Frankreich

Vorschlag: Direktzahlungen an Arbeitskraft ausrichten?

Ein französisches Institut plädiert für eine Abkehr von der Auszahlung der Agrarprämien anhand der Hektarzahl. Stattdessen sollte es eine Grundvergütung je Arbeitskraft von 8.000 Euro geben.

Für landwirtschaftliche Direktzahlungen, die an der Arbeitskraft anstelle der Hektarzahl ausgerichtet sind, hat sich das Institut „France Stratégie“ ausgesprochen.

In einem Ende Oktober vorgelegten Bericht schlägt das Gremium vor, die im Rahmen der Ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gewährten Beihilfen „an die landwirtschaftliche Arbeitseinheit“ zu zahlen und nicht mehr pro Hektar, wie es derzeit der Fall ist. So sollen die Widerstandsfähigkeit der Betriebe gegen Krisen und Preisschwankungen verbessert, umweltfreundliche Praktiken, die „zu einer höheren Arbeitsbelastung führen können“, begünstigt und beschäftigungsstarke Sektoren unterstützt werden.

Bei unverändertem GAP-Budget für Frankreich könnte die Grundvergütung auf Basis von Zahlen aus dem Jahr 2018 rund 8.000 Euro pro Vollzeitkraft für jeden der 711.000 französischen Landwirte und Mitarbeiter betragen. Das Gremium plädiert für einen schrittweisen Übergang zu dem vorgeschlagenen, neuen System, um die Betriebe finanziell nicht zu überfordern und negative Effekte zu vermeiden. Eine erste Etappe könnte in der Integration gekoppelter Zahlungen liegen, um diese nach und nach in Zahlungen je Arbeitskraft zu überführen.

Der zweite zentrale Vorschlag der öffentlichen Denkfabrik ist es, ein Bonus-Malus-System einzuführen, um „gute landwirtschaftliche Praktiken zu fördern“. Dieses sollte aus Steuern auf Betriebsmittel - genannt werden Pflanzenschutz- und Düngemittel, Antibiotika und der Tierbestand - finanziert werden.

Auch für Fleischsteuer

Die gesammelten Mittel würden es nach Einschätzung von France Stratégie ermöglichen, Bonuszahlungen zu finanzieren, die in den Erhalt von Dauergrünland, die Diversifizierung der Kulturen und in Gebiete von ökologischem Interesse fließen könnten. „Jeder Euro, der auf Pflanzenschutzmittel erhoben würde, würde in die Finanzierung von Beihilfen für die Agrarwende fließen“, erklärte der Generalkommissar von France Stratégie, Gilles de Margerie.

Im Einzelnen gehen die Überlegungen dahin, die Steuer auf landwirtschaftliche Betriebsmittel bei 15 % des Preises anzusetzen. Der Prozentsatz orientiert sich nach Angaben des Institutes an wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie Dänemark. Für Mineraldünger und Antibiotika sollte die Steuer nach den Vorstellungen von France Stratégie bei mindestens 20 % liegen. Die Steuer auf Fleisch, die bei den Schlachthöfen oder Großhändlern für Fleisch und tierische Produkte erhoben werden sollte, solle bei 30 Euro bis 56 Euro je CO2-Äquivalent liegen.

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Diskussionen zum Artikel

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von David Ziegler

vielleicht die einzige Alternative

Ein Vorschlag in diese Richtung könnte evtl. die einzige Alternative sein. Der Neiddebatte muss die Grundlage entzogen werden. Wenn man das Geld aus der 1. Säule in die agrarsozialen Systeme stecken würde, statt per Gießkanne auf die Verpächter zu verteilen wäre es langfristig gesichert. Aktuell geht ein Großteil des Haushalts des BMEL in die Stützung der agrarsozialen Systeme. Wer fordert dies zu kürzen? Niemand. Es will sich keiner als asozial hinstellen und offen fordern Sozialleistungen zu kürzen (außer der FDP vielleicht). Wo doch aktuell das BVerfG der Hartz4-Kürzung bei Arbeitsverweigerung einen Riegel vorgeschoben hat und die GroKo die Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung einführen will. Die 1. Säule zusammen mit den Ausgaben des BMEL als Zuschuss zu den agrarsozialen Versicherungssystemen würde die LSV in eine zukunftsfähige Form bringen, weg von Mini-Rente nur bei Hofaufgabe und schlechter Krankenkasse. Dies würde allen zu Gute kommen und für den Berufsnachwuchs Perspektiven zeigen. Und das Geld würde in der Landwirtschaft bleiben und nicht an die Verpächter durchgereicht.

von Willy Toft

Mehr Leute einstellen, damit noch schneller arm wird!

