Landwirtschaftskammern

Dramatische Einkommensentwicklung auf Deutschlands Höfen!

Der Verband der Landwirtschaftskammern schlägt Alarm. Die Gewinne und die Eigenkapitaldecke der landwirtschaftlichen Betriebe sind im Wirtschaftsjahr 2020/21 deutlich gesunken.

Das Wirtschaftsjahr 2020/21 brachte einem Großteil der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben ein empfindliches Gewinnminus verbunden mit Eigenkapitalverlusten. Geradezu dramatisch sind die Veredlungsbetriebe betroffen. Allein die Futterbaubetriebe konnten ihr Vorjahresergebnis in etwa bestätigen. Das teilt der Verband der Landwirtschaftskammern am Dienstag mit. Hinweis: Landwirtscaftskammern gibt es nur in den Bundesländern SH, Nds, NRW, Saarland und RLP.

Gewinne insgesamt deutlich verringert

Milchpreise auf Vorjahresniveau und Kostensteigerungen für Kraft- und Grundfutter setzten die Futterbaubetriebe weiterhin unter Druck. Die Unternehmensergebnisse sanken in Nordrhein-Westfalen (-2 %), Rheinland-Pfalz (-4 %) und Niedersachsen (-6 %). Die erreichten Gewinne bewegten sich in einer Spanne zwischen 51.000 € (NW) und 62.000 € (RP).

Zulegen konnten dagegen die Futterbaubetriebe in Schleswig-Holstein und dem Saarland. Während in Schleswig-Holstein der Effekt vor allem auf einer gesteigerten Milchleistung beruht, profitierten die Milchviehhalter im Saarland von höheren Verkaufserlösen bei Rindern und Schlachtkühen. Ausgehend von einem schwachen Vorjahresergebnis stiegen die Gewinne im nördlichsten Bundesland um 12 %, und zwar auf 60.000 € je Betrieb. Im Saarland stieg das Unternehmensergebnis der Futterbaubetriebe um 5 % auf 67.000 € je Betrieb.

Die Futterbaubetriebe haben jedoch unterschiedliche produktionstechnische Ausrichtungen. In der Spezialisierung Milchproduktion stellte sich das Betriebseinkommen traditionell deutlich erfreulicher dar als im sonstigen Futterbau. Unter dem Begriff sonstiger Futterbau subsummieren vor allem spezialisierte Bullenmäster und Mutterkuhhalter.

Trecker

Nach zwei Dürrejahren bestand Hoffnung auf einen nunmehr erfreulichen Wachstumsverlauf. Diese Hoffnung erwies sich aber als trügerisch. (Bildquelle: picture alliance / Zoonar | Peter Himmelhuber)

Deutliches Gewinnminus im Ackerbau

Deutliche Gewinnrückgänge waren bundesweit im Ackerbau zu verzeichnen. Die Unternehmensergebnisse dieser Betriebsform gaben in einer Spanne zwischen 8 % (SH) und 19 % (NW) nach. Die Einbußen der erneut unter dem fünfjährigen Durchschnitt liegende Getreideernte konnten über höhere Verkaufserlöse nur teilweise aufgefangen werden. Besonders die Hackfruchtbetriebe mussten starke Umsatzrückgänge bei Kartoffeln verkraften, so dass insgesamt Gewinn-Größenordnungen zwischen 41.000 € (SL) und 62.000 € (NI sowie RP) erzielt wurden.

Schweinehaltung: Ruinöse Verhältnisse

Einen existenzbedrohenden Einbruch der Einkommen hatten die Veredlungsbetriebe zu beklagen. Der Vorjahresboom in der Schweinehaltung nahm im ausgewerteten Zwölfmonats-Zeitraum wie beschrieben eine dramatische Kehrtwende. Die Schweinehalter in Nordrhein-Westfalen rangierten mit einem Gewinn in Höhe von 24.000 € je Betrieb auf der untersten Ebene der Skala. Mit 28.000 € Gewinn schnitt die Schweineproduktion in Niedersachsen kaum besser ab.

