Corona-Krise

Heidl fordert von Kaniber und Aiwanger Unterstützung der Agrarmärkte

In einem Brief an die Landesregierung schildert BBV-Präsident Heidl, wie er sich eine Unterstützung für die unter Druck stehenden Agrarmärkte Milch, Rind und Kartoffeln vorstellt.

Die Corona-Pandemie hat auch die Agrarmärkte im Griff. Dabei kommt es gerade in jenen Produktbereichen zu schwerwiegenden Verwerfungen, in denen der Absatz für den Außer-Haus-Verzehr bzw. der Export eine herausragende Rolle spielt - zum Beispiel bei Milch, Rindfleisch oder Kartoffeln.

Diese Situation hat der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl in einem Schreiben gegenüber Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger verdeutlicht. Heidl setzt sich für eine Unterstützung der betroffenen Bauernfamilien und Unternehmen ein. Es müsse darum gehen, Liquiditätsengpässen und Existenzgefährdung vorzubeugen.

Milch: EU-Beihilfen für die private Lagerhaltung

Auf dem Milchmarkt kann der Absatzrückgang in Gastronomie und Export durch die verstärkte Nachfrage nach haltbaren Milchprodukten wie H-Milch, Käse und Butter im Lebensmitteleinzelhandel nicht ausgeglichen werden. Die Betroffenheit der einzelnen Molkereien ist je nach Produktpalette und Absatzkanälen sehr unterschiedlich.

Um den Markt zu stabilisieren, hat sich der BBV bereits seit Wochen für die Einführung von EU-Beihilfen für die private Lagerhaltung eingesetzt. Inzwischen hat sich die EU-Kommission nun endlich dafür entschieden.

Zusätzlich sind aus BBV-Sicht zielgenaue Lösungen nötig, da die Betroffenheit der einzelnen Molkereien je nach Produktpalette und Absatzkanälen sehr unterschiedlich ist. Der BBV fordert bereits länger, dass Molkereien bei Marktproblemen gemeinsam mit ihren Milcherzeugern die Anlieferungsmenge steuern. Dieses eigenverantwortliche Handeln sei auch jetzt der richtige Ansatz.

Rindfleisch: Beihilfe für private Lagerung und Verbraucherkampagnen

Bei Rindfleisch gehen vor allem die Edelteile sowie Färsenfleisch in die Gastronomie sowie die Vorderviertel vom Kuhfleisch in die Systemgastronomie wie z.B. McDonalds. Auch Häute haben im Zuge von Corona massiv an Wert verloren, da die Nachfrage z.B. der Automobil, Möbel- und Schuhindustrie eingebrochen ist sowie die Gerbereien in Südeuropa Corona-bedingt nicht arbeiten. Zusätzlich belastet südamerikanisches Rindfleisch den Markt, das für die Gastronomie gedacht war und jetzt Käufer im Lebensmitteleinzelhandel sucht, schildert Heidl in seinem Brief weiter

Auch bei Rindfleisch wurde die Forderung des BBV nach Beihilfe für private Lagerung von der EU-Kommission aufgegriffen. Allerdings fordert der Verband, dass die Beihilfe nicht nur für ganze Hinterviertel ermöglicht wird, sondern auch für Edelteile und Häute. Dies ist bislang leider noch nicht vorgesehen.

Darüber hinaus setzt sich Heidl dafür ein, den Markt nicht noch zusätzlich durch Importe zum Beispiel aus Südamerika zu belasten sowie den heimischen Konsum durch gezielte Verbraucherkampagnen anzukurbeln. Außerdem sollten Möglichkeiten für die energetische Verwertung von Häuten geprüft und ggf. z.B. ein entsprechendes Pilotprojekt gefördert werden.

Kartoffeln: Pragmatische Ansätze nötig

Der Kartoffelmarkt ist zweigeteilt: Während abgepackte Ware für die Supermärkte sehr gefragt ist, gibt es europaweit praktisch keine Nachfrage für Pommes-Frites-Ware (siehe auch BBV-Pressemitteilung vom 29.04.2020). Auch hier spielt der fehlende Außer-Haus-Verzehr eine wichtige Rolle, aber auch der ins Stocken geratene Export. Die Überhänge an Pommes-Frites-Kartoffeln belasten derzeit den gesamten Kartoffelmarkt und können durch die guten Absätze im Einzelhandel bei weitem nicht aufgefangen werden.

Da im Kartoffelbereich keine EU-Marktstützungsinstrumente zur Verfügung stehen, fordert Heidl die beiden Minister Kaniber und Aiwanger auf, andere pragmatische Ansätze zu prüfen, wie z. B. den Wertverlust für alternative Verwertungen finanziell abzumildern.

