Bienen und anderer bestäubender Insekten nicht vernachlässigen

„Ich werde mich verpflichten, den Schutz der Bienen und anderer bestäubender Insekten nicht zu vernachlässigen, falls Sie mich im Amt bestätigen. Dies ist Teil des Green Deals, aggressive Pestizide wie Neonikotinoide, die ja bereits 2013 in der landwirtschaftlichen Anwendung untersagt worden seien. im Auge zu behalten". Es müsse eingeräumt werden, dass es Schwierigkeiten bei der Anwendung des Efsa-Leitdokumentes in den Mitgliedstaaten gegeben habe.

"Da müssen wir nachhaken und neben der Evaluierung von akuten Gefahren muss auch ein besonderes Augenmerk auf die Bewertung von chronischen Schäden in Zukunft gelegt werden“, sagte Kyriakides in der Anhörung am Dienstag. Es müsste nicht nur die akute, sondern auch chronische Gefahren evaluiert werden in Zukunft, kündigte Kyriakides an.

Farm-to-fork-Ansatz weiterentwickeln

„Dafür brauchen wir den Green Deal und müssen den Farm to fork-Ansatz weiterentwickeln. Es geht konkret darum, die vorhandene Gesetzgebung muss auch angewandt werden“, betonte die designierte EU-Gesundheitskommissarin.

„Ich kann ihnen nur sagen, dass ich alles tun werde, um einen Konsens zu erzielen, dass in allen Mitgliedstaaten die beschlossene Gesetzgebung auch tatsächlich umgesetzt wird“.

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Das möchte ich mal sehen

Das Problem antimikrobieller Resistenzen ist ein Humanmedizin-Problem. Immerhin stammen ca. 95 % der Resistenzen aus der Humanmedizin. Das wird eine ganz harte Nuss zu knacken - falls sie sich da überhaupt herantraut.

von Wilhelm Grimm

Jedes Land ein Kommissar macht die EU kaputt.

Dann wird die AfD recht behalten, denn Qualität muss Vorrang haben.

von Wilhelm Grimm

Wie bei Mao Tse Tung

sollte die Dame zunächst für ein Jahr auf`s Land geschickt werden !

von Peter Held

Pflanzenschutzmittel Zulassung

In die Pflanzenschutzmittel Zulassung gehört in der Tat mehr Transparenz und Konsequenz und wahrscheinlich ein qualifizierteres Zulassungsverfahren. Mehr Feldversuche und eine vertiefte Forschung in der Wirkungsbreite, die auch auf die Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen eingeht. Die Zulassungsberichte gehören veröffentlicht in verkürzter Form - damit die Urheberrechte der Firmen gewahrt bleiben - und in deutscher Sprache. Das Wenige, was veröffentlicht ist, ist in Fachenglisch für Toxikologen geschrieben! Die Pflanzenschutzmittel Zulassung sollte in Anlehnung an die wesentlich transparentere Arzneimittelzulassung gestaltet werden.

von Josef Fischer

Bitte keine einseitigen Untersuchungen

Wenn schon die Gesundheitskommisarin Pflanzenschutzmittel stärker prüfen will, dann sollte doch bitte auch mal der Umweltkommisar die Auswirkungen von Medikamentenrückständen im Abwasser auf die Umwelt untersuchen. Wird aber sicher nicht passieren...

von Gerhard Steffek

Farm to fork

Ende des 19. Jhd's war jeder 4. Landwirt. Da hätte dann heutzutage die breite Masse wenigstens wieder mehr Ahnung von Landwirtschaft und die Grünen, wie ihre ganze NGO-Anhängerschaft, nichts mehr zu vermelden. Vielleicht zieht dann wenigstens wieder mehr Sach- und Fachverstand ein.

von Klaus Goller

Farm to fork

Bauern zurück an die Mistgabel ins 19 te Jahrhundert

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