Näher betrachtet werden an dieser Stelle die Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, weil dort die meisten Schweine gehalten werden. Ausgehend von einer Nettorentabilität im Vorjahr von deutlich über 100 % brach diese im Untersuchungszeitraum um katastrophale 80 % ein. Nicht einmal 30 % der eingesetzten Faktoren Arbeit, Boden und Kapital konnten noch vergütet werden.

Schweine

Ökoschweinehaltung (Bildquelle: picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Ökolandbau mit nennenswerter Verbesserung der Ergebnisse

Ausgehend von einem mäßigen Vorjahresergebnis haben die Ökobetriebe ihren Gewinn um 19 % verbessert. Aufgrund der nur begrenzten Auswirkungen der Pandemie auf Bioprodukte und stabilen Preisen auf den Ökomärkten haben die Ökobetriebe aller Länder mit einer Landwirtschaftskammer im Schnitt einen Gewinn von 67.000 € erwirtschaften können. Damit gewährleisteten die Ökobetriebe eine nahezu vollumfängliche Rentabilität.

Eigenkapitalverluste in allen Betriebsformen

Die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe mussten nennenswerte Eigenkapitalverluste und große Liquiditätsprobleme im abgeschlossenen Wirtschaftsjahr verkraften. Unter Rentabilitätskriterien konnte keine Hauptspezialisierungsform in der konventionellen Landwirtschaft ein befriedigendes Ergebnis erzielen. Im Durchschnitt aller Betriebsformen und über alle Regionen hinweg gesehen gaben die Gewinne nach. Allein das Saarland behauptete sich mit einer Nullrunde.

Am stärksten prägte sich die negative Tendenz für die Schweinehochburgen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit 32 % (NI) bzw. 38 % (NW) Rückgang des Gewinns aus. In diesen beiden Bundesländern konnten die Produktionsfaktoren nur in etwa zur Hälfe vergütet werden. Bundesländer, mit nur wenigen schweinehaltenden Betrieben, wie Rheinland-Pfalz (-15 % Gewinn) und Schleswig-Holstein (-3 % Gewinn) hatten nur moderatere Rückgänge zu verkraften.

Damit ist eine Vergütung der eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital nicht vollumfänglich möglich. Die Nettorentabilität nahm deutlich ab, so dass die eingesetzten Produktionsfaktoren länderübergreifend nur zu etwa Dreiviertel entlohnt wurden.

Als Ausblick ist einzuschätzen, dass auch im laufenden Wirtschaftsjahr die Einkommenssituation in den landwirtschaftlichen Betrieben die bäuerlichen Familien vor eine weitere große Herausforderung stellen wird. Der noch nicht absehbare Verlauf der Pandemie sowie das zeitgleiche Auftreten der Afrikanischen Schweinpest und auch der Geflügelgrippe sorgen für übergreifend schlechte Rahmenbedingungen bei fehlenden Perspektiven im Bereich der Landwirtschaft.

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Getreideernte

Der Winter 2019/20 war zu mild. Der Frühling 2020 präsentierte sich erneut außergewöhnlich trocken. Regional verursachten Spätfröste größere Schäden. Auch im Frühsommer fehlten Niederschläge. Infolge der vorangegangenen Dürrejahre konnten die Böden kaum noch Feuchte nachliefern. Auch im Erntejahr 2020 war Wasser der limitierende Wachstumsfaktor. (Bildquelle: Fortuna)