Ich will mich da nicht mal weiter rein denken, aber wenn gekürzt wird, dann wird auf der anderen Seite eher verzichtet, als den ganzen Bürokratismus auch noch einen Tag länger mit zu machen! Leute wacht auf, nun fangen die Brüssler auch schon an, uns noch mehr zu traktieren!

von Karlheinz Gruber

Verlierer sind die Familienbetriebe

der Strukturwandel geht noch schneller. Gewinner sind die Konzerne und Großbetriebe. 'Warum? Weil die erstens mehr Arbeitskräfte brauchen, weil dort die Arbeitskräfte allesamt gemeldet sind. wie soll das bei den Familienbetrieben sein? Die Ehefrauen/ Männer sind meistens Mifa. Ehegatten/Altenteiler/ Kinder arbeiten so auf dem Betrieb mit ohne Lohn usw. Dies wird nicht in "Rechnung" zu stellen sein. Ergo. Der Nachweis fehlt. Auch haben die Familienbetriebe höhere Arbeitsbelastungen als der Arbeitnehmer im Großbetrieb. Der Chef dort ist meist auch selber mit eingestellt, alle haben feste Arbeitszeiten und Vergütungen für Überstunden. Beim Familienbetrieb wird gearbeitet solange es notwendig ist, ohne Freizeitausgleich. die Berechnungen hierfür werden sehr zum Nachteil der Familienbetriebe ausgehen. Aber das ist so gewollt. Alles für die Großen und Konzerne...und die Politik und Industrie. Wer kauft denn zurzeit Landwirtschaftliche Großbetriebe und forciert diese? Jeder kennt die Antwort.....

von Martina Junker

Wer glaubt, dass es dann weniger Auflagen zu erfüllen gilt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann! Tut mir leid , aber so blauäugig kann ja wohl niemand sein.

von H. Bogen

Das viehhaltende 'Betriebe mehr Personal pro Hektar brauchen

als viehlose Ackerbauern will aber niemand hier abstreiten oder? Vielleicht liessen sich also durch solche Überlegungen Skandale wie die im Allgäu leichter vermeiden und das käme ja wohl wieder allen Landwirten zugute. Ausserdem würden mit dieser Regelung nur noch Alterskassenpflichtige Landwirte unterstüzt und somit könnten nicht wie bei uns irgendwelche Bio-Hobby-Feierabend Bauern die Pachtpreise nach oben treiben außer es ist ihnen wirklich Ernst mit ihrem Hobby

von Hermann Freese

Esser: als würde der Pachtpreis sinken und das Druchreichen verschwinden.. So laut kann ich gar nicht lachen..

von Bernhard ter Veen

@Esser

... ist glaub ich besser wenn ich DEM nichts mehr entgegen stelle... bringt eh nix.

von Heinrich Esser

@ter Veen

Nur weil es prämiert wird, heißt das ja nicht, dass Sie verpflichtet sind jemanden einzustellen. Sie würden also nach diesem System 8.000 € erhalten, mit dem jetzigen System würden Sie zwar mehr erhalten, aber deutlich höhere Auflagen erfüllen müssen. Zudem noch die negativen Effekte wie höhere Pachtpreise. Würden Sie die wahren Kosten des jetzigen Systems also miteinbeziehen, wäre es nicht mehr so lukrativ, auch wenn es auf den ersten Blick häufig den Anschein macht. Wenn wir einen kleineren Betrieb z.B. in Höhenlage mit Milchvieh betrachten, wird dieser durch eine Subventionierung der AK besser gestellt als jetzt. Im Grunde genommen würden sich die Prämien für die deutliche Mehrheit an Betrieben erhöhen.

