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UBA facht Debatte um Glyphosat neu an

Das Umweltbundesamt (UBA) schaltet sich in die Debatte um die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat ein. Es präsentiert eine Langzeitstudie, in der Glyphosat über 15 Jahre im Urin von Probanden nachgewiesen wurde. Die Pflanzenschutzindustrie warnt vor Hysterie.

Lesezeit: 3 Minuten

Das Umweltbundesamt (UBA) schaltet sich in die Debatte um die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat ein. Es präsentiert eine Langzeitstudie, in der Glyphosat über 15 Jahre im Urin von Probanden nachgewiesen wurde. Die Pflanzenschutzindustrie warnt vor Hysterie.


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In einer Langzeitstudie hat das UBA untersuchen lassen, inwiefern sich Glyphosat im menschlichen Urin nachweisen lässt. Die Ergebnisse hat das Amt am Donnerstag veröffentlicht. Die gemessenen Werte liegen laut UBA um den Faktor 1.000 niedriger als die EU-Lebensmittelbehörde (Efsa) für vertretbar hält. Dennoch hält sie das UBA für beachtenswert. „Wir müssen die Datenlage zur Belastung beim Menschen verbessern“, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Sie fordert weitere Forschung dazu. Sie warnt davor, Glyphosat isoliert zu betrachten und spricht sich dafür aus, den Stoff gemeinsam mit allen zugesetzten Substanzen zu betrachten.


Für die Studie hat das UBA archivierte Urinproben aus seiner Umweltprobenbank auf ihren Gehalt an Glyphosat untersuchen lassen. Dabei handelte es sich um eine rund 400 Proben umfassenden Stichprobe über einen Zeitraum von 15 Jahren. Im Ergebnis liegen die gemessenen Glyphosat Werte über den Zeitverlauf auf verschieden hohen Niveaus. Danach ließ sich der Stoff im Jahr 2001 im Urin bei zehn Prozent der Teilnehmer nachweisen, 2013 wurde es laut den Daten bei knapp 60 Prozent der Testgruppe gemessen und im Jahr 2015 bei 40 Prozent. Auch die Konzentrationen von Glyphosat im Urin der Probanden variiert über die Jahre und erreichten im Jahr 2013 in der Spitze einen Wert von 2,8 μg/L. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat allerdings für Glyphosat eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 0,5 mg pro kg Körpergewicht festgelegt.


UBA sieht in den Werten keine Entwarnung


Das UBA gibt an, dass es die Daten noch weiter analysieren und prüfen lassen will. „Da derzeit über die weitere Zulassung von Glyphosat diskutiert wird, hat sich das Umweltbundesamt entschlossen, bereits vor der abschließenden Auswertung der Daten über den sich abzeichnenden Trend zu informieren“, begründet das UBA seine frühzeitige Veröffentlichung der Ergebnisse. Das UBA verweist des Weiteren darauf, dass die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“ eingestuft hat. „Folgt man der IARC-Bewertung, kann derzeit keine Entwarnung gegeben werden“, so das UBA weiter.


Die Pflanzenschutzindustrie beruft sich auf die Efsa


Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat, zu der sich die betroffenen Pflanzenschutzmittelhersteller zusammengeschlossen haben, warnt in Folge der UBA Veröffentlichung vor Hysterie. Der Nachweis von Glyphosat im Urin bedeute, dass die geringen aufgenommenen Glyphosatmengen sehr schnell wieder ausgeschieden werden, teilt die AGG in einer ersten Reaktion mit. „Der Wirkstoff ist weltweit umfassend von Zulassungsbehörden geprüft worden, stets mit positivem Ergebnis“, sagt Peter Hefner von der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat. Er sieht sich darin bestätigt, dass die Efsa dies im vergangenen Herbst noch einmal bestätigt habe.


Der BUND sieht seine Messungen bestätigt


Mit Glyphosat Werten aus dem Urin von Großstadtbewohnern hatte im Jahr 2013 bereits der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für Aufsehen gesorgt. Die Umweltschützer hatten nur eine Stichprobe von 182 Probanden untersuchen lassen und bei 70 Prozent davon Glyphosat im Urin nachgewiesen. „Die UBA-Studie zeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Glyphosat-Einsatz in der Landwirtschaft und der Belastung der Menschen gibt“, ist sich der BUND sicher. Er fordert von der Bundesregierung einen Ausstiegsplan für Glyphosat mit schrittweisen Reduktionszielen.


Die Studie es UBA finden Sie hier.