Parallel dazu haben sich auch BBV-Bezirkspräsident Kreitmair und der Vorsitzende der Landesvereinigung der Erzeugergemeinschaften für Qualitätskartoffeln in Bayern e.V. Konrad Zollner an die Staatsminister Aiwanger und Kaniber gewandt.

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Die Marktexperten des Deutschen Bauernverbandes haben Informationen und Einschätzungen über die aktuellen Entwicklungen an wichtigen Agrarmärkten zusammengetragen.


Diskussionen zum Artikel

von Gregor Grosse-Kock

Zuviel

Milchbauern Ihr wisst gar nicht was Ihr fordert?! Handelsverbot von Spotmilch - der Nächste meint, die hätte kein Qm und keine Güteklasse - es ist weit gekommen mit den Absurditäten aus den eigenen Reihen! Wer von Euch kennt eine Molkerei wirklich von Innen und Wer von Euch hat ... mehr anzeigen

von Norbert Post

neues Zeitalter

Ich hab vor einige Wochen geschrieben wir sollten die guten Schweinepreise dazu nutzen, jetzt Preise für die Zukunft zu verhandeln. Nichts passiert in die Richtung. Jetzt geht der Preis abwärts, Panikverkäufe. Alle Preise gehen runter. Wir können doch nicht immer mehr produzieren als ... mehr anzeigen

von H. K.

Mit Privater Lagerhaltung

drücken wir den Preis auf Nachhaltig lange Zeit! Was soll der Scheiss ? Herr Heidl ist der Bauerverband nur für Milchviehhalter noch da? wenn die Schweinepreise weiterhin fallen siehts dort auch schlecht aus! Wo der BBV und der Staat hin langt gibt's danach mehr Probleme als zuvor.

von Willy Toft

Seine Vorschläge greifen nicht wirklich, die Politik setzt nur den Rahmen, und der ist ökonomisch gegen uns ausgerichtet!

Natürlich könnte der Staat mal wieder die Einfuhr- und Vorratstelle eröffnen, nur dazu fehlt Politisch der Mut! Da könnte man etwas, von den augenblicklichen Markt- Verwerfungen, unterbringen! Der BBV will auch kein Milchreduzierungsprogramm, das ist Schade, jetzt wird wieder viel ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

richtig

Einfuhr- und Vorratsstelle geht derzeit noch nicht!!! aber wäre dringend als Ergänzung zu den Einzelbetrieblichen Förderprogrammen wie AFP ( wo den Bauern viel Geld nachgeworfen wird ) absolut Notwendig. Diese Probleme hat nur der ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

War es nicht gerade jener Verband

Der immer gefordert hat der Export müsste ausgebaut werden? Jetzt fordert er die Molkereien auf mit ihren Milcherzeugern die Menge zu steuern. Nichts anderes hat Friesland Campina seit 1.1.2019 auch getan. Dabei haben die auch Mehr als nur1 Mrd kg an wachstumswilligen Betrieben an die ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Italienhandel kam teilweise zum erliegen!

So schnell ändert sich die Meinung, wenn der Boden der Tatsachen erreicht ist!

von Hans Nagl

Sofort.

Wenn dann gehört sofort der Handel mit Spotmilch verboten. Den die Spotmilch beschleunigt den Preisverfall im LEH . Molkerei A verkauft Spotmilch für 20 Cent an Molkerei B Molkerei B bietet da wieder billiger Milchprodukte als Molkerei A im LEH an und kann damit sogar noch Gewinn ... mehr anzeigen

von Renke Renken

Hans Nagl, das ist mal ein Ansatz

Irgendwie müssen wir ja mal zu vernünftigen Lösungen kommen, dieses immmer und ewige immer weiter so ohne Sinn und Verstand führt uns alle früher oder später in den Ruin

von Renke Renken

Aber man hat

mal was von ihm gehört, auch wenn's im luftleeren Raum verhallt

von Erwin Schmidbauer

Nutzt so ein Aufruf?

Weder Kaniber noch Aiwanger haben die Macht und die Möglichkeit, Entscheidendes zu tun. Selbst wenn sie wollen, sind ihre Einflüsse nur sehr beschränkt.

von Hans Spießl

Aber der Ansatz ist Gut. Der BBV wird auch langsam in die Lage kommen sich entscheiden zu müssen da die Gelder immer weniger werden, wer die Gelder bekommt der Bio, Öko, Bauer der meist auch noch die Lebensgrundlage Boden ... mehr anzeigen

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