R Ü C K B L I C K

Preise für Marktfrüchte durchwachsen

So erlebten die Bauern das dritte Trockenjahr in Folge. Regional verursachten Spätfröste größere Schäden. Schädlinge bereiteten im weiteren Vegetationsverlauf Probleme. Der Markt mit Getreide war nur knapp versorgt. Die gesamteuropäische Ernte blieb hinter den Erwartungen zurück. Dies eröffnete Exportmöglichkeiten für deutsches Getreide. Das hohe Preisniveau ab der Jahreswende 2020/21 konnte jedoch wegen geschlossener Kontrakte die Durchschnittspeise für das gesamte Wirtschaftsjahr nicht mehr steigern. Über das gesamte Wirtschaftsjahr gesehen erlösten die Erzeuger zwischen 15,80 €/dt (SH) und 17,50 €/dt (NW und RP). Dies entspricht einer Steigerung von überwiegend 5 % gegenüber dem Vorjahr.

Der Rapsmarkt tendierte im Vergleich zum Vorjahr positiv. Auch international zogen die Preise für Ölfrüchte an. Am Ende erhielten die Landwirte zwischen 38,50 €/dt (SL) und 40,70 €/dt (RP). Dies entspricht einer Preiserhöhung gegenüber dem Vorjahr von durchschnittlich 6 %.

Die Kartoffelpreise gaben um bis zu 30 % (SH) nach. In Niedersachsen, wo 60 % der bundesdeutschen Industrie- und Speisekartoffeln produziert werden, mussten die Betriebsleiter einen Preisrutsch von 25 % hinnehmen. Die Ursache ist vor allem in der Corona-Pandemie begründet. Geschlossene Kantinen, Mensen, Gaststätten und ausgefallene Großveranstaltungen ließen die Nachfrage einbrechen.

Milchpreise in der Seitwärtsbewegung

Der Milchmarkt wurde durch die Pandemie vorübergehend beeinflusst. Schulmilchprogramme wurden zeitweise eingestellt, Gastronomiebetriebe blieben geschlossen und der Lockdown reduzierte die Absatzmöglichkeiten. Demgegenüber schwächte sich aber das weltweite Wachstum der Milchproduktion ab. In den Bundesländern mit einer Landwirtschaftskammer erhielten die Erzeuger Milchpreise auf Vorjahresniveau zwischen 32,70 Cent/kg (SH) und 35,60 Cent/kg (RP).

Notierungen für Rinder im Aufwind

Bundesweite Bestandsrückgänge auf dem Rindfleischsektor haben dafür gesorgt, dass die Märkte nur knapp versorgt waren. Zudem haben die Verbraucher während der Pandemie heimisches Rindfleisch im Lebensmittelhandel eingekauft. Dies sorgte vor allem gegen Ende des Wirtschaftsjahres für eine Belebung des Absatzes. Die Preise zogen um rund 4 % an. Für Mastrinder wurden Stückpreise von 1.100 € (SL) bis 1.400 € (RP) erzielt.

Ferkelpreise auf Rekordtief

Seit April 2020 wurde der Rückgang des Verbrauchs durch die Schließung von Gaststätten, Kantinen sowie ausgefallene Großveranstaltungen wie Fußballspiele oder Volksfeste nicht mehr aufgefangen. Aufgrund von Corona-Fällen mussten die größten Schlachtbetriebe zudem über Monate gesperrt werden. Das sorgte für ein Überangebot an Tieren, die nicht verarbeitet werden konnten. Darüber hinaus ist der asiatische Markt derzeit aufgrund der Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen seit September 2020 gesperrt.

So fiel der Schweinepreis zum Jahreswechsel 2020/21 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Über das Wirtschaftsjahr gesehen mussten die Schweinemäster um ein Viertel gesunkene Preise je Mastschwein zwischen 130 € (SH sowie NI) und 137 € (RP) hinnehmen.

Eine deutlich sinkende Nachfrage führte zu dramatischen Einbrüchen bei den Ferkelpreisen. Preiseinbrüche zwischen 28 % (RP) und 36 % (NI und NW) waren die Folge. Ferkel wurden durchschnittlich zwischen 39 € (NW) und 54 € (RP) je Stück vermarktet.


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