Serbiens katastrophaler Umgang mit der Aflatoxin-Krise

Filz, Vertuschung und Ablenkung: Alles andere als vorbildlich und transparent sind die Maßnahmen, mit denen Serbien derzeit versucht, den Skandal um mit Aflatoxin verunreinigte Futtermittel und Milch im eigenen Land aus der Welt zu schaffen. Sollte stimmen, was DIE ZEIT berichtet, so versucht die Regierung das Problem seit Monaten auszusitzen und kleinzureden.

Filz, Vertuschung und Ablenkung: Alles andere als vorbildlich und transparent sind die Maßnahmen, mit denen Serbien derzeit versucht, den Skandal um mit Aflatoxin verunreinigte Futtermittel und Milch im eigenen Land aus der Welt zu schaffen. Sollte stimmen, was DIE ZEIT berichtet, so versucht die Regierung das Problem seit Monaten auszusitzen und kleinzureden. Denn schon im Oktober letzten Jahres soll in Lieferungen nach Italien Schimmelpilz entdeckt worden sein.

Agrarminister Goran Knežević hat sich jetzt allerdings erst einmal bestätigen lassen, dass er keine Schuld an der Affäre trägt, schreibt die Zeitung weiter. Stattdessen mussten vier Abteilungsleiter stellvertretend gehen, weil in den vergangenen Wochen belastete Milch in unzähligen Supermärkten in mehreren Staaten Ex-Jugoslawiens aufgetaucht war. Anschließend hatte Knežević offenbar versucht, den EU-weit gültigen Grenzwert für Aflatoxin von 0,05 auf 0,5 Mikrogramm pro Liter anzuheben, womit die Krise quasi gelöst gewesen wäre. Sein Parteichef hatte dies jedoch verhindert, schreibt die ZEIT.

Unterdessen müssen die Betroffenen weiterhin alleine mit dem Schaden und der mangelhaften Informationspolitik der Regierung klarkommen. Die Molkereien würden bereits Absatzeinbrüche von 50 % spüren. Laut Schätzungen drohen ihnen Verluste von monatlich 50 Mio. Euro. Noch mehr dürfte es bei Serbiens Getreidebauern sein. Mais ist für den EU-Anwärter ein wichtiger Devisenbringer. Jährlich führt Serbien 1,5 Mio. t davon aus: Mit einem Jahresexporterlös von 387 Mio. Dollar ist Mais das ertragreichste Agrarprodukt des Landes. Doch der Handel mit serbischem Mais ist praktisch zum Erliegen gekommen. "Der Markt ist tot", berichtet ein Getreidebauer auf dem Fachportal Stips.

Minister vertuscht auf Teufel komm raus

Aus Belgrad würden die Bauern dagegen nur schöngeredete Worte, absurde Behauptungen und Halbwahrheiten zu hören bekommen, heißt es. Während im benachbarten Kroatien belastete Milch im Februar relativ zügig aus dem Verkehr gezogen wurde, machte sich Serbiens Agrarminister erst einmal auf die Suche nach dem vermeintlich Schuldigen.

Wie es im Zeitungsbericht weiter heißt, hätte Serbien auch gar nicht effektiv kontrollieren können, da man es trotz Mahnungen der EU versäumt habe, moderne Labore aufzubauen. Dafür, dass verunreinigter Mais letztlich exportiert wurde, sei allein Minister Knežević verantwortlich. Sein Ministerium habe nach Informationen der ZEIT angewiesen, den belasteten Mais zu mischen und zu verfüttern.

Erst geschlagene vier Monate später habe er die Bauern informiert, dass sie den Mais nicht mehr verfüttern sollten. Ein anderes Mal ließ er 28 Milchsorten wegen erhöhter Aflatoxin-Werte aus dem Verkehr ziehen, dann wieder für unbedenklich erklären. Auf die Veröffentlichung der vom Ministerium mehrmals angekündigten Analysen eines niederländischen Labors warten die Verbraucher noch immer. Reif für die EU ist Serbien damit offenbar noch lange nicht. (ad)

Mehr:
Aflatoxin-Grenzwert bei Milchviehbetrieb in NRW überschritten (7.3.2013)
Gesundheitsbehörde zeigt Maisimporteur Toepfer International an (6.3.2013)
Mais aus Serbien muss ab jetzt durch strenge Kontrollen (6.3.2013)
 
 

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