von Bernhard ter Veen

@Esser

einfache Frage... einfache Rechnung... Ich als 1AK - 8000€ ...nächster Angestellter(noch nicht vorhanden aber) 8000€ ... macht 16000€ ... Kosten für die 2.AK im Jahr (soll ja auch rechtens bezahlt werden) 40000€ ... sind summasummarum 32000€ die ICH noch draufzahle... jetzt Zeigen Sie mir NUR eine Person die für 8000€ Jahresgehalt auf den Hof kommt... ...DAS ist Arbeitsbeschaffungsmassnahme auf KOSTEN der EigentumsGeführtenLandwirtschaftsBetriebe. ...Wir werden nicht auf einen Nenner kommen... aber- So oder So sind die kleinen Betriebe die Verlierer bei allen Systemen. ...geht ja schon fast so zu wie bei den Autoherstellern...Mio Gewinne einfahren und der Steuerzahler soll das Kurzarbeitergeld zahlen wenn wegen Überproduktion und Absatzschwäche das Band gebremst wird...

von Heinrich Esser

@ter Veen

Im Gegenteil, der Strukturwandel würde gebremst werden, da die Mehrzahl der Betriebe mehr Geld erhalten würde, als bisher. Die großen Betriebe erhielten dann entsprechend weniger. Denkbar wäre natürlich auch hier eine Degression und Kappung, um größere Betriebe mit ihren Kostenvorteilen nicht übermäßig zu fördern. Und die Förderung, die Sie bisher erhalten ist nicht gleich dem, was Ihnen überwiesen wird. Ganz interessant für Sie und Herrn Grimm dazu die Ausführung von Keckl: http://www.keckl.de/texte/Wie%20kommt%20die%20Landwirtschaft%20aus%20der%20Subventionsfalle.pdf

von Wilhelm Grimm

Auch in Frankreich gibt es "Studien"

speziell für die Grünen und die NGO´s gemacht. Da würde ich doch glatt noch eine AK für wenig Lohn einstellen. Und die BIOs lachen freudig erregt. Nein, das ist für die Tonne.

von Bernhard ter Veen

Einkommenswirksame Hilfe

Allmose nenn ich das... für meinen Betrieb wäre ein solches Fördermodell mehr als die hälfte weniger als jetzt. Bessere Marktpreise werden wir in absehbarer Zeit auch nicht bekommen... also soll ich meinen Betrieb aufgeben, wenn es nach (teilweise) Meinung der Kommentatoren geht ??? Strukturwandel auf Deubel komm raus wird das dann. ...für noch nen nutzlosen Arbeiter hab ich ja nix zu tun ...aber bekommen soll ich dann mehr als die Hälfte weniger...???...((( Warum soll das Agrarförderungssystem die Arbeitsplätze auf den Agrarfabriken finanzieren ??? wenn die Grossbauern sowenig haben das Sie ihre Leute nicht bezahlen können, müssen Sie halt selbst ein paar stunden mehr reissen...und nicht nur Schlauschnackend mit m mercedes inne gegend herumfahren um sich wieder nen neuen trecker zu kaufen, nur für die Augen der nachbarn...)))

von Hans-Heinrich Meyer

Landabgaberente

Früher gab es die Landabgaberente, um den nötigen Strukturwandel zu unterstützen. Die Prämie pro Arbeitskraft wird zuviele AK´s in der Landwirtschaft halten, mit all den negativen Folgen. Agrarsubventionen langsam runterfahren und Hilfen um den Strukturwandel zu meistern. Nur so kann die zunehmende Gängelung der deutschen Landwirtschaft aufgehalten werden.

von Heinrich Esser

@Lehr

Jetzt muss ich Sie aber berichtigen. Die Summe der Gelder würde ja nicht betroffen sein. Zur Zeit werden etwa 6 Mrd. Euro über Flächenprämien an die Betriebe verteilt. Diese werden nun über einen anderen Schlüssel, die Arbeitskräfte und nicht die Fläche, an die Betriebe verteilt. Unter Strich erhalten die Betriebe also immer noch so viel Geld wie vorher. Wenn man ein Instrument zur Verbesserung des Einkommens der Landwirte etablieren will, macht es doch mehr Sinn direkt die Arbeitskraft zu fördern, als die Fläche, die er bewirtschaftet.

