Spritzmittelsteuer: In Zukunft nur noch Maisbrot?

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck will eine Steuer auf Pflanzenschutzmittel einführen. Dazu ein Kommentar von Sönke Hauschild vom Bauernverband SH: „Wer gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln agiert wie Robert Habeck, der kommt an. Gut für den Politiker, aber auch gut für den Menschen?

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck will eine Steuer auf Pflanzenschutzmittel einführen. Dazu ein Kommentar von Sönke Hauschild vom Bauernverband SH:

„Wer gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln agiert wie Robert Habeck mit der PSM-Abgabe, der kommt an. Gut für den Politiker Habeck, aber auch gut für den Menschen? Und wer fragt die Pflanzen? Warum eigentlich ist Tierschutz gut und Pflanzenschutz verwerflich?

Schon heute kann man die grüne Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark deutlich erkennen. Warum? Weil unsere Pflanzen gut ernährt und gesund erhalten werden. Das ist in Dänemark aus politischen Gründen schwieriger. Könnten Pflanzen laufen, würden sie sicherlich bei uns um Aufnahme bitten. Aber nicht mehr lange. Denn die von Robert Habeck geforderte PSM-Abgabe hätte gravierende Folgen.

Verbrauchen wir heute zu viel PSM? Wer den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bewerten will, sollte die verkaufte Menge ins Verhältnis zur Nutzfläche und dem Ertragsniveau setzen. PSM werden überwiegend auf dem Acker eingesetzt. Die Ackerfläche in Deutschland umfasst 12 Mio. Hektar. Nehmen wir an, dass 98 % der Wirkstoffe auf dem Acker eingesetzt werden. Dann liegt die Wirkstoffmenge im Mittel der letzten 22 Jahre bei 2,56 kg je Hektar. In dieser Zeit ist der Wirkstoffeinsatz leicht angestiegen. Zugleich stieg aber der Ertrag.

Fazit: Die Intensität des PSM-Einsatzes blieb über die Jahre relativ konstant. Der Grund ist einfach: PSM kosten viel Geld, auch ohne die Habeck-Steuer. Deswegen orientieren Landwirte den Einsatz seit jeher am pflanzenbaulichen Bedarf. Das Ziel ist immer, die Ackerpflanzen gesund zu erhalten und ein Erntegut zu erzeugen, dass frei von der Belastung mit pilzlichen oder sonstigen Schaderregern ist. Dagegen sollte auch ein grüner Minister nichts haben – oder tun. Pflanzenschutz ist auch Menschenschutz.

Was droht bei einer Habeck-Steuer?

Jeder kennt das von seinem Hausarzt: Ein unzureichender Einsatz von Mitteln kann die Resistenzbildung fördern. Davon rät übrigens auch der Pflanzenschutzdienst des Ministers Habeck ab!

  • Die Gewährleistung einer hohen Qualität wird schwieriger (Verpilzung).
  • Ganz wichtig: Die Ertragsstabilität wird auch in guten Jahren in Frage gestellt! Gerade in diesem Erntejahr zeigt sich, wie wichtig stabil hohe Erträge sind.
  • Die Wirtschaftlichkeit von Pflanzen mit einem geringen PSM-Einsatz steigt: Ein Gewinner wird der Mais sein, zum Nachteil für Sonderkulturen und Kartoffeln.

Am Ende ist sogar die von Habeck in Aussicht gestellte Lenkungswirkung in Frage zu stellen. Denn bereits heute wird nur behandelt, wenn es notwendig ist. Landwirte werden auch in Zukunft ihre Verantwortung gegenüber dem Verbraucher wahrnehmen. Es wird also nicht zu einer Verschlechterung der Qualität kommen. Sehr wohl aber sind Veränderungen im Anbau möglich, weg von PSM-intensiven Kulturen wie Raps und Weizen.

Aber Popcorn und Maisbrot können ja auch schmecken. Und wer braucht schon gelbe Rapsflächen im Frühjahr?

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Sönke Hauschild

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