Sonder-Agrarministerkonferenz

Umbau der Tierhaltung: Wer bezahlt die Rechnung?

Die Agrarminister streben eine tiergerechte, flächengebundene und gesellschaftlich akzeptierte Tierhaltung an. Das klingt gut, aber die wichtigsten Fragen sind noch nicht beantwortet.

Patrick Liste, Stellvertr. Chefredakteur vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Das Protokoll der Sonder-Agrarministerkonferenz überrascht in der Deutlichkeit: Einstimmig folgen die Bundesländer den Empfehlungen der Borchert-Kommission. Sie wollen die Nutztierhaltung sowie die Fleischwirtschaft in Deutschland neu aufstellen. Ziel ist eine tiergerechte, flächengebundene und gesellschaftlich akzeptierte Tierhaltung.

Was nicht zu erwarten war und den Hinweisen der Landwirte zu verdanken ist: Die Minister benennen auch die Stolpersteine dorthin. Sie fordern von sich selbst bzw. dem Bund ein:

  • In Europa muss es vergleichbare Wettbewerbsbedingungen zur Tierhaltung geben. Zudem dürfen Importe aus Drittländern mit niedrigeren Standards nicht auf den EU-Markt drängen.
  • Die Vorgaben zum Immissionsrecht müssen auch mehr Tierwohl in den Ställen zulassen. Insbesondere kleinere Betriebe sollen von Verschärfungen verschont bleiben.
  • Die UTP-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken soll die Macht des Lebensmittelhandels eindämmen. Die Politik will Werbung mit Niedrigpreisen sowie Lockangebote verbieten.
  • Dezentrale Schlachthöfe sollen gestärkt werden, um eine regionale Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Fleisch zu ermöglichen.

Mehr Tierwohl kostet

Allein diese Pläne verlangen viel Zeit und Durchsetzungskraft. Hinzu kommt aber noch der größte Knackpunkt, den die Minister auch unmissverständlich formulieren: Mehr Tierwohl heißt mehr Kosten für die Landwirte. Und diese müssen für die nötigen Investitionen sowie höheren Produktionskosten einen Ausgleich erhalten. Wie dieser aussehen soll, steht noch nicht fest. Denkbar sind eine Tierwohlabgabe als Verbrauchssteuer, ein Tierwohl-Cent als Preisaufschlag für tierische Produkte oder ein mit EU-Mitteln finanzierter Ausgleich. Eine Machbarkeitsstudie soll bis Ende März 2021 Ergebnisse liefern.

Diese Ergebnisse müssen vorliegen, bevor es richtig losgeht. Denn es muss klar sein, wer die Rechnung bezahlt. Die Landwirte dürfen es nicht sein! Doch genau hier gibt es offene Fragen: Eine Tierwohlabgabe würde den Durchschnittsverbraucher 35 € pro Jahr kosten – wie viele können sich das angesichts Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit aufgrund der Corona-Pandemie leisten? Kann der Staat in der Corona-Krise verbindliche und mehrjährige Förderzusagen treffen? Wie ist sichergestellt, dass die Tierwohl-Zuschläge langfristig nicht den Erzeugerpreis senken? Und was ist überhaupt mit dem EU-Recht vereinbar?

Damit die Landwirte nicht auf den höheren Kosten sitzen bleiben, muss es zukunftsfähige Antworten geben. Nur dann gehen Landwirte mit und der Umbau der Tierhaltung kann gelingen.


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Diskussionen zum Artikel

von Josef Doll

Die WIR HABEN ES SATT

Scheuern bis das Eintritt was Sie wollen ! Sie machen die konti Landwirtschaft teuer, so teuer das sich nur die Biolandwirtschaft lohnt. Na ja die die jetzt umgestellt haben weil Sie glauben so eine Nische zu finden werden wohl zu teuer werden. Sie wollen unsere Landbewirtschaftung ... mehr anzeigen

von Wilfried Maser

Was kommt als nächstes

Man sollte sich genau überlegen ob man jetzt noch einen Euro in die Tierhaltung steckt, oder besser den Ausstieg plant. Die Forderungen an die Landwirte sind zur Zeit inflationär. Wer jetzt plant muss doch damit rechnen, dass die Anforderungen bei Erhalt einer Genehmigung schon ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

AMEN

.

von Gerd Uken

Wir machen das so wie die Niederländer

Die verkaufen/kessen demnächst CO2 Zertifikate und von dem Geld Bauen wir dann unsere schönen Tierwohlställe... Den sufgavewilligen versüßen wir den Ausstieg noch mit einer Art „Abwrackprämie“ Alles wird gut!(Ironie off) Ich weiß Nicht wer das alles bezahlen soll.

von Michael Prantl

Warum

soll ich Umbauen? Für wen und für was Schulden machen und die Jugend sagt nein. Kauft doch Euer Fleisch im Ausland - die freuen sich - weniger wird deshalb nicht verbraucht.

von Rudolf Rößle

Zeitung

heute. Serbien hat mit ruinösen Fleischpreisen zu kämpfen.

von Andreas Gerner

Niemand

Denn im Wesentlichen wird es keinen Umbau, sondern Abbau geben. Niemand ist so naiv, dass er glaubt man könne das investierte Geld je wieder erwirtschaften. Wenige Jahre nach Bezug der Ställe wird erneut verschärft. Das Investieren hört nie auf, wirft aber nichts ab. Erst wenn die ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Borchert Kommission?

Umbau der Tierhaltung?Wozu brauchen wir das?Absolut überflüssig,H.Liste!Wissen Sie wieviel tausende € seit der Wende auch in der LW allein im Osten investiert wurde?Borchert als Wessi weiß das scheinbar nicht, aber Sie sollten mal besser recherchieren...

von Rudolf Rößle

Wer zahlt

Der der baut.

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