von Stefan Lehr

Einkommenskiller

Dieser Foerdervorschlag bedeutet aber auch, dass das Betriebseinkommen fast aller Betriebe drastisch gekuerzt wuerde. Es gilt ja nicht nur den Blick auf die Betriebe mit bis zu 100 ha und 2 AK zu werfen, sondern EU-weit auf alle Betriebe. Und da fallen die groesseren Lohnarbeitsbetriebe (alleine schon in Schleswig-Holstein) gehoerig auf die Nase. Dieser Denkansatz ist definitiv nicht bis zum Ende durchkalkuliert und wird mehr Einbussen bringen als irgend ein "Durchreichen". Wer die gesamten Flaechenpraemien nur durchreicht sollte sich fuer die Zukunft seine Strategie eh neu ueberdenken. Wir reichen unsere Praemien z. B. nicht durch. Aber die Unternehmensstrategie muss jeder fuer sich selber entscheiden. Auf jeden Fall ist dieser 8000 Euro-Vorschlag nicht annehmbar.

von Gregor Grosse-Kock

Prämien

Waren eine Vermarktungshilfe dafür das die Intervention in der Form eingestellt wurde. Die ganzen Entfremdungen helfen nicht wirklich.

von Heinrich Esser

Vielen Dank, Herr Lehr

Ja, Entschuldigung mein Fehler. Es soll natürlich 8000 €/AK heißen. @ter Veen: Genau, "nur die paar Kröten", aber dafür kommen die seinem Einkommen zugute und werden nicht weitergereicht. Der wirkliche Effekt der jetzigen Zahlungen ist bedeutend geringer als das, was wirklich gezahlt wird. Und bei dem hier vorgeschlagenen System ist der Einkommenseffekt stärker. Es ist definitiv gerechter als heute.

von Bernhard ter Veen

@Lehr

Wie soll Das denn funktionieren bei Betrieben die allein mit eben nur einer AK plus Lohnunternehmer Einsatz in Spitzenzeiten geführt werden? soll der Nur die PAAR Kröten bekommen ? oder für den Nebenerwerbler ? soll der dann nur die hälfte ? oder oder oder ? das ist nicht zuende gedacht...und noch ungerechter als heute...

von Bernhard ter Veen

Agrarförderung

weg damit... Total einstampfen der Subventionspolitik und der zugehörenden Verwaltung. die SO freiwerdenden Beamten können ja dann zum überlasteten Zoll und Grenzschutz überwechseln und die Agrareinfuhren (Containerhäfen) kontrollieren und überwachen, sowie die Verarbeitenden Lebensmittelhersteller besser überwachen. zudem können ja dann auch einige zu den völlig unterbesetzten Finanzämtern wechseln damit wieder Steuergleichheit und Gerechtigkeit geschaffen werden. Für die paar noch verbleibenden Bauern sind noch genug Kontrolleure bei den Vet.ämtern sowie QS oder Laves und anderen Verbänden vorhanden. UND was dazukommt, so würden die Steuergeldfinanzierten Beamten auch noch Geld einbringen und nicht nur die öffentlichen Kassen belasten. Zudem könnten diese ja auch dann bis zum 69. lebensjahr ihre Dienste verrichten wie ALLE anderen Bürger ja auch müssen... Fachkräftemangel in der Verwaltung ade... wohl nur ein Traum...aber dafür würde ich auf meine Agrarförderung verzichten!

von Stefan Lehr

@Esser

Achtung: Es geht hier um 8000 Euro/Voll-AK. Nicht je ha!! Das waere bei einem Familienbetrieb mit 2,5 Voll-AK 20000 Euro. Egal ob 20 ha Gemuesebau, oder 500 ha Ackerbau.

von Heinrich Esser

Guter Vorschlag

8.000 €/ha würde auch bei einer Umwandlung der Flächenprämien in eine arbeitskraftbezogene Prämie in Deutschland herauskommen. Dies hielte ich für ein faireres Konzept, als das Jetzige, wo nur das Eigentum subventioniert wird. Zudem ist der Effekt auf die Pachtpreise unumstritten. Die Prämie pro Arbeitsplatz hätte den Vorteil, dass diese einkommenswirksam wären. Und schließlich verstehe ich nicht, dass der Großbetrieb im Osten, mehr für die gleiche Arbeitszeit bekommen soll, als der kleine Bauer in Bayern, der vom jetzigen System fast gar nichts hat.

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